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Predigten zu 5. Mose 4,7

"Denn welche große Nation gibt es, die Götter hätte, welche ihr so nahe wären, wie Jehova, unser Gott, in allem, worin wir zu ihm rufen?"

Autor: Christoph Blumhardt (* 01.06.1842; † 02.08.1919) deutscher evangelischer Theologe, Pfarrer und Kirchenlieddichter
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(“ Wo ist so ein herrliches Volk. dem ein Gott so nahe ist wie uns der HErr, unser Gott, sooft wir Ihn anrufen?“)

Es war allerdings etwas besonders Großes, Wichtiges und Einziges in Israel, daß sich der HErr, sooft Er angerufen wurde, den Anrufenden nahetrat. So konnte es kein Volk auf Erden haben, weil alle Völker den Götzendienst hatten, stumme Götzen anbeteten.

Nahe machte sich der HErr durch Erhörungen aller Art, durch Wohltun der Gemüter, insbesondere beim hohenpriesterlichen Segen, den man im Tempel empfing, und nahe kam Er unter den Beobachtungen der gottesdienstlichen Ordnungen und Anstalten. Wer in den Tempel kam, konnte etwas zur Beruhigung seines Herzens und zum Trost finden wie eine Hanna, die nach der Unterredung mit dem Hohenpriester Eli so getröstet von dannen ging. Leicht war es einem Israeliten, die Nähe seines Gottes zu empfinden, wo er Ihn auch anrief, wie uns namentlich die Psalmen lehren können.

Der HErr gab sich aber auch persönlicher in Israel den Anrufenden kund; und wenn es auch durch Engel geschah, war es immer der HErr, und nur Er. Er ließ sich förmlich fragen und erteilte Rat und Antwort, sooft man's bedurfte. So bekam auch David auf seiner Flucht vor Saul vermittelst des priesterlichen Leibrocks - denn gewisse Formen, unter denen sich Gott bezeigte, waren da notwendig - öfters Rat und Aufschluß. Mose insbesondere konnte zu jeder Stunde den HErrn fragen und bekam in allen schwierigen Sachen Auskunft. Auch Josua konnte so mit Gott reden. Später blieb's mehr bei den Hohenpriestern. Und als diese lau und gleichgültig wurden, erweckte Gott unter dem Volk beliebig Seher und Propheten, bei welchen jedermann sich Rat erholen konnte und durch welche Gott auch ungefragt Weisungen, Drohungen und Verheißungen gab, wie es die Pflege des Volks erfordern mochte. Das war doch etwas Schönes und Liebliches, wie es kein Volk auf Erden gehabt hat! In der Folge brachte der Hang des Volkes zum Götzendienst große Störungen, und es mischten sich auch falsche Propheten ein. Nach der Babylonischen Gefangenschaft, da sich das Volk mehr an Formen hielt als an Gott und weltlicher wurde, hörten die persönlichen Bezeigungen Gottes bald ganz auf und wurden nicht einmal unter den großen Kämpfen der Makkabäer fühlbar, oder nur in sehr schwachem Grade.

Was aber Israel einst hatte, sollte im Neuen Bunde viel völliger werden, wie schon die Verheißungen anzeigen, besonders die Verheißungen des Heiligen Geistes, der als Lehrer, Tröster und Führer allen Gliedern der Gemeine zukommen sollte. Alle sollten von Gott gelehrt sein, unter Seinem unmittelbaren Einfluß und Schutz stehen und das Nahesein des Heilandes fühlen, sooft sie Ihn anrufen würden.

Wohl sind wir nach und nach in eine arme Zeit hineingekommen und mögen mehr die Empfindung Seiner Ferne als Seiner Nähe haben. Aber noch hat Er sich nicht Seinen Kindern so verborgen, daß Er nicht mehr nahekäme, wenn wir ernstlicher und lauterer Ihn anrufen würden. Auch Weisungen können wir im stillen bekommen durch Winke und Züge, die der Geist Gottes den Herzen gibt.

Wohl sehnen wir uns nach völligeren Bezeigungen des HErrn, wie sie vormals waren; und sie mögen auch, wenn es Zeit ist, wiederkehren.

Aber würden wir das, was wir haben, nur treuer benützen und würden wir kindlicher glauben: wir könnten's wahrlich immer noch erfahren, daß Er sich uns nahetut, sooft wir Ihn anrufen!


Autor: Elias Schrenk (* 19.09.1831; † 21.10.1913) deutscher Theologe und Erweckungsprediger des Pietismus

Denn wo ist so ein herrliches Volk, zu dem Götter also nahe sich tun, als der Herr, unser Gott, so oft wir ihn anrufen.

Als Mose diese Worte aussprach, war ein großer Teil des Volkes, das mit ihm aus Ägypten gezogen war, gestorben. Ein neues Geschlecht war in der Wüste aufgewachsen, unter dem bei aller Sünde doch ein frischerer Zug zu verspüren war. Sie hatten Freudigkeit, das Land der Verheißung in Besitz zu nehmen. Wenn Mose dieses Volk ein herrliches Volk nannte, so wollte er freilich nicht sagen, es sei in sich selbst so herrlich, gut und treu. Was Israel herrlich machte vor andern Völkern, das war die Offenbarung, die Großtaten und Gnadenerweisungen Gottes unter ihm. Ein Volk ist nur in so weit herrlich, als Gott in seiner Geschichte zu sehen ist. Dasselbe ist auch im Einzelleben der Menschen der Fall. Äußere Macht, wie Militärmacht, Reichtümer, Handel und Industrie machen ein Volk noch nicht herrlich; denn diese Dinge vergehen, wie die Geschichte vieler Völker beweist. Fällt man von Gott ab, so zieht sich Gott von einem Volk zurück, und es verfällt dem Gericht; auch seine äußere Größe hört auf. Die Ägypter waren auch nach jenen Gerichten, die Israels Auszug vorangingen und nachfolgten, nach Weltbegriffen viel herrlicher als das kleine Israel, das noch ohne Land war, als Mose obige Worte sprach. Dennoch erscheint Israel Mose herrlicher als die Ägypter, weil die Götter der Ägypter Nichtse waren, Israel aber das Walten des lebendigen Gottes täglich in seiner Mitte erfuhr. Hätte Israel nur von Offenbarung in vergangenen Tagen reden können, so wäre auch seine Herrlichkeit dahin gewesen. Mose konnte aber von der Gegenwart sagen: Der Herr unser Gott tut sich uns nahe, so oft wir ihn anrufen. Sehen wir wohl zu, dass wir nicht von vergangener Herrlichkeit reden müssen, während wir in der Gegenwart verarmt sind. Nahen wir uns zu Gott, so naht er sich zu uns, und so ist der tägliche Umgang mit ihm das beste Mittel, die Herrlichkeit Gottes unter uns zu bewahren.

Herr, Dein ist die Herrlichkeit! Du allein bist herrlich. Offenbare Dich auch unter uns und unter unserm Volk zur Ehre Deines Namens. Amen