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Predigten zu Markus 13,35

"So wachet nun, denn ihr wisset nicht, wann der Herr des Hauses kommt, des Abends, oder um Mitternacht, oder um den Hahnenschrei, oder frühmorgens;"

Autor: Frederick Brotherton Meyer (* 08.04.1847; † 28.03.1929) englischer Baptistenpastor

Ihr wisset nicht, wann der Herr des Hauses kommt

Nein, wir wissen es nicht, und es ist gut, dass wir es nicht wissen. Aber Er muss sehr nahe sein. Der Abend ist vorbei; die Strahlen seiner Gegenwart waren gerade erloschen, nur ein leichtes Abendglühen ruhte noch auf dem Dienste der Apostel in der ersten Gemeinde. Mitternacht ist vorbei; sie erreichte ihre tiefste Dunkelheit im Mittelalter, als nur einzelne heilige Seelen, gleich Sternen, die sie umgebende Finsternis erhellten. Der Hahnenschrei ist vorbei; Luther, Wickliff und andere verkündeten laut den Tagesanbruch. Jetzt ist der Morgen gekommen, der immer heller und heller leuchten wird, bis zum völligen Tage. Machet euch bereit, ihr jungfräulichen Seelen, gehet aus, Ihm entgegen.

Doch diese Worte dürfen wohl auch anders angewendet werden. Er kommt zu uns in der Abenddämmerung, wenn die Freude unsers Lebens langsam schwindet. Er kommt zu uns in der tiefen Nacht der Vereinsamung, des Verlustes der Seelenangst. Er kommt zu uns in der hoffnungsvollen Erwartung, mit der wir jedes neue Morgenrot begrüßen, wenn wir uns zur Tagesarbeit gürten. Er kommt zu uns am Morgen und füllt uns frühe mit seiner Gnade, dass wir uns freuen und fröhlich sein können den ganzen Tag. Aber lasset uns wachen und auf sein Kommen warten, dass unsere Ohren seinen leichten Fußtritt, sein leisestes Flüstern nicht überhören. Wenn Er sich dann zeigt am Gitter, oder leise ruft: „Komm!“ dann werden wir Ihm freudig folgen können.

Sind wir jedoch ganz gewiss, dass wir zu des HErrn Hause gehören? „Dessen Haus sind wir,“ so sagt der Schreiber des Hebräerbriefes. Daran sind Bedingungen geknüpft: durch die Wiedergeburt müssen wir ins Haus geboren werden; wir sollen wandeln wie es den Heiligen ziemt, und das Vertrauen fest behalten bis ans Ende. Jesus in der HErr über sein Haus; sein Wille ist dort Gesetz.