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Predigten zu Lukas 1,13

"Der Engel aber sprach zu ihm: Fürchte dich nicht, Zacharias, denn dein Flehen ist erhört, und dein Weib Elisabeth wird dir einen Sohn gebären, und du sollst seinen Namen Johannes heißen."

Autor: Hermann Friedrich Kohlbrügge (* 15.08.1803; † 05.03.1875) niederländischer reformierter Theologe

Wie konnte ein Mann, der vor Gott gerecht war, noch so erschrecken vor der Erscheinung eines Engels? Ach, wer in sich selbst gerecht ist, kann sich wohl breit machen, stolz sein und sich schmeicheln, er sei der Liebe voll, welche jede Furcht austreibt. Zacharias hatte aber nicht viel zu rühmen, er zeigte sich als einen Menschen um und um, und die vor Gott in Aufrichtigkeit wandeln, schwinden dahin vor jeder Offenbarung seiner Herrlichkeit, weil sie den Abstand fühlen zwischen Fleisch und Geist, zwischen sich und dem, was von Gott kommt.

Fürchte dich nicht, das ist die erste Stimme aus dem Himmel, welche uns der Zöllner Matthäus, welche uns auch der zum Herrn bekehrte Arzt Lukas mitteilt. Was würde wohl Gott aus dem Himmel zu mir sagen, wenn dieses mein Ohr ihn vernehmen könnte? So mag mancher denken in der Not seiner Seele und wähnen, Gott könne zu ihm nicht von Frieden reden, sondern müsse ihn von sich stoßen. Aber das ist die Stimme Gottes, die Stimme des Evangeliums, die Stimme seiner wahrhaftigen Boten an den Elenden, an den, der zerbrochenen Geistes ist, der dahin schwindet vor dem Worte des allein heiligen Gottes: Fürchte dich nicht. Die Heuchler mögen sich fürchten, die da meinen, dass sie stehen; wer aber zu Boden liegt, dem will Gott gnädig sein; darum hat der keine Ursache, sich zu fürchten, dem will Gott gnädig sein. Darum soll man sich zu einem solch gnädigen Gott hinzumachen, wenn man herzlich verlangt, von seinen Sünden erlöst zu sein; der Herr wird wohl jede Furcht vertreiben mit seiner gewaltigen Liebe, mit seiner überraschenden Gnade. Das zaghafte Herz und der Teufel jagen Furcht ein, aber des Herrn gnädiges Wort an die Zaghaften ist: Fürchte dich nicht.

Ruft er mich an, so will ich ihn
in aller Not erhören,
und wer ihm droht, soll vor ihm fliehn,
ich setz' ihn hoch in Ehren
und lass ihn, ist er lebenssatt,
im Licht mein Heil erblicken:
Ich will, wer mich in Ehren hat,
in Ewigkeit erquicken.


Autor: Hermann Friedrich Kohlbrügge (* 15.08.1803; † 05.03.1875) niederländischer reformierter Theologe

Das ist aber dem Herrn noch nicht genug, er hat noch ein zweites durch seinen Boten zu sagen: Dein Gebet ist erhört, Das heißt nun einmal, nach dem Herzen reden! Es war des Zacharias Gebet um ein Kind, welches nunmehr erhört war. Wie viele Jahre mögen es wohl her gewesen sein, dass Zacharias darum gebeten hatte? Nun er und seine Frau so hoch betagt waren, mögen sie wohl mehr an ihr Ende gedacht und seit langer Zeit nicht mehr um ein Kind gebeten haben. Sie sind gewiss ihres Gebetes vergessen gewesen. Vielleicht hatten sie wie Isaak zwanzig Jahre lang um ein Kind gebeten und nunmehr Verzicht darauf getan. Bei alledem wird doch in der Seele der Elisabeth eine Hoffnung, wenn auch über alle Hoffnung hinaus, übriggeblieben sein, und in der Seele des Zacharias ein stummes Harren und Warten; aber wirklich um ein Kind zu beten, daran mögen sie wohl nicht mehr gedacht haben. Gott der Herr aber hat ein gutes Gedächtnis. Wie er das Gebet gibt, so gibt er auch die Erhörung; er ist auch noch nie zu spät gekommen. – Das ist nun die Frucht des langen Harrens und Wartens, des Harrens auf Gott, dass daraus etwas Köstliches hervorkommt, etwas, das selbst unsere kühnsten Erwartungen übersteigt, so dass wir mit Jakob sagen: Das hätte ich nicht gedacht.

Gelobt sei Gott und hochgepriesenl
Denn mein Gebet verwirft er nicht.
Er hat noch nie mich abgewiesen,
er ist in Finsternis mein Licht.
Zwar elend, dürftig bin ich immer
und schutzlos unter Feinden hier;
doch er, der Herr, verlässt mich nimmer,
wend't seine Güte nie von mir.


Autor: Hermann Friedrich Kohlbrügge (* 15.08.1803; † 05.03.1875) niederländischer reformierter Theologe

Johannes bedeutet: Gott ist gnädig. Wie das Kamel sich vor Liebe brummend ausstreckt über seine Jungen, so streckt sich Gott in Erbarmung aus über seine Elenden.

Daraus ersehen wir erstens, dass der Prophet Elias kein Gesetzesteufel, sondern ein Gnadenherold gewesen ist;

weiter, dass auch der Bußprediger Johannes kein Gesetzesteufel, sondern ein Gnadenherold war.

Zum dritten sehen wir daraus, dass die Freundlichkeit und Leutseligkeit Gottes, unseres Heilandes, nunmehr erschienen ist, und dass Gott gnädig ist und gnädig sein will, dass er Bekehrung zum Leben und das ewige Leben obendrein in Christo denen schenken will, die es bei ihm suchen;

zum vierten, dass wir die Kennzeichen, ob wir in Gottes Gnaden sind oder nicht, nicht bei uns selbst, sondern bei Christo zu suchen haben. Denn darum gab Gott diesem Sohn des Zacharias den Namen Johannes, auf dass dieser Name selbst ganz im Einklang mit dem Beruf des Johannes es allen Bußfertigen in's Herz hinein predigen sollte: Deine Sünden sind von dir ab und auf das Lamm gelegt, welches der Welt Sünde trägt; fürchte dich nicht um deswillen hast du Gnade bei Gott gefunden. Dem Gott aller Gnade sei alle Ehre dafür, dass er Wort und Treue hält, das Gebet erhört, uns mit Namen kennen will.

Gott sei Dank durch alle Welt,
der sein Wort beständig hält
und der Sünder Trost und Rat
zu uns her gesendet hat.


Autor: Wilhelm Busch (* 27.03.1897; † 20.06.1966) deutscher evangelischer Pfarrer, Prediger und Schriftsteller
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Kurz vor Weihnachten sah man in einer „Illustrierten" ein seltsames Bild: Da hat irgendeine amerikanische Stadt, „um der Weihnachtsstimmung Rechnung zu tragen", die Lichtmasten mit Tierfiguren geschmückt.

Es ist ja nicht ganz einzusehen, was das mit Advent zu tun hat. Dasselbe muß man oft denken, wenn man bei uns in den Großstädten den „Adventsbetrieb" sieht: Tannenkränze, Kerzen und Weihnachtsbäume auf öffentlichen Plätzen. Es ist etwas Rührendes um dies adventliche Bemühen. Aber wir müssen uns doch klar machen: Dies alles ist nur ein hauchdünner Firnis über dem unsagbaren Jammer der Welt. Und darum bin ich froh, daß wir Christen nicht auf diese „Adventsstimmung" und all den „Weihnachtszauber" angewiesen sind. Wir dürfen hören und zeugen von den Weihnachts- Vorbereitungen Gottes. Das ist nicht nur ein Firnis über dem Jammer der Welt, das ist nicht nur ein Spiel für das Gemüt. Da geht's um Heilung des Jammers.

Zacharias erlebte Advent dort im Tempel. Es wurde ihm ein Sohn verheißen, den er Johannes nennen sollte. Von dem wird gesagt: „Er wird vor i h m hergehen." Vor I h m ! Vor wem? Antwort: Vor dem Sohne Gottes, vor dem Heiland, vor Jesus. Das ist das letzte Große, das Gott vor dem Ende der Welt an dieser Welt tut: Er sendet Seinen Sohn als Erretter. Jawohl, das ist das Letzte, was Gott tut. Da wird's ernst! Die Bibel sagt: „Nachdem vorzeiten Gott manchmal geredet hat, hat er am letzten zu uns geredet durch seinen Sohn." Amen.


Autor: Wilhelm Busch (* 27.03.1897; † 20.06.1966) deutscher evangelischer Pfarrer, Prediger und Schriftsteller
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Was sind wir doch für eilige Leute! Unser Gott hat Zeit. Wenn Er Advent bereitet, dann geht das durch lange Zeiträume. Das merken wir an unserm Text: Das erste Adventslicht steckt Gott an, indem der Engel Gabriel die Geburt des Johannes verkündet. Das zweite Adventslicht Gottes heißt: „Der wird viele zu Gott, ihrem Herrn, bekehren." Zwischen diesem ersten und dem zweiten göttlichen Adventslicht liegen immerhin dreißig Jahre. Die wollen wir eben im Geist überspringen.

Da steht dieser Johannes dort, wo die Wüste beginnt, am Jordan. Und nun berichtet die Bibel: „Da predigte e r . . . und es ging zu ihm hinaus das ganze jüdische Land... und sie bekannten ihre Sünden." Das war ein Advent! Dunkle Abgründe wurden aufgedeckt; Fassaden brachen zusammen; Gewissen wurden offenbar. Ja, darum geht es im Evangelium: daß die Gewissen getroffen und aufgedeckt werden. Wir meinen immer wieder, das Evangelium sei etwas für unser Gemüt und für unseren Intellekt. Nun, gewiß ist das Evangelium auch dafür! Es hat die tiefsten Gedanken und bewegt unsre Gemütskräfte in der höchsten Weise.

Aber das Entscheidende ist das noch nicht. Das Evangelium will unser Gewissen aufrütteln. Erst dann kommt es dazu, daß sich auch unter uns „viele zu Gott, ihrem Herrn, bekehren". In der Siegerländer Erweckungszeit sagte ein Bergmann unter Tage zu seinem Steiger: „Ich muß ausfahren. Ich halte es vor Sündennot nicht mehr aus. Ich muß einen Christen suchen, der mir helfen kann." Seht, das ist Advent Gottes! Amen.