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Predigten zu Apostelgeschichte 12,13

"Als er aber an der Tür des Tores klopfte, kam eine Magd, mit Namen Rhode, herbei, um zu horchen."

Autor: Alfred Christlieb (* 26.02.1866; † 21.01.1934) deutscher Theologe
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Als Petrus an die Tür des Tores klopfte, trat eine Magd hervor, zu horchen, mit Namen Rhode.

Eine nähere Betrachtung der Magd kann besonders solchen Leuten Freude und Erquickung bereiten, die sich in untergeordneter, dienender Stellung befinden. Sie war "nur" eine Magd, aber ihr Name ist in der Heiligen Schrift aufbewahrt worden. Ihrem Stande nach gehörte sie nicht zu den sogenannten vornehmen Personen. Sie war eine Türhüterin. Aber obwohl sie nur eine schlichte Magd war, hat die Heilige Schrift ihren Namen verwahrt. Das ist eine Auszeichnung, die nur sehr wenigen Menschen zuteil geworden ist. Der arme Lazarus ist einer dieser Bevorzugten. Der Name des reichen Mannes ist verschollen. Wir kennen auch nicht den Namen des römischen Hauptmanns, der unter dem Kreuz stand, wohl aber den Namen dessen, der dem Herrn Jesu das Kreuz nachtrug. Wie mancher Name, hier unten stadt- oder gar weltbekannt, wird in der Ewigkeit eine unbekannte Grösse sein. Der Name einer Magd, die zu den Bekennern Jesu gehört, ist höher zu achten als der Name eines Großen in der Welt, der dem Wort Gottes stolz den Rücken kehrt. - Die Heilige Schrift lässt uns auch einen Blick tun in das Innenleben dieser Türhüterin. Sie erkannte den Petrus sogleich am Klang seiner Stimme. Eine unbeschreibliche Freude erfüllte ihr Herz. Während sie vorsichtig und behutsam sich dem Tore genähert hatte, lief sie jetzt so schnell wie möglich in das Haus zurück. Man merkt daran: Das große Gebetsanliegen der Gemeinde, die Rettung des Apostels, brannte auch ihr im Herzen. Ihre Gebete waren mit denen der ganzen Christenschar zu Gott aufgestiegen. Das Schicksal des Apostels bewegte sie nicht weniger, als das bei den leitenden Brüdern der Fall war. Fast möchte man vermuten, wie sich aus dem weiteren Verlauf der Geschichte ergibt, dass diese schlichte Magd im Glauben tiefer gegründet war als mancher andere.


Autor: Alfred Christlieb (* 26.02.1866; † 21.01.1934) deutscher Theologe
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Die Magd Rhode

Die Magd Rhode wird in der Heiligen Schrift nur kurz erwähnt, aber ihr Bild ist lieblich und erquickend.

1. Ihr Name ist aufbewahrt worden

Obwohl Rhode nur eine schlichte Magd war, ist ihr Name erhalten geblieben. Es gibt viele, deren Name ungenannt oder vergessen ist. In der Geschichte vom reichen Mann und armen Lazarus ist nur der Name des letzteren erwähnt, der andere wird nicht mit Namen, sondern nur "ein reicher Mann" genannt (Lk. 16, 19). Wir wissen nicht den Namen des Hauptmannes, der die Hinrichtung Jesu leitete (Lk. 23, 47), wohl aber den Namen des Mannes, der für Jesus das Kreuz tragen musste (Lk. 23, 26). Wie mancher Name, der hienieden Stadt- oder weltbekannt war, wird in der Ewigkeit vergessen sein! Der Name einer Magd, die zu den Bekennern Jesu gehört, ist höher zu achten als der Name eines Großen in der Welt, der dem Wort Gottes stolz den Rücken kehrt.

Die ausdrückliche Nennung von Rhodes Namen deutet klar darauf hin, dass sie von dem Schreiber der Apostelgeschichte nicht geringschätzig angesehen wurde. Auch eine Magd, die zur Christengemeinde gehört, ist es wert, dass ihr Name gekannt und behalten wird.

2. Sie nimmt Anteil am Weg des Reiches Gottes

Wir können auch einen Blick in die innere Gesinnung dieser Türhüterin tun. Wir lesen: "Als sie des Petrus Stimme erkannte, tat sie das Tor nicht auf vor Freuden, sondern lief hinein und verkündete es ihnen, Petrus stünde vor dem Tor" (V. 14). Es war jene Nacht, in der die Gemeinde ernstlich für die Befreiung des Apostels Petrus betete. Diesen hatte der König Herodes gefangen gesetzt. Gott erhörte das Flehen und wirkte des Petrus wunderbare Befreiung. Als der Apostel vor das Haus Marias, der Mutter des Markus, kam (V. 12), war Rhode, die Magd und Türhüterin, die erste, die seine Stimme hörte und erkannte. Der Klang dieser Stimme erfüllte sie mit einer gar nicht zu fassenden Freude.

Schon ihre verschiedene Gangart lässt uns ihren inneren Jubel erkennen. Während sie erst behutsam zur Tür ging (sie "trat hervor" , V. 13), konnte sie jetzt nicht schnell genug zurückeilen (sie "lief" , V. 14). Diese Freude lässt uns erkennen, dass Rhode dem großen Gebetsgegenstand der Gemeinde Jesu, die anhaltend für Petrus flehte, nicht gleichgültig gegenüberstand. Sie dachte nicht: "Diese Angelegenheiten gehen nur die leitenden Brüder der Gemeinde, aber nicht mich etwas an." Nein! Ihr Herz wurde von dem Schicksal des Petrus gerade so bewegt wie das Herz aller Gläubigen. Auch ihr Gemüt war erfüllt von dem Wunsch, dass die Gebete für Petrus erhört werden möchten.

Die äußere Stellung der Rhode war niedrig und gering. Aber ihre innere Stellung und Gesinnung war geadelt. Gesegnete Dienstmagd, die das Herz auf dem rechten Fleck hat und an den Dingen und Wegen des Reiches Gottes eifrig Anteil nimmt! Die Besitzerin des Hauses, die Mutter von Johannes Markus, war eine begüterte Frau und Rhode nur eine einfache Magd. Aber beide waren eins und verbunden in dem Eifer für des Herrn Sache und des Apostels Errettung. Rhode gehört mit zu der höchsten und vornehmsten Gesellschaft, weil ihre Gesinnung und Herzensstellung sie über alle erhebt, die nur für ihre eigenen Interessen und für weltliche Eitelkeit Eifer beweisen.

3. Sie steht fest und lasst sich nicht irremachen

Wie fest stand doch Rhode gegen alle, die den Grund ihrer Freude antasten wollten! Auch hier tritt ein Zug an ihr hervor, der viele erquicken kann. Als Rhode die frohe Botschaft brachte, dass Petrus vor der Türe stehe, stiess sie auf Widerspruch und Unglauben. Es hiess: "Du bist unsinnig" (V. 15). Man meinte, sie sei einer Täuschung anheimgefallen. Obgleich die ganze versammelte Gemeinde erst gegen sie stand und alle miteinander anderer Meinung waren, so blieb sie dabei, Petrus sei vor der Türe. Sie wusste, was sie gehört und erfahren hatte. Von niemand ließ sie sich dies nehmen.

Obwohl sie nur eine geringe Türhüterin war, so konnte doch kein höhergestellter Mensch sie unsicher machen. Kein Mensch, auch kein frommer Mensch, vermochte sie irre zu machen und einen Zweifel in ihr zu erwecken an dem, was sie erlebt hatte.

Ihre Festigkeit war nicht Eigensinn und Halsstarrigkeit, sondern richtig und von Gott geschenkt. Sie beschämt damit viele, die sich zu leicht von andern, besonders von höherstehenden Leuten, umstimmen und unsicher machen lassen. In der Gemeinde Jesu hat jeder seine von Gott gewollte Selbständigkeit. Die geringste Magd, die eine Erfahrung gemacht hat von Gottes Wunderkraft, kann und darf so fest stehen wie die tüchtigsten und gelehrtesten Christen.