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Predigten zu Amos 1,7

"so werde ich ein Feuer senden in die Mauer von Gasa, und es wird seine Paläste verzehren;"

Autor: Jakob Kroeker (* 1872; † 12.12.1948) wichtigster Vertreter des freikirchlichen russländischen Protestantismus
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"So sende Ich Feuer in die Mauern Gazas, und es wird fressen ihre Paläste. Und Ich rotte aus den Bewohner aus Asdod und die Szepterhalter aus Askalon und kehre meine Hand wider Ekron und untergehen wird der Rest der Philister, spricht der HERR HERR." Amos 1,7 f

Auch hier entspricht - wie so oft in der Geschichte - die Härte des Gerichts der Härte der Schuld, die zum Gericht führte. Feinde werden kommen, die Städte Philistäas und deren Paläste und Bewohner zertreten und jeden übrig gebliebenen Rest vernichten. Es sei hier nur an die Worte Max Webers erinnert, mit denen er die schauderhafte Kriegsführung der Assyrer in jener Zeit schildert, die das Gericht an den Philistern ausführten. "Eine so furchtbare Kriegführung, wie namentlich die der Assyrerkönige, war in diesen Dimensionen noch nie erlebt worden. Die Keilinschriften dampfen von Blut." Der König berichtet im Ton trockener Protokolle von furchtbaren Grausamkeiten an den Eroberten.

Diese Schrecken kamen als Gericht auch über das Land der Philister und deren Hauptstädte. Denn es ist nicht Gott, der Gericht übt, der Mensch erlebt sein Gericht durch den Menschen. So oft in der Sprache der Bibel auch das Gericht als eine Aktivität Gottes geschildert wird, niemals sind solche Grausamkeiten, von wem sie auch immer ausgingen, im Auftrag Gottes geschehen. Jede Schuld trägt ihr Gericht in sich selbst und kann dieser Selbstvergeltung niemals entrinnen. Ein Entrinnen ist nur möglich, wenn Gott durch Vergebung in die Entwicklung der Schuld eingreifen und den Menschen in jenen neuen Zustand versetzen kann, der nicht mehr dem Gericht unterliegt.

Daher die ungeheure Bedeutung der Beugung des Menschen unter seine Schuld und die Glaubenszuflucht zu Gott. Hat der Mensch erst wieder Raum für das Handeln Gottes, dann sieht er sich aus dem Gericht zum Leben geführt. Ohne uns hier in den biblischen Sprachgebrauch über den "Zorn Gottes" zu verlieren, muss das Gesagte denen gegenüber doch so stark betont werden, die die Gerichtssprache der Bibel nicht mit dem Wesen Gottes in Einklang bringen können. Und wenn die Welt nicht im Laufe der Geschichte an sich selbst restlos zugrunde gegangen ist, so hat sie es dem ewig neuen Eingreifen der Barmherzigkeit Gottes zu verdanken. Was sie dauernd aus ihren Selbstgerichten rettete, war Gottes Aktivität. Also nicht von Gott, vom Menschen geht jedes grauenhafte Gericht aus. Er trägt es in seinem Herzen und er schafft es durch die täuschenden Ideen seines Geistes. Und je gelöster sein Handeln von Gott war, desto entsetzlich er war das Gericht, das er sich in seinen Geistes- und Kulturschöpfungen für die Zukunft vorbereitete.