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Predigten zu 5. Mose 34,8

"Und die Kinder Israel beweinten Mose in den Ebenen Moabs dreißig Tage lang; und es wurden die Tage des Weinens der Trauer um Mose vollendet."

Autor: Alfred Christlieb (* 26.02.1866; † 21.01.1934) deutscher Theologe
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"Und die Kinder Israel beweinten Mose im Gefilde der Moabiter dreissig Tage."

Als einst die gottlose Königin Athalja tot war, "freute sich alles Volk im Lande". Wie betrüblich, wenn ein Mensch so lebt, dass alles erleichtert aufatmet, wenn er endlich tot ist. Bei Moses Abscheiden finden wir das Gegenteil. Das ganze Volk beweint seinen Verlust dreissig Tage lang. Bei Samuels Ende heißt es (1. Sam. 25, 1): "Das ganze Israel trug Leid um ihn". Bei Josias Begräbnis (2. Chronik 35, 24) lesen wir: "Ganz Juda und Jerusalem trugen Leid um Josia". Den Stephanus bestatteten gottesfürchtige Männer und hielten eine große Klage über ihn (Apg. 8, 2). - Manchen Gottesknechten ergeht es so, dass sie bei Lebzeiten von vielen verkannt und oft getadelt, nach ihrem Heimgang aber beweint und von allen anerkannt werden. Es geht ihnen nach dem Wort Sprüche 20, 14: "Böse, böse spricht man, wenn man's hat; aber wenn's weg ist, so rühmet man es dann". Dem Gottesmanne Moses ist es auch oft ähnlich ergangen. Man hätte manchem Israeliten, der sich an der dreissigtägigen Trauerfeier eifrig beteiligte, den Vorwurf machen können, er hätte besser dem Mose bei Lebzeiten seine Wertschätzung beweisen sollen. - Israel hat jedenfalls alle Ursache gehabt, Moses Verlust zu beweinen. Mit ihm hatte es einen treuen Beter, ein priesterliches Herz verloren. Wie oft war er fürbittend eingetreten für das von Gottes Zorn bedrohte Volk. Wie selbstlos hatte er sich um das wahre Wohl Israels bemüht. - Manchmal wird in einer Familie, einem Dorf, einer Gemeinschaft oder einer Gemeinde alles anders, wenn ein treuer Beter gestorben ist. - Der Volksmund sagt: "Als du geboren wurdest, da hast du geweint, die andern haben sich gefreut. Nun sorge, wenn du einst stirbst, du dich kannst freuen, und die andern weinen." Bei Mose ist es so gewesen.


Autor: Frederick Brotherton Meyer (* 08.04.1847; † 28.03.1929) englischer Baptistenpastor

Seine Augen waren nicht dunkel geworden, und seine Kraft war nicht verlassen

Dies galt zunächst von dem natürlichen Leben Mosis. Viel Mühsal und Kummer hatte er erlebt; aber in seiner Glaubenseinfalt hatte er gelernt, seine Last auf den HErrn werfen, und das hatte ihn bewahrt vor vorzeitiger Abnahme seiner Kräfte. Seine Heimat, seine Hilfe, seine Zuversicht war bei Gott; er selbst war nichts, Gott war alles. Darum ward ihm seine Jugendfrische erhalten.

Doch es liegt noch ein tieferer Gedanke hierin: Moses war der Vertreter des Gesetzes. Durch ihn war es dem Volk gegeben worden und hatte es sich gleichsam verkörpert in seiner ernsten, strengen Gestalt. Er brachte das Volk bis an die Grenze des gelobten Landes; aber nicht hinüber: so kann auch das Gesetz Gottes, auch wo es geehrt und gehalten wird, uns nicht in das Land der Verheißung bringen. Wir stehen auf der Pisga – Höhe unserer eigenen Anstrengungen, und sehen es von ferne in aller seiner Schönheit ausgebreitet; aber wenn wir noch nicht weiter gekommen sind, als: „Tue das, so wirst du leben,“ so können wir nimmermehr hinübergehen in das selige Leben der Ruhe und des Sieges, wovon Kanaan ein Abbild war. Nicht als ob das Gesetz an sich kraftlos wäre; nein, es ist stets heilig, recht und gut. Ob auch die Jahrhunderte dahineilen und Himmel und Erde untergehen, so werden die kleinsten Buchstaben und Tüttel des Gesetzes in unveränderter Majestät stehen bleiben. Es muss erfüllt werden, zuerst durch den Sohn, dann durch Seinen Geist in unsern Herzen. Lasset uns nie das forschende Auge dieses heiligen Gesetzes vergessen, das alles Böse entdeckt, und mächtig genug ist, jegliches Unrecht zu rächen. Sein Auge wird nicht dunkel, seine Kraft verfällt nicht. Flüchten wir deshalb zu Jesu, unsrem Stellvertreter, der das Gesetz verherrlicht, Seinen Ansprüchen Genüge geleistet und es zu Ehren gebracht hat.