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Predigten zu 4. Mose 9,17

"Und so wie die Wolke sich von dem Zelte erhob, brachen danach die Kinder Israel auf; und an dem Orte, wo die Wolke sich niederließ, daselbst lagerten sich die Kinder Israel."

Autor: Alfred Christlieb (* 26.02.1866; † 21.01.1934) deutscher Theologe
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"So oft sich die Wolke aufhob von der Hütte, so zogen die Kinder Israel; und an welchem Ort die Wolke blieb, da lagerten die Kinder Israel."

Die Führung durch die Wolkensäule war für Israel eine Schule, in der sie allerlei verlernen mussten. Zunächst galt es, das menschliche Pläne machen zu verlernen. Das Plänemachen hat einen merkwürdigen Reiz. In einer Hinsicht ist es ja lebensnotwendig. Aber - es darf nur geschehen unter der Zucht des Geistes Gottes. Der eigene Verstand, der eigene Wille, darf nie wieder die Zügel der Lebensführung in die Hand bekommen. Was hätte es Israel auch genutzt, wenn es den Plan gefasst hätte, direkt nach Norden und nach Kanaan zu marschieren. Zog die Wolke nach Süden, dann hätten sie ohne Gott durch die Wüste irren müssen. Nein, das eigenwillige Plänemachen taugt nichts für Gottesmenschen. Es hört in der Schule Gottes allmählich auf und man wird, wie Paulus von sich sagt, "ein Gebundener Jesu Christi". -

Die stets zur Reisebereitschaft mahnende Wolkensäule machte es den Israeliten auch unmöglich, sich allzu häuslich und behaglich einzurichten. Sie wussten ja nie, wie lange die Wolkensäule verweilen würde. Heimatlich einrichten sollten sie sich erst in Kanaan. -

Ähnlich geht es uns in der Nachfolge Jesu. Da verlernt man, diese Erde als bleibende Heimat anzusehen. Unsere wahre Heimat ist droben! Hier sind wir nur Gäste und Fremdlinge. Freundlich, reinlich und geschmackvoll soll unsere Wohnungseinrichtung sein. Sie zeige aber auch immer unseren Pilgersinn. -

Verlernt haben die Israeliten bei der Leitung durch die Wolkensäule auch das Schelten über schlechte, menschliche Führung. Es kam ja jede Unannehmlichkeit, die mit den Reisestationen zusammenhing, direkt aus Gottes Hand. -

So verstummen in der Nachfolge Jesu manche der üblichen Klagen, weil man lernt, alles vom Herrn anzunehmen. Ja, endlich kann man mit dem verbannten Chrysostomus beten: Herr, ich danke dir für alles!


Autor: Alfred Christlieb (* 26.02.1866; † 21.01.1934) deutscher Theologe
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"Die Kinder Israel zogen. Die Kinder Israel lagerten sich."

Bei ihrer Wüstenwanderung hinter der Wolkensäule her haben die Kinder Israel auch Wichtiges gelernt. Zunächst das Wachen. Die Wolkensäule führte oft seltsame, unbegreifliche Umwege. Manchmal blieb sie lange in der Wüste stehen, so sehr die Israeliten darauf brannten, vorwärts zu kommen. "Wenn die Wolke viele Tage verzog, so warteten die Kinder Israel der Hut des Herrn und zogen nicht" (4. M. 9, 19). Wie hat da manch ein Feuergeist mit seiner Ungeduld kämpfen müssen, ehe er das Warten lernte. -

Ein Christ ist ein Mensch, der warten kann. Warten heißt, mit Mose 40 Jahre in der Wüste der göttlichen Berufung harren. Warten heißt, mit Joseph geduldig im Gefängnis bleiben, wenn der Mundschenk sein Versprechen vergisst. Warten heißt, mit dem jung bekehrten Eiferer Saulus in Tarsus bleiben, bis Barnabas einen wieder in die Arbeit ruft. Können wir warten? Auch wenn die Wolkensäule monatelang über einem schweren Krankenlager Halt macht? -

Ach Herr! Vergib mir alle Ungeduld! - "Die Kinder Israel zogen - die Kinder Israel lagerten sich". Ob der Ort angenehm war oder nicht, danach wurde nicht gefragt. "Nach dem Wort des Herrn zogen sie; nach dem Wort des Herrn lagerten sie" (V. 18). Das klingt fast militärisch. Unter den Streitern Christi herrscht eine andere Disziplin als in der Armee Sauls, die auseinanderlief, als Samuel nicht kam (1. Sam. 13, 8). Beim Heiland bleibt man gehorsam, wo man hingestellt wird. Lasst uns gehorchen lernen wie Abraham, als er Isaak opfern musste, gehorchen wie Paulus, als Gott ihm einen anderen Weg zeigte, als er selber es gewollt (Apg. 16, 6). - Nicht jeder ist so leitsam wie Paulus. Jonas wollte erst nicht gehorchen. Gott lehrte ihn die Kunst. Zwingli sagte bei seiner Antrittspredigt in Zürich, er habe Gott früher gebeten, ihn nur nicht nach Zürich zu senden. Jetzt aber gehorche er. - Herr, lehre auch uns, warten und gehorchen nach deinem Willen.