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Predigten zu Apostelgeschichte 17,24

"Der Gott, der die Welt gemacht hat und alles, was darinnen ist, dieser, indem er der Herr des Himmels und der Erde ist, wohnt nicht in Tempeln, die mit Händen gemacht sind,"

Autor: Alfred Christlieb (* 26.02.1866; † 21.01.1934) deutscher Theologe
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Drei Fragen, die Paulus in seiner Predigt beantwortet.

Erste Frage: Wer ist der unbekannte Gott?

Drei Fragen lagen in der Inschrift jenes Altars. Drei Antworten gibt Paulus in seiner Predigt. Die erste Frage lautete: Von wem stammt unser Leiden? Wer ist es, der es über uns verhängt und Macht hat, es hinwegzunehmen? An welchen Gott müssen wir uns deshalb wenden?

Paulus zeigt ihnen den, von dem alles herkommt, von dem wir ganz abhängig sind. Während die Griechen in ihren falschen heidnischen Vorstellungen immer an mancherlei besondere Götter der einzelnen Länder und Gegenden dachten, zeigt ihnen Paulus den Einen Gott, der die ganze Welt geschaffen hat, der alle Menschengeschlechter in seiner Gewalt hat. Damit führt er sie aus ihren engen, beschränkten und falschen Vorstellungen heraus zu einer herrlichen Weite und Klarheit des Blickes. Der wahre Gott ist nicht der Gott eines Landes und Geschlechtes, sondern aller Länder. Jedem Volk wird Ziel und Grenze von ihm bestimmt.

Das hat auch uns etwas zu sagen. Wenn wir auch alle von der heidnischen Anschauung der Vielgötterei frei sind, so haben wir doch gerade durch den furchtbaren Weltkrieg oft zu sehr vergessen, dass Gott nicht der Gott eines Volkes, sondern aller Völker der Erde ist. Gott hat sie alle geschaffen und waltet über ihnen allen. Wenn unser Vaterland verkleinert und beschnitten wurde, wenn andere uns Länderstrecken wegnahmen, so wollen wir nicht über Menschen zürnen, sondern an dem Wort festhalten: Gott, der ein Herr ist Himmels und der Erde, hat Ziel gesetzt und zuvor versehen, wie lang und wie weit die einzelnen Völker wohnen sollen. Von ihm kommt auch unser Leid. Er hat es verhängt und hat Macht, es wegzunehmen.

Dieser Schöpfer der ganzen Welt und Leiter aller ihrer Geschicke, das ist "der unbekannte Gott", an den wir glauben.

Zweite Frage: Was will der unbekannte Gott?

Die Athener hatten durch jenen Altarbau auch bewiesen, dass sie sich in völliger Unwissenheit über den Willen Gottes befanden. Deshalb entspricht Paulus einem Bedürfnis seiner Zuhörer, wenn er ihnen Licht darüber gibt, was der unbekannte Gott wolle. Er fasst den ganzen Willen Gottes für die Menschen in dem einen Wort zusammen: "...dass sie den Herrn suchen sollten".

Es ist von allergrößter Bedeutung für uns, dass wir die Absicht verstehen, auf die Gott bei uns hinzielt. Bekommen wir Licht über dieselbe und gehen darauf ein, so werden wir glückliche und gesegnete Menschen. Verstehen wir sie nicht und handeln ihr entgegen, so werden wir unbefriedigte und unglückliche Leute.

Hier wird uns Licht über das Ziel gegeben, welches Gott bei uns verfolgt. Bei allen seinen Taten in Schöpfung und Weltregierung arbeitet der Herr darauf hin, dass er selbst von uns gesucht wird. Die Leute, welche ihn suchen, sind auf der richtigen Fährte. Von dem König Josia heißt es: "Als er noch ein Knabe war fing er an, den Gott seines Vaters David zu suchen". Er ging den gottgewollten Weg.

Wenn das Suchen unseres innersten Herzens auf andere Ziele, z. B. Geld, Lust, Ehre und dergleichen gerichtet ist, so erzürnen wir Gott und handeln seinem Willen entgegen. Suchen wir aber ihn, so dürfen wir uns freuen, denn wir sind auf dem göttlichen Pfad. "Es freue sich das Herz derer, die den Herrn suchen" (Psalm 105, 4). (Vergleiche Jesaja 55, 6; Amos 5, 4-6).

Dritte Frage: Wie finde ich den unbekannten Gott?


Unter den bisherigen Worten des Paulus mochte es wohl manchem aufrichtigen Zuhörer bange zumute geworden sein. Der Apostel hatte die Torheit ihres Götzendienstes dargelegt. Damit war das Leben der Athener als ein verirrtes hingestellt und ihr Gottesdienst als ein falscher und vergeblicher verurteilt. Es musste die Frage in den Herzen entstehen: Wie können wir das Verfehlte gut machen? Wie können wir die Gunst dieses wahren Gottes erlangen und mit ihm in die rechte Gemeinschaft kommen? Hierauf geht nun Paulus ein und beantwortet auch jene dritte Frage: Wie kann man mit der Gottheit versöhnt werden?

Er zeigt zuerst das, was auf göttlicher Seite nötig ist, damit dies Ziel zustande komme, und sodann das, was auf menschlicher Seite erforderlich ist. Von Gottes Seite wird ein großer Gnadenerlass angeboten. Er kommt den Menschen mit wunderbarer Huld entgegen. Die ganze Zeit der Unwissenheit soll übersehen werden! Des bisherigen Lebens mit seinen Irrungen, Sünden und dunkelsten Flecken soll nicht gedacht werden! Welch eine Barmherzigkeit Gottes! Auf seiten des Menschen ist nur eines not: "Gott gebietet allen Menschen an allen Enden, Buße zu tun." Buße heißt Sinnesänderung. Nicht Religionsformen, nicht Mienen oder Worte, sondern Herz und Leben müssen geändert werden, indem man nicht mehr seinen eigenen, sondern Gottes Willen zur Richtschnur nimmt.

Der Weg der Buße ist nicht nur für die Athener, sondern für alle Menschen der Weg zu Gott. Wer von Buße und Bekehrung nichts wissen will, der behält in seinem Herzen den Altar: "Dem unbekannten Gott".