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Predigten zu Kolosser 3,8

"Jetzt aber leget auch ihr das alles ab: Zorn, Wut, Bosheit, Lästerung, schändliches Reden aus eurem Munde."

Autor: Carl Eichhorn (* 11.07.1810; † 08.02.1890) deutscher lutherischer Pastor
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Der Kampf gegen Zorn und Gehässigkeit

"Legt ab von euch den Zorn, Grimm, Lästerung!"

Das Böse kann nur überwunden werden durch Gutes: die unreine Lust durch reine Lust am Herrn und durch heilige Freude an göttlichen Dingen; Geiz und Habsucht durch Geben trotz aller Einreden des habsüchtigen alten Menschen. So können auch Zorn, Bitterkeit, Empfindlichkeit, streitsüchtiges Wesen nur dadurch abgelegt werden, dass wir als begnadigte Gotteskinder herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut und Geduld anziehen und uns in diesen Waffenrock hüllen. Aber sind wir begnadigte, geheiligte und von Gott geliebte Gotteskinder? Vor allem muss das stolze Herz gebeugt und erweicht werden durch die unverdiente Barmherzigkeit. Es muss Jesu Lammessinn in uns kommen, erst dann können wir die Zorneswallungen, alles gehässige, rachsüchtige Wesen, alle Bitterkeit und Empfindlichkeit, alle giftigen Worte und Schimpfreden, die aus dem alten Menschen aufsteigen, erfolgreich bekämpfen und siegreich überwinden. Von Natur stehen wir auf dem Grundsatz: "Wie du mir, so ich dir!" Es schlummert ein reißendes Tier in unserem Busen. Sobald es gereizt wird, fährt es los. Diese Sinnesart wohnte in Kain. In seinem Geschlecht hat sich der Geist, der sich nichts gefallen lässt und jedem trotzt, der es wagt, das stolze Ich zu beleidigen, immer mehr ausgewachsen. Lamech hat sich in diesem Trotz verherrlicht und war wie trunken von dem kecken Mut, der jeden niederschlägt, der die Hand gegen ihn aufhebt (1. Mose 4, 23.24). Auch David wollte sich rächen an Nabal, der ihn empfindlich gekränkt hatte. Aber er dankte Gott, dass er ihm noch rechtzeitig die Abigail entgegengesandt hatte, die ihm ins Gewissen redete und wehrte, dass er nicht Blutschuld auf sich lud (1. Sam. 25, 32.33). Solange wir mit unserem Zürnen, Unversöhnlichkeit, Empfindlichkeit und Trotz im Recht zu sein glauben, kommen wir nicht davon los. Es muss uns eine unerträgliche Last sein. Lasst uns an die Liebe denken, die uns fortgesetzt mit so viel Mängeln und Fehlern trägt, dann werden wir uns schämen über unsere Ungeduld und Gereiztheit. Lasst uns auch mit David bei schwerer Beschimpfung nicht unwillig werden, sondern sprechen: "Der Herr hat's ihn geheißen" (2. Sam. 16, 10)! Kränkungen und Zurücksetzungen gehören mit zu unserer Erziehung. Ein gutes Mittel, den Stachel im Herzen loszuwerden, ist die Befolgung des Wortes Jesu: "Bittet für die, die euch beleidigen und verfolgen!" Wenn wir für jemand beten, schließen wir ihn in unser Herz ein. Endlich stillen und beruhigen wir unser Herz, indem wir nach Jesu Vorbild alles dem Herrn anheimstellen (1. Petr. 2, 23). Als Kinder Gottes wollen wir uns nicht selbst zu unserem Recht verhelfen; er führt unsere Sache (Klagel. 3, 58). Geben wir dem Zorn, der Bitterkeit und Unversöhnlichkeit Raum, so scheiden wir uns selbst von der Liebe Gottes und schneiden uns die Gnade der göttlichen Vergebung ab. Darum fort mit aller Lieblosigkeit und Gehässigkeit, aller leidenschaftlichen Erregung und kränkenden Reden!


Autor: Carl Eichhorn (* 11.07.1810; † 08.02.1890) deutscher lutherischer Pastor
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Das immerwährende Ablegen

"Legt alles ab von euch: den Zorn, Grimm, Bosheit, Lästerung, schandbare Worte aus eurem Munde!"

In der Schule Jesu gibt es nicht bloss zu lernen, sondern auch zu verlernen, nicht nur anzunehmen, was Gott gefällt, sondern auch abzulegen, was ihm missfällt. Legt alles ab, nicht nur einzelne Untugenden! Alles, was Gott missfällig ist, nicht bloss die vorher aufgezählten Fleischessünden einschließlich der Habsucht. "Wer das Gesetz an einem Punkt übertritt, der ist's ganz schuldig", sagt die Schrift. Das, was jetzt der Apostel anführt, sind die Sünden der Lieblosigkeit. Sie entspringen aus dem Hochmut und dem selbstischen Ich. Es sind Sünden, die auch bei den Frommen noch häufig vorkommen: Zorn und Grimm, besser: "leidenschaftliche Erregung". Es muss der Unwille nicht gerade herausbrechen, es kocht im Innern. Der Zorn bricht heraus. Der Ingrimm ist die innere Erregung und Aufwallung. Man hält an sich, aber im Innern brodelt's wie in einem Vulkan. Mancher entschuldigt sich mit seinem heftigen Temperament oder auch mit seinen angegriffenen Nerven. Gewiss begünstigt die Nervosität Ungeduld und Aufwallung. Aber nicht die Nerven, nicht die angeborene rasche Art, auch nicht die unausstehlichen Menschen und Verhältnisse sind schuld. Sie machen nicht böse, sondern lassen nur das Böse, das in uns ist, heraustreten. Unter "Bosheit" versteht die Bibel alles gehässige, lieblose Wesen. Zur Bosheit gehören Trotz und Unversöhnlichkeit, Neid und Widerspruchsgeist, alles versteckte Übelwollen. Die Bosheit will dem andern zu fühlen geben, will es ihm eintränken, dass man etwas gegen ihn hat. Man setzt eine finstere Miene auf und zeigt ein beleidigtes Gesicht. Aus der Bosheit kommen dann Schimpfreden und allerlei hässliche Worte. Unter "Lästerungen" sind nicht Gotteslästerungen, sondern Schimpfreden zu verstehen, alle verletzenden Scheltworte, die man im Unwillen dem andern hinwirft. "Schandbare Worte" sind hässliche, gemeine Ausdrücke. Aus dem Munde der Christen sollen Worte kommen, die lieblich sind und mit Salz gewürzt und darum holdselig zu hören, vor allem aber Lob Gottes und Danksagung. Aus einem Munde sollen nicht kommen Lob und Verwünschungen, so wenig wie ein Quell Süss- und Bitterwasser gibt.

Darum sei die Losung: Ablegen! All dieses arge Wesen muss abgelegt werden; denn es lässt das Leben aus Gott nicht aufkommen. Es legt sich wie ein Bann auf die Seele. Wir legen Fehler ab, die uns beschämend und tief schmerzlich werden. In der Schule Jesu geht es durch immer neue Buße. Wer über seine Fehler leicht hinweggeht, verfällt immer wieder in sie. Wer unter ihnen seufzt, wem sie lästig und unerträglich werden, der legt sie ab. Der Meister nimmt sie von uns, wenn wir entschlossen sind, sie abzulegen. Er macht Schluss, wenn wir Schluss machen und im Gebet um völlige Befreiung von unseren Untugenden ringen.