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Predigten zu Markus 15,9

"Pilatus aber antwortete ihnen und sprach: Wollt ihr, daß ich euch den König der Juden losgebe?"

Autor: Jakob Kroeker (* 1872; † 12.12.1948) wichtigster Vertreter des freikirchlichen russländischen Protestantismus
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"Pilatus aber antwortete ihnen: Wollt ihr, dass ich euch den König der Juden losgebe? - Aber die Hohenpriester reizten das Volk, dass er ihnen viel lieber den Barabbas losgebe."

Zu oft ist es auch innerhalb der Kirche Christi vergessen worden, dass das Kreuz die Schöpfung unserer Sünde ist. Auf Golgatha sprach der Mensch in seiner Blindheit und Schuld, in seinem Abfall und in seiner Absage. Hier verneinte er den, den Gott in seiner Sendung, seinen Vollmachten und Diensten bejaht hatte. Golgatha war des Menschen große Stunde, in der er sein letztes Urteil über den sprach, der als Prophet in göttlichen Vollmachten geredet hatte, wie Schriftgelehrte nicht reden konnten. Auf Golgatha wurde offenbar, wie man den einschätzte, der gesegnet, gesund gemacht, Aussätzige gereinigt, Tote erweckt, Besessene befreit und Zöllner und Sünder zu einem neuen Leben geführt hatte. Denn als Pilatus auf Grund des römischen Rechts dem jüdischen Volk erklärte: "Ich finde keine Schuld an Ihm!" - forderte gesetzlicher Fanatismus und nationale Leidenschaft Jesu Kreuzigung.

In der Schaffung des Kreuzes gingen einst mithin Kirche und Staat, Juda und Rom, gesetzliche Frömmigkeit und weltliche Rechtsvertretung Hand in Hand. In der Verneinung Christi vereinten sich pharisäischer Pietismus und sadduzäischer Liberalismus, alttestamentlicher Thoraglaube und heidnischer Aberglaube, Synedrium und Weltmacht und sprachen: Nicht dieser! Beide fanden sich zu der dunkelsten Tat menschlicher Geschichte zusammen: sie stiessen den aus, der von Gott berufen war und Vollmacht hatte, der Heiland der Welt zu sein. Daher predigen wir den gekreuzigten Christus im Licht unserer persönlichen Mitschuld an dem Nein, das seine Zeit für Ihn hatte, und an dem Kreuz, das man Ihm schuf.

Weder an irgend einem Ausspruch Gottes, noch an irgend einer geschichtlichen Handlung des Menschen ist mithin so offenbar geworden, was Sünde ist, wie gerade in der Verneinung Jesu Christi durch das Kreuz von Golgatha. Mag auch heute der Mensch sich bemühen, die Sünde aus seinem religiösen Weltbild zu streichen, mag er sie auch in seinem Leben als Schwäche erklären, sie bleibt in ihrem Wesen und in ihrer Tat Feindschaft wider Gott.

Nie aber hat Gott diese Haltung des Menschen, die zur Schaffung des Kreuzes führte, bejaht. Menschen in Christo wussten sich mithin noch immer durch das Kreuz in ihrem einstigen Wesen und in ihren Handlungen ohne Gott gerichtet. Was sie bejahten, war jenes neue Leben, das ihnen durch den Auferstandenen wurde. Wir predigen daher den Gekreuzigten als das Gericht über alles Fleisch und seine Geistesschöpfungen. Wir wissen nun um die Sünde. Wir nehmen ihre Macht und Feindschaft ganz ernst. Wir reden von ihr im Lichte Golgathas! Wir wissen um ihre letzte Konsequenz: das Antichristentum. Sie führt immer zu einer letzten Feindschaft: Zur Bejahung des Mörders und zur Verneinung des Christus.