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Predigten zu Offenbarung 3,16

"Also, weil du lau bist und weder kalt noch warm, so werde ich dich ausspeien aus meinem Munde."

Autor: Carl Eichhorn (* 11.07.1810; † 08.02.1890) deutscher lutherischer Pastor
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Die Gefahr, lau zu werden

"Weil du lau bist und weder kalt noch warm, werde ich dich ausspeien aus meinem Munde."

Nichts ist dem Herrn Jesus unerträglicher als die Lauheit. Lieber kalt als lau! Warum wohl? Lauheit ist mit Unwahrheit behaftet. Und alle Unlauterkeit verabscheut Jesus aufs stärkste. Sie widerspricht seinem Wesen. Denn er ist die Wahrheit in Person. Aus einem Kalten kann leichter noch etwas werden als aus einem Lauen, der im Selbstbetrug dahingeht. Der Heiland möchte brennende Herzen haben, brennend im Eifer und in der Liebe. Wahrscheinlich befand sich Laodizea in äußerem Wohlstand und in behaglichen Verhältnissen. Da dünkt man sich reich und satt. Laue Christen sind nicht wirklich reich in Gott. Sie sind es nur in ihrer Einbildung. Seelen, die reich sind im Herrn, fühlen sich arm in sich selbst. Darum strecken sie sich immer wieder verlangend aus nach der Gabe Gottes. Geistliche Armut ist das erste Kennzeichen eines Reichsgenossen (Mt. 5, 8). Laue Seelen sind stets satt. Weil ihnen der gesunde Appetit fehlt, zeigen sie ein Verlangen nach Reiz- und Genussmitteln. Sie verschmähen die gesunde Hausmannskost, die wirklichen Nährwert besitzt. Das schlichte Wort Gottes genügt ihnen nicht. Sie haben einen verwöhnten Gaumen und sind sehr wählerisch in Bezug auf die Wortdarbietung und kritisch in bezug auf die Werkzeuge in der Wortverkündigung. In diese geistliche Sattheit waren auch die Korinther geraten. Darum sassen sie über die Prediger zu Gericht, anstatt sich von einem jeden nach seiner besonderen Gabe dienen zu lassen. "Ihr seid schon satt geworden!" ruft ihnen der Apostel zu. Sind wir am Ende auch solche satten Leute? Oder gleichen wir dem durstigen Land, das reichlich Flüssigkeit in sich aufnehmen kann? Bedürfnislosigkeit in bezug auf irdische Dinge ist sehr löblich. Aber in geistlicher Beziehung taugt sie nichts. Der rechte Fortschritt im geistlichen Leben besteht darin, dass man der Gnade des Herrn Jesu immer bedürftiger wird und keine Stunde ohne ihn sein und leben kann. Lauheit kommt teils aus Selbstüberschätzung, teils aus Weltsinn. Bei allem Hochmut und aller Selbsteinbildung ist Selbstbetrug im Spiel. Man redet sich ein, man sei reich, und ist doch arm, jämmerlich und elend. Seien wir wachsam! Von Simson war die Kraft gewichen, und er wusste es nicht. So geht es auch Jüngern Jesu. Sie merken es nicht, wie allmählich Lauheit um sich greift.

Wachet auf, wachet auf, wachet auf zu dieser Zeit, da fast alles will einschlafen; fliehet doch die Sicherheit! Gott ist auf mit seinen Strafen! Seelen, merket einmal recht darauf: Wachet auf, wachet auf! Hilf uns doch, hilf uns doch; hilf, dass wir die Seligkeit stets mit Furcht und Zittern schaffen! Lass uns nie in Sicherheit, dass wir uns in nichts vergaffen; weck und warn uns immer besser noch! Hilf uns doch, hilf uns doch!


Autor: Carl Olof Rosenius (* 03.02.1816; † 24.02.1868) schwedischer Laienprediger und Initiator einer neuevangelischen schwedischen Erweckungsbewegung

"Weil du lau und weder kalt noch warm bist, werde Ich dich aus Meinem Mund ausspeien."

Das ist ein sehr erschreckendes Wort unseres Heilandes! Möchte Gott der Herr uns allen helfen, dass ein jeder gegen sich aufrichtig sei, damit er nicht heimlich und ohne es zu wissen unter solchem Urteil stehe, bis es ihn trifft. Was meint Christus mit der Lauigkeit?

In dieser Rede des Herrn von den Lauen ist etwas, was alle sehen und verstehen, daneben aber auch etwas, was nur wenige beachten. Wenn der Herr sagt: "Du bist weder kalt noch warm", verstehen alle, dass Er damit meint: "Du bist kein gewöhnlicher Weltmensch, nicht gleichgültig und fremd vor dem Geistlichen. Gewiss bist du etwas anderes als der große Haufe; du kennst Meine Wege, du predigst Mein Wort und lehrst andere; ,Ich weiss deine Werke', die du hast. Aber du bist nicht warm, dein Herz ist nicht rechtschaffen vor Gott; die rechte Liebe, das Leben und der Umgang mit Mir fehlen dir; du redest lieber von Mir als mit Mir; du hast lieber mit der Seelensache anderer als mit deiner eigenen zu tun". Das heißt ja, weder kalt noch warm zu sein. Denn was "kalt" bedeutet, sehen wir an der Welt in ihrem ganz irdischen, für alles geistliche gleichgültigen Wesen. Was aber "warm" ist, das sehen wir an solchen Gläubigen, die in ihrem ganzen Wesen immer denselben Gegenstand vor Augen haben, nämlich den Heiland und Seine Gnade. Wenn sie am fröhlichsten sind, so ist es über den Heiland und Seine Freundschaft. Wenn sie am betrübtesten sind, so ist es über ihre Sünden und über das Vermissen des Heilandes. Wenn sie von dem, was ihnen am meisten zusagt, reden, schreiben oder singen, so ist es vom Heiland. Das ist klar, das begreifen alle.

Aber dann entsteht in der Anwendung eine schwierige Frage: "Da doch alle Christen während einer zunehmenden Erkenntnis des Elendes, bei dem Verbergen des Herrn und bei dem Entziehen der lieblichen Gefühle über ihre große Kälte seufzen und klagen, dass sie den Heiland nicht so lieben können, wie sie wollen, dass sie nicht so warm beten wie früher, weil sie von Versuchungen ergriffen, mit fremden, ja, mit sündlichen Gedanken beschwert und im Herzen zerstreut, in der Liebe saumselig und mangelhaft werden, wie können sie dann anders meinen, als dass sie sich gerade hier in der Rede Christi von den"Lauen" deutlich beschrieben sehen? Denn sie sind, so meinen sie, nicht ganz kalt, aber auch nicht recht warm. Können sie dann anders denken, als dass sie lau sind?

Was sollen wir dazu sagen? Redet Jesus hier wirklich von einem solchen Seelenzustand, den diese beklagen? Gelobt sei der Herr, dass Er selbst erklärte, was die Lauen bezeichnet; sonst hätten wir alle wegen dieses Textes verzweifeln müssen. Lies doch einmal den folgenden Spruch! In ihm erklärt der Herr das Zeichen und den Beweis der Lauigkeit. Er lautet: "Du sprichst: Ich bin reich und habe gar satt und bedarf nichts; und weißt nicht, dass du elend und jämmerlich, arm, blind und bloss bist." Sieh, hier ist das Zeichen der Lauen, die der Herr aus Seinem Mund ausspeien will! Der Herr sagt hier ausdrücklich, woran der Laue erkannt wird. "Du bist lau, weil du sprichst: Ich bin reich und habe gar satt" usw. Der Herr will also sagen: Dass du lau bist, wird dadurch offenbar, dass du sprichst: "Ich bin reich", d.h., dass du mit dir so zufrieden bist. Wärest du warm, dann könntest du nicht mit dir zufrieden sein. Das Wort: "Du sprichst" darf nicht nur von dem Sprechen des Mundes verstanden werden, denn mancher Laue ist wohl so listig und klug, dass er es nicht so grob vor den Menschen ausspricht; sondern es muss von dem Sprechen des Herzens und des inneren Denkens verstanden werden, wie ja auch die Schrift das Wort gebraucht: "Du sprichst in deinem Herzen". Es bedeutet also, im stillen Innern mit sich selbst zufrieden zu sein oder sich nicht elend und jämmerlich zu fühlen.

Die Erkenntnis unseres Elends, unserer Jämmerlichkeit und unserer Armut ist ein sehr bedenkenswertes und deutliches Zeichen der rechten Bekehrung im Herzen, ein Zeichen, das viel tiefer und feiner ist als alle anderen Zeichen, weil es oft das offenbart, was man in keiner anderen Weise ans Licht bringen kann. Mag nämlich alles andere sein, wie es wolle, so ist es doch gewiss, dass derjenige Christ, der mit sich zufrieden ist und der sich nicht zuweilen zu bekümmern, ja, über sich selbst zu erschrecken und sich zu ängstigen pflegt, sondern in dieser Beziehung immer Ruhe hat, sich bestimmt in der Lauigkeit des Laodicea-Lehrers befindet. Wir reden nicht davon, dass ein Christ bei gewissen Gelegenheiten - entweder während großer geistlicher Freude oder während einer zufälligen Schläfrigkeit nicht selbstzufriedener sein kann; er wird bald wieder große Sorge über sich selbst haben, und er ist gewöhnlich auch während des größten Trostes und der größten Freude in Christus doch mit sich unzufrieden. Diese Unzufriedenheit mit sich ist also das Normale im Leben eines Christen. Zwar kann auch der Laue durch ein gelegentliches grösseres Versehen - zumal wenn dasselbe den Menschen in die Augen fällt - über sich oder die Tat betrübt sein; im allgemeinen aber ist er doch selbstzufrieden, stolz und ungebrochen. Hier ist also darauf zu achten, was die allgemeine oder die gewöhnliche Meinung eines Menschen über sich selbst ist. Denn dies ist das Kennzeichen, das der Herr Jesus mit diesem Wort darstellen wollte.

Wer mit dem armen Sünder spielt Und doch noch gern in Sünden wühlt, Auch wer sich für gerecht erkennet Und nur zur Beichte Sünder nennet, Der bleibt gewiss in seinem Bann; Denn Jesus nimmt nur Sünder an.