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Predigten zu Kolosser 1,26

"das Geheimnis, welches von den Zeitaltern und von den Geschlechtern her verborgen war, jetzt aber seinen Heiligen geoffenbart worden ist,"

Autor: Jakob Kroeker (* 1872; † 12.12.1948) wichtigster Vertreter des freikirchlichen russländischen Protestantismus
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"Das Geheimnis, das verborgen war vor den Zeitaltern und Geschlechtern, nun aber geoffenbart ist seinen Heiligen, denen Gott kund tun wollte, welches der Reichtum von Herrlichkeit in diesem Geheimnis sei unter den Völkern: Welcher ist Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit."

Das hatte kein Jude bisher zu hoffen gewagt. Diese unmittelbare Anteilnahme der Nationen an dem Heil in Christo und an der Gemeinschaft mit Gott überstieg jedes Maß der Hoffnung, das man bisher an das Kommen des Reiches Gottes geknüpft hatte. Wohl hatten die Seher Israels auch für die Nationen Heil von dem Kommen des Messias erwartet. Aber nur durch Israel. Nun offenbarte der Auferstandene aber die ganze Fülle seiner Herrlichkeit unter den Nationen auch ohne Israel. Er machte das Gesegnet-werden der Nationen nicht abhängig von dem Gesegnet-sein Israels. Während das jüdische Volk sich dem Kommen des Reiches Gottes verschloss, entfaltete es seine Kraft und Herrlichkeit in vollem Umfang unter den Nationen.

"Christus in uns": das war dem Apostel daher auch das Fundament für die Hoffnung auf die noch kommenden Herrlichkeiten. Welche Erwartungen man auch für die Zukunft hegte, die Garantie für die Erfüllung war Christus. Er in unserer Mitte und in unserem Herzen, das ist Hoffnung auf Herrlichkeit. Ist der Erbe unter uns, dann muss uns mit Ihm auch das Erbe im vollen Umfang werden.

Man hat von Paulus den Eindruck, dass ihm auch hier, wie so oft in seinen Briefen, die Worte fehlen, um den ganzen Reichtum seines Christusevangeliums zum Ausdruck zu bringen. Sein Auge sieht auf dem Boden der Nationen Wirkungen so überwältigend, sein Ohr hört unter den Gemeinden Lebensäußerungen so voller göttlicher Schönheit, sein Glaube sieht gegenwärtige und nahende Herrlichkeiten in solch einem Umfang, dass er alles das zu äußern nicht vermochte. Es versagt die Vergänglichkeit, um die Unvergänglichkeit voll reden zu lassen.

Man kann verstehen, wie Paulus sich daher sehnte, mit seinem Christusevangelium die ganze Welt zu erfüllen. Er kannte das Sehnen seiner Zeit. Er hörte das Seufzen der Schöpfung. In dem Gekreuzigten und Auferstandenen war nun die Quelle erschienen, die all dies Seufzen und Sehnen stillen könnte. Da brannte seine Seele von dem Verlangen, dass durch sein Evangelium dieser Christus der Retter, Herr und König aller werde, die unter der Gewaltherrschaft der Finsternis und des Todes nach Erlösung seufzen. So hatte Gott, als die Zeit erfüllet war, für jene alte Welt einen Paulus, und für das Mittelalter einen Luther und alle diejenigen, die den Geist einer neuen Zeit in sich trugen. Wird Gott nicht auch für unsere arme Zeit wieder Persönlichkeiten geben, die mit ihrem Christusevangelium den sehnenden Völkern zum Programm werden?