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Predigten zu Kolosser 2,5

"Denn wenn ich auch dem Fleische nach abwesend bin, so bin ich doch im Geiste bei euch, mich freuend und sehend eure Ordnung und die Festigkeit eures Glaubens an Christum."

Autor: Carl Eichhorn (* 11.07.1810; † 08.02.1890) deutscher lutherischer Pastor
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Das Christentum ist keine Privat- und Winkelsache

"Ich sehe eure Ordnung."

Es ist die Schlachtordnung gemeint, in der des Apostels Geistesauge die Kolosser erblickt. Die apostolischen Christen waren Kämpfer für die Sache Gottes. Sie stritten für den Glauben an das Evangelium, wie es im Philipperbrief heißt (4, 3). Wie ist doch dies Bewusstsein im Lauf der Jahrhunderte verlorengegangen! Die meisten Menschen führen ein reines Privatchristentum. Es liegt wie in einem gesonderten Schubfach ihres Innern verborgen. Im öffentlichen Leben merkt man nichts davon. Gewiss sollen sich Christen nicht einmischen in die Streitigkeiten des öffentlichen und bürgerlichen Lebens und Schiedsrichter spielen wollen. Jesus lehnte es ab, ein Erbschlichter zu sein, sehr im Gegensatz zu manchem großen Kirchenführer, der sich mit Vorliebe in weltliche Händel mengt. Aber der Christenglaube muss hineintreten ins Leben, auch ins öffentliche Leben. Es soll alles am Maßstab der Bibel gemessen werden. Freilich, die Welt will den Christen den Mund zubinden. Sie sollen sich verkriechen in den Winkel und sich ja nicht im Leben bemerkbar machen. Das heißt das Christentum auf ein totes Geleis setzen und zum Aussterben verurteilen. Nein, der Heiland sandte seine Jünger in alle Welt. Das Evangelium soll wie ein Sauerteig das ganze menschliche Leben durchdringen: das persönliche, das Familien-, das gesellige und politische Leben. Der Herr Jesus hat frei öffentlich gelehrt, und die Apostel waren keine Winkelprediger. - Dann gibt es aber auch Kämpfe. Wer sein Christentum sorgfältig versteckt hält, erfährt keinen Widerstreit, er kommt ungerupft durch. - Aber wie wird er drüben ankommen? Nein, der wahre Christ hat zu kämpfen, sobald er offen heraustritt. Zuerst um seinen eigenen Glauben, dass er ihm nicht wieder entrissen wird. Denn Feinde von allen Seiten, die nächsten Angehörigen oft am meisten, fallen über ihn her. Dann sind aber Christen berufen zu kämpfen, auch für die Ausbreitung des Evangeliums, zu kämpfen im Gebet und durch Zeugnis. Christen dürfen nicht stumm bleiben, dürfen sich nicht in ihre vier Wände zurückziehen und sich begnügen, ihr Andachts- oder Predigtbuch zu lesen. Sie sollen mitkämpfen im heiligen Krieg durch Bekenntnis des Wandels und des Mundes. Gewiss sind sie die Stillen im Lande, wie man auch die Stimme Jesu nicht auf der Gasse hörte. Aber wenn sie feige sich verbergen und kampfes- und leidensscheu sich zurückziehen, dann wird es heißen: "Wer mich verleugnet vor den Menschen, den will ich auch verleugnen vor meinem himmlischen Vater." Darum auf zum heiligen Kampf! Es ist Gnade, wenn man um seinetwillen leiden darf und Striemen und Wunden davonträgt (Phil. 1, 29).

O lieber Herr, tritt für uns ein, mach uns zu deinen Zeugen, dass wir bis in den Tod allein vor dir die Knie beugen!