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Predigten zu Johannes 16,10

"von Gerechtigkeit aber, weil ich zu [meinem] Vater gehe, und ihr mich nicht mehr sehet;"

Autor: Carl Olof Rosenius (* 03.02.1816; † 24.02.1868) schwedischer Laienprediger und Initiator einer neuevangelischen schwedischen Erweckungsbewegung

"Wenn aber Derselbe (der Tröster) kommt, wird er die Welt strafen."

Was bedeutet dies "um die Gerechtigkeit, dass Ich zum Vater gehe"? Der Geist wird die Welt strafen um die Gerechtigkeit, und die Erklärung dafür ist "dass Ich zum Vater gehe". Hier erscheint alles rätselhaft und geheimnisvoll. Deshalb wollen wir desto besser darauf achten, damit wir die Bedeutung jener Worte recht fassen möchten. Wenn ich früher diese Worte habe erklären sehen und meinte, dass ich sie wohl verstanden und in denselben nichts weiter zu suchen hätte, so wird doch noch eine Tiefe verborgener Geheimnisse darin liegen. Ich möchte darum Christi Angesicht sehen, als Er diese Worte redete, und sie aus Seinem eigenen Mund hören.

"Um die Gerechtigkeit, dass Ich zum Vater gehe." Was ist das? Soll denn jemand um die Gerechtigkeit gestraft werden? Wie geheimnisvoll klingt das, was der Herr als Erklärung hinzufügt "dass Ich zum Vater gehe"! Und doch wird das ganze gerade durch diesen Zusatz klar. Denn was ist es "dass Ich zum Vater gehe" wohl anderes als Sein Versöhnungstod? Christus sprach nämlich diese Worte gerade, als Er zu Seinem Leiden ging, als Er am letzten Abend vor Seinem Versöhnungstod von Seinen Jüngern Abschied nahm. Dann ist es leicht zu verstehen, was diese Worte bedeuten: "Ich gehe zum Vater", nämlich Ich gehe nun, um das große Werk zu vollbringen, wozu Ich auf die Welt gekommen bin. Ich gehe jetzt, um Mein Blut für die Sünden der ganzen Welt zu vergiessen - gleichwie Er an demselben Abend sagte, als Er das Abendmahl einsetzte: "Mein Blut wird vergossen zur Vergebung der Sünden." Mit anderen Worten: Ich gehe nun mit diesem Blut als der rechte Hohepriester in das Heilige hinein, das nicht mit Händen gemacht ist - in den Himmel selbst hinein. Ich gehe hin, um alle Menschen mit Gott zu versöhnen, um eine "ewige Erlösung" von der Sünde und vom Fluch, um eine "ewige Gerechtigkeit" für alle Menschen zu erwerben - ja, um ewig "vor dem Angesicht Gottes für sie zu erscheinen". Kurz, Ich gehe, um alles zu vollbringen, was von der Welt Anfang an verheißen ist, um der Schlange den Kopf zu zertreten, den Sündenfall zu sühnen, das verlorene Erbrecht und Kindesrecht bei dem Vater wiederherzustellen. Und jetzt erkennen wir auch, dass in den Worten Zusammenhang ist: "Um die Gerechtigkeit - dass Ich zum Vater gehe."

Das ist auch die Hauptlehre der ganzen Schrift. Schon im Alten Testament sagt Jesaja ausdrücklich: "Der Herr warf unser aller Sünde auf Ihn - und durch Seine Erkenntnis wird Er, Mein Knecht, der Gerechte, viele gerecht machen; denn Er trägt ihre Sünden" (Jes. 53). Merke dir diese Worte! Ist das nicht dasselbe, was der Herr sagt? "Er trägt ihre Sünden" , "Er ist um ihrer Missetat willen verwundet", deshalb wird "Er viele gerecht machen". In Dan. 9 sagt der Engel Gabriel ausdrücklich, dass in und zu derselben Zeit, da "Christus ausgerottet, die Sünde zugesiegelt und die Missetat versöhnt wird", "die ewige Gerechtigkeit gebracht werden soll". - Wieviel klarer aber strahlt die Sonne der Gerechtigkeit über dem Neuen Testament! Da sagt Paulus ausdrücklich: "Gott hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, auf dass wir würden in Ihm die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt."Er ist um unserer Sünde willen dahingegeben und um unserer Gerechtigkeit willen auferweckt."

Alle diese vielen sonnenklaren Bibelworte haben uns wohl früher dasselbe gesagt, was Christus mit Seinem kurzen, rätselhaften Wort ausdrückt. Doch, indem wir nun deutlich Seine Meinung sehen, ist es noch herrlicher, Ihn selbst in diesem hohen, triumphierenden Ton erklären zu hören: "Um die Gerechtigkeit, dass Ich zum Vater gehe"; - dass Ich - Ich, Ich zum Vater gehe, das soll die Gerechtigkeit der ganzen Welt sein. Dass Ich Mein Blut für die Welt vergiesse, dass Ich als Hoherpriester mit Meinem eigenen Blut zum Vater gehe, das soll die neue Gerechtigkeit der Menschen werden, die allein vor Gott gilt! Sie bewirkt, dass jeder das tut, wozu er verpflichtet ist. Und diese Gerechtigkeit, sagt Christus, wird die Welt durch Meinen Gang zum Vater, und nur dadurch allein, erlangen. O gnadenvoller Gott! O gnadenvoller Heilsrat! Hier sehen wir, was der liebe Gott meinte, als Er an demselben Abend sprach: "Ich heilige Mich selbst für sie." Hier wird es Ernst und Wirklichkeit, dass Christus der "zweite Adam" ist und dass "wie durch eines Menschen Ungehorsam viele Sünder geworden sind, also auch durch Eines Gehorsam viele Gerechte werden." Seht, das ist nun die Hauptsache, die wir nie aus dem Auge verlieren dürfen, dass Christus dahingegeben ist, um an unserer Stelle zu stehen! Dass Christus mit allem, was Er auf Erden war, tat und litt, unser ist, unser Mittler, unser Bürge, unser zweiter Adam, der an unserer Stelle vor dem Gesetz und vor Seinem Vater stand, in unserem Namen die Probe bestand, an unserer Stelle das tat und litt, was wir hätten tun und leiden sollen - ja, so ganz und gar an unserer Stelle, als ob wir es selbst getan hätten. Seht, das ist der Kern und das güldene Kleinod des ganzen Evangeliums, unser hohes, heiliges Seligkeits-Mysterium, das auch aus diesen teuren Worten unseres Herrn Christus hervorleuchtet: "Um die Gerechtigkeit, dass Ich zum Vater gehe."

Der im Namen aller Seelen Unsern Schuldbrief übernahm, Wusste alles herzuzählen, Als es zum Bezahlen kam; Was im Fleisch, in Herz und Nieren Lange als verborgen schlief, Nächst dem, was wir wirklich spüren, Das stund alles in dem Brief.