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Predigten zu Hosea 14,2

"Nehmet Worte mit euch und kehret um zu der HERR; sprechet zu ihm: Vergib alle Ungerechtigkeit, und nimm an, was gut ist, dass wir die Frucht unserer Lippen als Schlachtopfer darbringen ."

Autor: Carl Eichhorn (* 11.07.1810; † 08.02.1890) deutscher lutherischer Pastor
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Die Gnadenwege Gottes mit Israel (I)

"Bekehre dich, Israel, zu dem Herrn, deinem Gott! Nehmt diese Worte mit euch und sprecht zu Ihm: Vergib uns alle Sünde und tue uns wohl, so wollen wir opfern die Farren unserer Lippen."

"Du bist gefallen um deiner Missetat willen", hiess es einst beim Volk Israel. Man konnte mancherlei Gründe für die traurige Katastrophe anführen, die über das Volk hereinbrach. Man konnte vor allem hinweisen auf die feindliche Übermacht, der Israel nicht gewachsen war. Aber im tiefsten Grund war es die Missetat des Volkes, die seinen Fall herbeigeführt hat. Doch dem Volk Israel stand noch ein Rückweg offen. Die Tür zu seinem Gott war noch nicht verschlossen. Es war noch nicht endgültig verworfen. "Bekehre dich, Israel, zu dem Herrn, deinem Gott!" Immer noch war er Israels Gott und bereit, gnädig zu sein um des Bundesopfers willen (2. Mose 24, 8). Nicht freiheitliche Verfassung, nicht Arbeit nur bringt ein Volk empor, sondern allein die Umkehr zu dem, von dem wir gewichen sind. - Der Weg ist so einfach und doch so wenig betreten. Es wird nichts verlangt als ein aufrichtiges Bekenntnis der Sünde. "Nehmt diese Worte mit euch!": also kein besonderer Aufwand wird gefordert. Die Schuld muss nicht abgebüsst und wiedergutgemacht werden, nur ein offenes Bekenntnis wird verlangt. "Vergib uns alle Sünde!" Aber wie lange dauert es, bis der Mensch einsieht: Ich bin an meinem Unglück schuld und empfange, was meine Taten wert sind! Gott verlangt zunächst nur Worte. Selbstverständlich müssen sie grundwahr und tief empfunden sein. Man darf Gott nicht mit leeren Worten abspeisen. Es muss aus der Tiefe des Herzens hervordringen: Ich habe gesündigt, vergib mir - wörtlich: "nimm weg" - alle Sünde! In dem Wort "wegnehmen" liegt die Last ausgesprochen. Die Sünde muss einen niederdrücken und wie eine schwere Last zu schwer werden. Dann kann sie weggenommen werden. - "Tue uns wohl!", eigentlich: "Sei uns gut!" Wir begehren nicht, dass es uns gut geht, sondern dass du uns gut bist. Das Kennzeichen wahrer Buße ist, dass die Seele nach der Gnade Gottes lechzt. Man will nicht allerlei Beweise der göttlichen Huld in zeitlichen Gaben und Segnungen. Man will ihn selbst, wie Luther einst sagte, als er ins Kloster ging: "Ich will einen gnädigen Gott haben."

"Sie rufen mich nicht an von Herzen", klagt der Herr an einer früheren Stelle (Hosea 7, 14), "sondern heulen auf ihren Lagern. Sie versammeln sich um Korns und Mostes willen." Sie empfinden also nur die irdischen Folgen ihrer Sünde. Es muss aber dem Sünder unerträglich werden, dass er Gott von sich gestossen hat. Dann kann sich ihm Gott wieder nahen. - "Wir wollen opfern die Farren unserer Lippen." Die aus Gnaden geschenkte Vergebung soll mit innigem Dank erwidert werden. Das Lob unserer Lippen soll unser Opfer sein.