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Predigten zu Offenbarung 3,8

"Ich kenne deine Werke. Siehe, ich habe eine geöffnete Tür vor dir gegeben, die niemand zu schließen vermag; denn du hast eine kleine Kraft, und hast mein Wort bewahrt und hast meinen Namen nicht verleugnet."

Autor: Carl Eichhorn (* 11.07.1810; † 08.02.1890) deutscher lutherischer Pastor
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Die Gnadenpforte

"Siehe, ich habe vor dir gegeben eine offene Tür!"

Der Herr Jesus sagt von sich, dass er den Schlüssel Davids hat. Er tut auf, und niemand schließt zu. Er schließt zu, und niemand tut auf. Der Ausdruck muss aus dem Alten Testament verstanden werden. Der höchste Beamte nach dem König war der Minister des königlichen Hauses. Er hatte die "Schlüssel des Hauses David", d.h. er führte die Aufsicht über den königlichen Palast und verwaltete die häuslichen Angelegenheiten des Herrschers. An ihn wendeten sich alle, die Zutritt zum König begehrten. Zur Zeit des Propheten Jesaja nahm ein gewisser Sebna diesen Posten ein. Aber er beutete seine Stellung aus zur Befriedigung seines Ehrgeizes. Darum kam an seine Stelle ein anderer namens Eljakim, der eine väterliche Gesinnung gegen das Volk bewies. - So hat auch der Herr Jesus die Aufsicht über das Haus Gottes. Wem er die Tür öffnet, der kommt herein. Er hat keine Günstlinge und missbraucht seine Stellung nicht im eigenen Interesse. Er ist gerecht und schließt jedem zum Haus Gottes die Tür auf, der aufrichtig seine Sünden bekennt und nichts anderes begehrt als Gnade. - Eine offene Tür zum Haus Gottes ist etwas überaus Kostbares. Wem sie zuteil wird, der darf aus dem Schuldkerker und dem Gefängnis heraus und hat nun Zutritt zum Thron der Gnade. Er darf alle Anliegen, Lasten und Sorgen vor diesen Thron niederlegen und findet Erhörung seiner Bitten. Aus dieser Tür strömt Himmelsluft, wogegen die Stickluft der Erde oft den Atem benimmt. Was hilft es uns, wenn alle Türen der Menschen uns offen stehen und die Himmelstür verschlossen ist! Was schadet es uns, wenn die Türen der Menschen sich uns verschließen und dafür die Gnadenpforte sich uns öffnet! Wem der Heiland die Gnadenpforte öffnet, dem schließen sich viele Türen der Menschen. Doch dies kann der Mensch verschmerzen. Neben der Gnadenpforte öffnen sich auch sonst so manche Türen von Brüdern und Schwestern, die mehr wert sind als alle Ehrenpforten dieser Welt. - Solch eine geöffnete Tür gab Jesus der Gemeinde in Philadelphia. Dies konnte ihr ein Trost sein unter den Anfechtungen, die sie zu erdulden hatte. Solch eine geöffnete Tür gibt er auch dir, wenn du von Herzen zu ihm kommen willst und dich nach Frieden sehnst. - Doch wollen wir auch von dieser geöffneten Tür Gebrauch machen. Jesus sagt uns: Ich habe sie vor dir gegeben. Nun gilt es auch hineinzugehen. "Lasst uns hinzutreten mit Freimütigkeit zum Gnadenthron, dass wir Barmherzigkeit empfangen!" Lasst uns nicht zögernd, zaudernd und zweifelnd vor der Tür stehenbleiben! Wir müssen selbst hineintreten, niemand trägt uns hinein.


Autor: Hugh E. Alexanders (* 1884; † 1957) englischer Evangelist, der Anfang des 20. Jahrhunderts in der französischen Schweiz wirkte

«Ich kenne deine Werke.» Dieses an die Gemeinde in Philadelphia gerichtete Wort des Herrn ist ein Trost und zugleich eine Warnung für uns. Alle unsere Werke sollten das Licht Seines durchdringenden Blickes ertragen können; sie sollten allezeit Seinem Willen entsprechen und durch Seinen Geist gewirkt sein.

«Du hast eine kleine Kraft.» Die Sardesgemeinde rühmt sich ihres guten Rufs, die Laodizeagemeinde ihrer Erkenntnisse. Diese Äußerungen des eigenen Lebens, der eigenen Weisheit und Selbstgerechtigkeit mißfallen aber Gott. Die Philadelphiagemeinde hat zwar nur wenig Kraft und ist nicht wie die anderen in der Öffentlichkeit beliebt; aber sie kennt ihren Herrn, unterwirft sich Ihm rückhaltlos, trägt Seine Schmach und tut Seinen Willen. Diese Haltung sollte auch uns kennzeichnen! Wenn wir weder äußerlich die Mittel noch innerlich die Freiheit haben, es ebenso zu machen wie die anderen, so haben wir doch das Gebet. Wahres Gebet ist der Ausdruck und das Bekenntnis unserer Schwachheit, unserer gänzlichen Abhängigkeit von unserem Herrn. Wir sollten uns also mit aller Sorgfalt und Wachsamkeit dem Gebet widmen und uns nicht erlauben, in Schweigsamkeit und Untätigkeit zu versinken. «Du hast mein Wort bewahrt», es nicht nicht nur von Anfang bis Ende geglaubt, nicht nur für seine Ehre und Unantastbarkeit gekämpft, sondern es ausgelebt und ihm durch das ganze Leben Ehre gemacht. Sein Wort bewahren heißt auch, es ausbreiten und an andere weitergeben. Tun wir das, so wird nicht nur auf denen, die es aufnehmen, der Segen ruhen, sondern auch auf uns.

«Du hast meinen Namen nicht verleugnet.» Den Namen des Herrn verleugnen bedeutet, Ihm mit unserem Leben Schande machen, tun, was Ihm nicht gefällt, zulassen, daß andere Menschen Ihn verleugnen, ohne Einspruch zu erheben. Das wäre unredlich gehandelt, eine Treulosigkeit Ihm gegenüber, dem wir alles verdanken. Wenn der Herr sich aber auf uns verlassen kann, weil wir wissen, daß wir schwach und abhängig von Ihm sind, dann öffnet Er uns eine Tür zum Dienst, die niemand zuschließen kann!


Autor: Elias Schrenk (* 19.09.1831; † 21.10.1913) deutscher Theologe und Erweckungsprediger des Pietismus

Siehe, ich habe vor dir gegeben eine offene Tür und niemand kann sie zuschließen.

Unser erhöhter Heiland, der große Hohepriester, hat vom Vater den königlichen Schlüssel empfangen, aufzutun und zuzuschließen. Das tut er sowohl bei einzelnen Menschen als auch bei ganzen Scharen, wenn es ihm gefällt. Eine Mutter und ein Vater können der Kinder Herzen nicht öffnen für Gottes Geist; Lehrer und Prediger können es ebenso wenig tun. Wenn alle, die an Menschen zu arbeiten haben, denen das Wohl anderer am Herzen liegt, an diese Tatsache glauben würden, so müssten viele eine ganz andere Stellung einnehmen. Wenn Eltern und Lehrer meinen, vieles Reden oder Zucht öffnen die Herzen, so täuschen sie sich. Reden und Zucht sind gut an ihrem Platz, aber sie allein tun es nicht. Wenn andere meinen, das Predigen öffne die Herzen, so beweisen die vielen toten Christen, dass Predigen an und für sich es auch noch nicht tut. Es bleibt dabei: Jesus Christus allein hat den Schlüssel zu den Herzen der Menschen. Was lehrt uns diese Tatsache? dass wir bei aller Arbeit an andern Menschen auf das gläubige Gebet angewiesen sind, und dass die gläubigen Beter weitaus am meisten wirken werden. Weil Philadelphia eine kleine Kraft hatte, so hat ihm der Herr eine offene Türe gegeben. Gerade dann, wenn wir uns recht bewusst sind: mit unserer Macht ist nichts getan, kann der Herr wirken; durch Werkzeuge, die in sich selber schwach sind, bekommt er die Ehre. Arbeiter, die sich auf ihre Begabung, ihre Gewandtheit verlassen, muss er erst demütigen, denn er will die Ehre keinem andern geben. O, wie heilsam ist es uns, unsere Ohnmacht recht zu fühlen und immer auf's Neue fühlen zu müssen, vielleicht am meisten in unsern eigenen Häusern. Es liegt in dieser Erkenntnis; für uns ein großer Segen. Wie mancher Seufzer würde nicht zum Gnadenthron aufsteigen, wenn wir nur ein wenig etwas vermöchten, und so ist unsere Ohnmacht im Öffnen der Herzen anderer ein trefflicher göttlicher Lehrer in der Schule des Gebets.

Herr, hilf mir, im Geiste der Philadelphia-Gemeinde zu stehen! Lass mich Dein Werkzeug sein, das Dir unbedingt vertraut und Dir alle Ehre gibt. Amen