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Predigten zu Psalm 103,10

"Er hat uns nicht getan nach unseren Sünden, und nach unseren Ungerechtigkeiten uns nicht vergolten."

Autor: Carl Olof Rosenius (* 03.02.1816; † 24.02.1868) schwedischer Laienprediger und Initiator einer neuevangelischen schwedischen Erweckungsbewegung

"Er handelt nicht mit uns nach unseren Sünden und vergilt uns nicht nach unserer Missetat."

Diese Worte sind so gnadenvoll, so tröstlich und so deutlich, dass man sich nie genug darüber freuen und dafür danken, sie aber auch nie genug beherzigen kann. Zunächst ist der ganze Inhalt des Evangeliums der, dass Gott mit uns nicht nach unseren Sünden, sondern nach dem Verdienst Seines Sohnes handelt. Der Herr hat einmal mit Einem nach unseren Sünden gehandelt und Ihn unsere Missetat vergelten lassen. "Denn Er hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht."Fürwahr, Er trug unsere Krankheit und lud auf sich unsere Schmerzen. Der Herr warf unser aller Sünde auf Ihn. Er ist um unserer Missetat willen verwundet und um unserer Sünde willen zerschlagen."Denn Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit Ihm selbst und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu." Hier ist der Grund, weshalb Er mit uns nicht nach unseren Sünden handelt und weshalb die größten Sünder Gnade empfangen haben, die größten Werkheiligen aber verdammt wurden.

Aber der Herr will mit einem gewissen Volk nach seinen Sünden handeln. Röm. 4, 4 heißt es: "Dem, der mit Werken umgeht, wird der Lohn nicht aus Gnaden zugerechnet, sondern aus Pflicht", d. h. sie werden nach Verdienst erhalten, weil sie es so wollten und also dem Sohn nicht in Wahrheit gehuldigt haben. "Dem aber, der nicht mit Werken umgeht, glaubt aber an den, der die Gottlosen gerecht macht, dem wird sein Glaube zur Gerechtigkeit gerechnet." Kurz: Gott handelt nicht mit uns nach unseren Sünden; das ist der Inhalt des ganzen Evangeliums. Und doch sitzt in allen Menschen, auch in den Gläubigen, die nicht zu tilgende Vorstellung, dass Gott uns gnädiger sein werde, wenn wir frömmer gewesen sind, dagegen weniger gnädig, wenn wir uns versündigt haben. Wäre es aber so, dann käme die Gerechtigkeit wahrlich aus den Werken, und dann ist Christus vergeblich gestorben. "Ist es aber aus Gnaden, so ist es nicht aus Verdienst der Werke, sonst würde Gnade nicht Gnade sein! Ist es aber aus Verdienst der Werke, so ist die Gnade nichts, sonst wäre Verdienst nicht Verdienst."

Seht nun, wie hoch diese zugerechnete Gerechtigkeit ist. Welche wunderbaren Worte, die jetzt in unserem Psalm folgen: "So hoch der Himmel über der Erde ist, lässt Er Seine Gnade walten über alle, die Ihn fürchten. Möchte doch jeder Christ diese herrlichen Worte, dieses erhabene Bild, das der Geist des Herrn benutzt hat, tief in sein Herz schreiben, dann werden sie ein himmlisches Paradies in seinem Herzen bilden. Bedenke nur:"So hoch der Himmel über der Erde ist" - kein menschliches Auge kann das ermessen. Und doch steht hier, dass der Herr Seine Gnade ebenso hoch über uns walten lässt. Nun ist der Himmel so hoch über der Erde, dass trotz aller Unebenheiten, die auf Erden sind, nicht die geringste Unebenheit am Himmel entsteht. Gewiss ist für uns ein großer Abstand zwischen den Tiefen der Täler und den Höhen der Berge. Für uns sind also auf Erden viele Unebenheiten. Sei aber gewiss, dass keine Bergspitze den Himmel erreicht und dort eine Unebenheit verursacht. So ist es auch mit unseren Sünden und der Gnade. Für uns sind unsere Sünden oft wie hohe Berge; die Gnade Gottes aber ist hoch über ihnen allen, wie der Himmel hoch über der Erde ist, so dass alle unsere Sünden auch nicht die geringste Unebenheit in der Gnade verursachen werden. Wäre es so, dass wir Gnade bei Gott hätten, wenn wir einige bessere Werke getan haben, dieselbe Gnade aber nicht hätten, sobald sich einige Sünden zeigten, dann käme die Gerechtigkeit wahrlich aus den Werken, und alles wäre falsch, was das Evangelium von der Versöhnung und der Gnade lehrt.

Erkenne hier, wie die Vernunft und das Gefühl bei diesem Gedanken zurückschrecken! Unser Herr Jesus, der von den gebrechlichen Jüngern sagt: "Ihr seid jetzt rein, ganz rein", und Paulus, der da sagt: "Ist es aus Gnaden, so ist es nicht aus Verdienst der Werke", und David, der hier sagt, dass die Gnade so hoch über uns ist, wie der Himmel hoch ist über der Erde, - sie alle müssten Toren und Lügner sein, wenn die Gnade doch von den Werken abhängen würde. Wer in diesem Glaubenskampf fest stehen will, der muss die Worte des Heiligen Geistes tief in sein Herz schreiben und Gott recht ernstlich um den Glauben bitten.

Alle Sünd' ist mir vergeben, Rein bin ich in Jesu Blut; Ja, im Blute hab' ich Leben, Jesu Blut macht alles gut. Kindschaft hat Er mir erworben, Alles ist in Richtigkeit; Er ist selbst für mich gestorben, Er ist meine Heiligkeit.