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Predigten zu 5. Mose 8,2

"Und du sollst gedenken des ganzen Weges, den Jehova, dein Gott, dich hat wandern lassen diese vierzig Jahre in der Wüste, um dich zu demütigen, um dich zu versuchen, um zu erkennen, was in deinem Herzen ist, ob du seine Gebote beobachten würdest oder nicht."

Autor: Carl Eichhorn (* 11.07.1810; † 08.02.1890) deutscher lutherischer Pastor
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Die Notwendigkeit der Proben (I)

"Der Herr, dein Gott, versuchte dich, dass kundwerde, was in deinem Herzen wäre."

"Gott versucht niemand", sagt der Apostel Jakobus. Steht dieses Wort nicht im Widerspruch zu unserer Stelle? Keineswegs! Versuchung hat in der Heiligen Schrift einen doppelten Sinn. Das Wort kann bezeichnen einen bösen, sündlichen Reiz, aber auch eine Probe, bei der sich zeigen soll, ob der Mensch fest zu seinem Gott steht oder nicht. Niemals wirft Gott in die Seele einen bösen Funken. Insofern versucht er niemand. Wohl aber schickt er allerlei Proben, damit die Seinen geläutert und in den Stand der Bewährung gebracht werden. Er lässt durch allerlei Versuchungen zum Vorschein kommen, was im Herzen ist. Da wird versteckte Welt- und Selbstliebe, auch geheime Sündenneigung offenbar. Das will der Herr, damit diese Dinge in gründlicher Buße ausgeschieden und das Herz gereinigt werde. So hat er Abraham versucht, so sein Volk Israel. Über die Christen in Smyrna schickte er eine zehntägige Trübsal, damit sie "versucht" würden (Offb. 2, 10). Gott benutzt zu solchen Versuchungen auch den Satan, wie uns das Buch Hiob zeigt. So hat er die Apostel dem Satan in sein Sieb gegeben. Satan hat sie "begehrt". Wie der Teufel alles Gute bezweifelt, so hatte er auch keinen Glauben an die Treue und Echtheit der Apostel. Er dachte nicht anders, als dass sie bei der Sichtung samt und sonders als Spreu durchfallen werden. Am ärgsten wurde Petrus zuschanden, der sich zuvor am meisten zugetraut hatte. Aber doch fiel auch er nicht gänzlich ab. Es hat sich zwar gezeigt, dass noch viel Spreu in ihm war, aber er war doch nicht lauter Spreu. Gott lässt auch Fromme, die stolz oder in ihrem Herzen abgewichen sind, zu Fall kommen (Hes. 3, 20). Gott will, dass der verborgene Schade offenbar werde. Er will nicht, dass untreue Fromme verlorengehen, darum rüttelt er sie auf. Satan will den Gerechten verderben. Gott übergibt in des Versuchers Hände, dass durch tiefe Demütigung die Ernüchterung komme. Gott bringt auch nicht den Reiz zum Bösen selbst an ihn heran, das tut der Versucher. Nie legt Gott Schlingen oder weckt die böse Lust und schürt den Hochmut. Manche wollen die Schuld ihres Falls auf Gott schieben: Er hat mich in diese Lage gebracht. Das ist ein großer Irrtum. Die Wahrheit ist: Ich bin gefallen durch meine Schuld. Er versucht selbst niemand zum Bösen. Dieses "selbst" fehlt in der Luther-Übersetzung. Er gebraucht höchstens Satan als Werkzeug, hat aber nur Gedanken des Heils und Segens. In den Proben wird kund, was im Herzen drin ist. In den Aposteln steckte noch viel Menschenfurcht und Kleinglaube. Beim Volk Israel zeigte sich in den mancherlei Proben während der Wüstenwanderung noch viel Unzufriedenheit, Murren und Ungehorsam. Gott weiss, was an unlauterem Wesen und Schlackenwerk in unserm Herzen verborgen ist. Wir selbst wissen das nicht genau. Gott will, dass es offenbar werde, damit wir uns darüber in immer neuer Buße beugen.


Autor: Hugh E. Alexanders (* 1884; † 1957) englischer Evangelist, der Anfang des 20. Jahrhunderts in der französischen Schweiz wirkte

Ohne Gottes Wort wäre der Christ in den Schwierigkeiten, Anfechtungen und Widerwärtigkeiten des Lebens nur auf sich selber angewiesen. Heutzutage kann man sich mit Recht fragen: Wo ist die Hoffnung dieser Welt? Was tut die Welt, wenn Schwierigkeiten kommen? Wo sucht sie Zuflucht? Und wir denken an das Wort des Propheten Jesaja: «O daß du doch auf meine Gebote geachtet hättest! Dann wäre dein Friede wie ein Wasserstrom gewesen und deine Gerechtigkeit wie Meereswellen» (Jesaja 48,18).

«Und du sollst an den ganzen Weg gedenken, durch den der HERR, dein Gott, dich geführt hat …, um dich zu prüfen.» Gott läßt die Schwierigkeiten der Wüste zu, um zu prüfen, wie es um unser Herz bestellt ist. Er läßt uns auf einem mit Hindernissen übersäten Weg wandern, um zu erfahren, ob wir Ihn von ganzem Herzen lieben. Hebräer 12 sagt uns, daß Gott uns als Söhne behandelt, daß Seine Erziehung uns zum Besten dient und wir durch sie bereichert werden. Sein väterliches Bestreben zielt darauf hin, daß wir in Seiner Liebe und Erkenntnis zunehmen. Und wenn wir auf Seinen Willen eingehen, wenn wir der Wolken- und Feuersäule folgen, werden wir die friedsame Frucht der Gerechtigkeit sehen. Durch solche Erfahrungen wachsen wir in Christus. Seinen Willen zu erfüllen ist für uns dann keine Last, sondern ein Vorrecht und eine Stärkung.

Weiter sagt Gottes Wort: «Und er demütigte dich und ließ dich hungern, … um dich erkennen zu lassen, daß der Mensch nicht vom Brot allein lebt, sondern daß er von all dem lebt, was aus dem Mund des HERRN hervorgeht» (5. Mose 8,3). Gott ließ zu, daß Sein Volk durch Hunger geprüft wurde; Er erlaubte auch dem Teufel, Seinen geliebten Sohn durch Hunger in Versuchung zu führen. Unser Herr, der gänzlich von dem Wort Seines Vaters abhängig war, widerstand dem Teufel, indem er diese Schriftstelle anführte. Wenn der Satan uns mit raffinierten Versuchungen naht, dann wollen auch wir ihm das «Es steht geschrieben» entgegenhalten! Dann muß er weichen. Solche Erlebnisse sind Gelegenheiten, Gott auf die Probe zu stellen und uns auf nichts als Sein Wort zu verlassen. So bereichert uns jeder errungene Sieg. Ja, unser himmlischer Vater möchte erfahren, was in unserem Herzen ist. «Herr, Du weißt alle Dinge. Du weißt, daß ich dich lieb habe» (Johannes 21,17).