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Predigten zu Johannes 1,1

"Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott."

Autor: Hermann Friedrich Kohlbrügge (* 15.08.1803; † 05.03.1875) niederländischer reformierter Theologe

Man hat sich Jahrhunderte lang darüber zerquält und abgeplagt, was hier „Wort“ für eine Bedeutung habe. Ich habe es schon mehrere Male betont, dass der Schlüssel zum Verständnis der Schrift in Anerkennung des Gesetzes Gottes liegt. Um richtige Kenntnis irgend einer Sache zu haben, dazu ist für jeden das erste Erfordernis, dass er die Anfangsgründe einer solchen Sache kenne. Wo es um Gottes Wort geht, da meinen wir alle von Hause aus, wir hätten davon Kenntnis und Verstand, und in dieser Einbildung macht sich der eine vor, der andere nach an die Schrift und spielt den Meister mit ihren Aussagen, ohne zu verstehen, dass auch dazu Anfangsgründe erforderlich sind. Diese Anfangsgründe oder Elementarstücke sind aber nicht so sehr Sprachkenntnis, Gelehrsamkeit und Scharfsinn; man ist dessen so gar nicht eingedenk, dass die Propheten und Apostel ja für Gemeinden geschrieben haben, die aus wenigen Gelehrten, dagegen aus hunderten und tausenden Ungelehrten bestanden. Und wenn auch ein Evangelist uns die Schrift auslegte, wird man dennoch nicht seine Straße mit Freuden ziehen, wenn kein Anfangsgrund gelegt ist. – Was ist nun der Anfangsgrund oder das Elementarstück, um das Wort zu verstehen? Ich kann es keinem genug einschärfen, dass er sein Leben lang die bekannte Frage des Heidelberger in seinem Geiste aufbewahre: Woher erkennst du dein Elend? Antwort: Aus dem Gesetz Gottes. Dann wird bei ihm das Bedürfnis da sein nach Wahrheit, nach Gerechtigkeit und nach Trost.

Unser Wissen und Verstand
ist mit Finsternis umhüllet,
wo nicht deines Geistes Hand
uns mit hellem Licht erfüllet;
Gutes denken, tun und dichten
musst du selbst in uns verrichten.


Autor: Hermann Friedrich Kohlbrügge (* 15.08.1803; † 05.03.1875) niederländischer reformierter Theologe

Lieber, wo sind alle Dinge her? Sind sie von selbst gekommen, haben sie sich selbst das Entstehen gegeben, haben sie sich selbst gestaltet? Ich lese bei Mose: Gott sprach, und es ward; wenn ich lese, Gott sprach, so war’s ein Wort, welches er sprach; solange aber noch keine Menschen da waren, hat doch Gott nicht gesprochen, wie ein Mensch spricht; so hat denn Gott gesprochen, wie Gott spricht, und was er so sprach, das Wort, worin er sich laut machte, war also nichts anderes, als was er selbst war, d. i.: Es war Gott. Da Gott also anfing, Himmel und Erde zu schaffen, da schuf er alles in seinem Worte, wie auch Paulus sagt: In ihm, Christo, ist alles geschaffen, das im Himmel und auf Erden ist, das Sichtbare und Unsichtbare, es ist alles durch ihn und zu ihm geschaffen, und er ist vor allen und es besteht alles in ihm.

Wenn also alle Dinge von dem Wort her sind, können denn die Dinge, welche du nötig hast, irgendwo sonst herkommen als von dem Worte, da doch ohne dasselbe nichts gemacht ist, was gemacht ist? Und wenn in diesem Worte alles besteht, worin hast du denn alles, was du hast, und worin lebst du selbst und bewegst du dich, wenn nicht in diesem Worte? Und wenn alles zu diesem Worte ist, wozu bist du denn und wozu ist alles Sichtbare, wo nicht zu ihm?

Nun denn, dieses Wort, das damals alle die großen Dinge gemacht, das im Anfang war, das war Gott; und wenn es damals Gott war und sich als solchen bewiesen hat, so wird es sich noch als solchen beweisen, so ist es noch Gott. Aber wie war das Wort Gott und wie ist es jetzt noch Gott? Ei, welche Frage! Da Gott vor mehr als fünftausend Jahren sprach: Es sei Licht, war das nicht ein Wort, was er sprach, ein Wort, worin das Licht war, und dieses Wort, war das nicht Gott? Wenn einer, der eine Missetat begangen hat, sprachlos vor einem König liegt, und der König spricht zu ihm: Ich gebe dir Pardon, ist dieses Wort nicht von dem König ausgegangen, ist es nicht sein Herz, das über einen Unglücklichen sich erregt? Breitet er sich nicht selbst in seiner Güte über den Unglücklichen aus? Ist denn das Wort, was er spricht, etwas anderes als sein innerstes Ich, etwas anderes als der König? Und da Gott zum Beweise, welch eine Güte in ihm ist, eine Welt schaffen und sich dazu laut machen wollte, war das Wort, in welchem er Himmel und Erde schuf, etwas anderes, als was er war? War es nicht Gott? Niemand von uns ist imstande, sein Wort zu einem lebendigen Leib zu gestalten, wie wir selbst ihn haben, sein Wort Mensch werden zu lassen, wohl etwa zu einem toten Körper; so kann z. B. einer zu einem Maurer gehen und das Wort sprechen: ein Haus gebaut! Und alsbald gestaltet sich das Wort zu einem Hause. Aber Gott vermag alle Dinge, und so konnte er auch sein Wort Fleisch werden lassen, dass es befunden wurde wie ein Mensch.

Nacht umhüllte rings die Erde,
da sprach noch einmal Gott: Es werde!
Und Licht entströmte seinem Thron.
Christus kam, das Licht der Heiden,
der Hirt will selbst die Herde weiden,
seht, Gottes Sohn wird Menschensohn.
Er hat in unsre Nacht
der Wahrheit Licht gebracht.
Jauchzet alle!
Aus ihm nur quillt, was Herzen stillt
und sie mit Zuversicht erfüllt.


Autor: Aiden Wilson Tozer (* 21.04.1897; † 12.05.1963) US-amerikanischer evangelischer Pastor und Autor (besser bekannt als A. W. Tozer)
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Gott sprach – und es geschah

Die gesamte Bibel stützt den Gedanken, dass es Gottes Wesen entspricht, zu sprechen – Seine Gedanken anderen mitzuteilen. »Im Anfang war das Wort« – ein Wort ist ein Mittel, um Gedanken auszudrücken, und die Anwendung dieses Begriffs auf den Ewigen Sohn führt uns dazu, anzunehmen, dass dieses Sich-selbst-darstellen zu der Gottheit gehört, und dass Gott immer zu Seiner Schöpfung über sich reden will. Es ist nicht richtig, dass Gott sprach, sondern Er spricht! Er äußert sich aufgrund Seines Wesens fortwährend. Er füllt die Welt mit Seiner sprechenden Stimme. Eine der großen Wirklichkeiten, mit denen wir es zu tun haben, ist die Stimme Gottes in Seiner Welt. Die kürzeste und allein befriedigende Kosmogonie ist diese: »Er sprach und es stand da!« Das »Warum« der Naturgesetze ist die lebendige Stimme Gottes in seiner Schöpfung. Mit diesem Wort Gottes, das alle Welten ins Dasein rief, kann nicht die Bibel gemeint sein, es drückt vielmehr den Willen Gottes aus, der die Erschaffung aller Dinge zum Inhalt hatte. Dieses Wort Gottes ist der Hauch Gottes, der alle Welt mit Lebenskraft erfüllt. Die Stimme Gottes ist die stärkste Kraft in der Natur – denn alle Energie stammt aus diesem energiegeladenen Wort, das Er gesprochen hat!


Autor: Aiden Wilson Tozer (* 21.04.1897; † 12.05.1963) US-amerikanischer evangelischer Pastor und Autor (besser bekannt als A. W. Tozer)
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»Im Anfang«

Kein Mensch kann sich auch nur annähernd eine Vorstellung davon machen, was es heißt, dass Jesus Christus von ewiger Natur ist, eine Person, die unsere menschliche Unzulänglichkeit, wie sie angesichts der Offenbarung Gottes sichtbar wird, nicht kennt.

Johannes zeigt uns in seinem Evangelium sehr schön, wer der ewige Jesus Christus ist, und Johannes setzt mit jenen schlichten, unbegreiflichen Worten ein: »Im Anfang ...« Liebe Leser, nur an dieser Stelle beginnen wir zu verstehen, wer Jesus Christus ist. Viele andere, die über diese Erde gegangen sind, haben eine ganze Reihe von Behauptungen aufgestellt, wer sie seien, aber nur Jesus Christus ist der Messias Gottes. Ganz gewiss waren das nicht Buddha oder Mohammed oder irgendwelche anderen Religionsstifter und Sektengründer. Ja, sie alle hatten auch ihren »Anfang« - aber auch ihr Ende.

Welch unglaublicher Unterschied! Unser Leben als Christ nimmt seinen Anfang bei dem ewigen Sohn Gottes. Dieser ist unser Herr Jesus Christus - das Wort, das am Anfang beim Vater war, das Wort, das Gott war, und das Wort, das Gott ist! Er ist der Einzige, der zu Recht behaupten kann: »Niemand kommt zum Vater denn durch mich.«


Autor: Hermann Bezzel (*18.05.1861; † 08.06.1917) deutscher lutherischer Theologe
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Im Anfang war das Wort.

Wo in der Welt ein Anfang ist und wo dieser Anfang wirklich ist, da ist das Wort. Alles, was beginnt, ohne dass das ewige Ja sich zu ihm gesellt und alles, was da seinen Anfang nimmt, ohne dass das ewige, treue Wort „Amen“ sich dazu täte, erweist sich als trügerisch. Manch ein Anfang ist des Anlaufes nicht wert, und manch ein Beginnen ist Selbsttäuschung. Wo aber über die Schwelle des neu zu bauenden Hauses, wo an dem Anfang des neu zu wagenden Werkes und zu der Schwere der neu zu nehmenden Last der schreitet, der da spricht: „Ich bin der Erste und bin der Letzte und der Lebendige“, da heißt es: Im Anfang war das Wort. Das ist der Anfang, der da alle Anfänge in sich beschließt, der da alle Zeitformen überragt, der weit über die Weltgeschichte hinleuchtet. Und dieses Wort ist nicht ein vergehender Schall, sondern dieses Wort fasst alle Gedanken, die Gott über die Welt hat, alle Mahnungen, die er der Welt gibt, und alle Wege, die er die Welt gehen heißt, machtvoll in sich zusammen.


Autor: Hermann Bezzel (*18.05.1861; † 08.06.1917) deutscher lutherischer Theologe
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Und das Wort war bei Gott.

Das Wort war beständig zu Gott gerichtet. In der Minute der Ewigkeit, da dieses Wort es über sich gewonnen hätte, sich von Gott zu lösen, wäre es erstorben. Es hätte wohl noch einmal mit seinem Ton die Welt durchhallt und dann wäre es verklungen. Wenn dieses Wort in einem Atem seines Seins sich innerlich von Gott gelöst hätte, so hätten wir nichts mehr, auf das wir uns verlassen könnten, wir wären ärmer als die Ärmsten. Aber das Wort war bei Gott. Alle Würde, alle Weihe, alle Bedeutsamkeit seiner Offenbarungen hat er uns dadurch gegeben. Was wäre Christus geworden, wenn er sich nur in einer einzigen Stunde seines Lebens von Gott getrennt hätte? Ein Weltweiser, ein Redner, der mit wenigen Worten einer Zeit Richtung und Rat gibt, ein Mann neuer Systeme, ein Weltordner, aber der wäre er nicht geworden, zu dem die Armen im Geiste sich flüchten und den die Mühseligen und Beladenen aufsuchen.


Autor: Hermann Bezzel (*18.05.1861; † 08.06.1917) deutscher lutherischer Theologe
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Und Gott war das Wort.

Das wollen wir uns fragen, ob dieses in Christo sich darstellende Gotteswort, dieser in Christo verleiblichte Gottesgedanke für uns das ist. Ich meine, wenn wir eines teuren Menschen Wort, die letzten Worte eines teuren Toten, die letzten Worte einer sterbenden Mutter so recht im Herzen bewegen, so tritt zuerst die Zeit, in der es gesprochen wurde, dann die Umgebung und zuletzt auch die Persönlichkeit deutlich wieder vor unser geistiges Auge, die es einst sprach. Und nun wird Zeit, Umgebung und Persönlichkeit ein Bild, ein liebes Bild. Denselben Prozess lasst uns bei Christi Bild erleben. Zuerst sein Wort in der geistigen Beschränktheit, dann die es begleitenden Erscheinungen, bis dann allmählich er selbst hinter seinem Wort vor uns aufsteigt: So spricht mein Freund , mein Bruder, mein Herr und mein Gott .