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Predigten zu Psalm 103,8

"Barmherzig und gnädig ist Jehova, langsam zum Zorn und groß an Güte;"

Autor: Martin Luther (* 10.11.1483; † 18.02.1546) theologischer Urheber der Reformation
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Gott ist gut

Lieber Gott, Du sprichst durch Deinen lieben Sohn: »Selig sind, die Dein Wort hören.« Wie viel mehr sollten wir Dich, o ewig barmherziger Vater, ohne Unterlass mit fröhlichem Herzen preisen, Dir danken und Dich loben, dass Du Dich so freundlich, ja, väterlich gegen uns arme Würmlein erzeigst und mit uns von der größten und höchsten Sache, vom ewigen Leben und der Seligkeit, redest. Überdies unterlässt Du es nicht, uns freundlich durch Deinen Sohn zu locken, Dein Wort zu hören, da er spricht: »Selig sind, die das Wort Gottes hören und bewahren«, als wenn Du unser Zuhören nicht entbehren könntest und als wenn wir, die »Erde und Asche« sind, nicht viel tausendmal mehr Deines seligen Wortes bedürften. O, wie unaussprechlich groß und wundersam ist Deine Güte und Geduld! Und wiederum, ach, wehe wegen der Undankbarkeit und Verblendung derer, die Deinem Wort gegenüber nicht nur taube Ohren haben, sondern es sogar mutwillig verachten, verfolgen und lästern!


Autor: Carl Olof Rosenius (* 03.02.1816; † 24.02.1868) schwedischer Laienprediger und Initiator einer neuevangelischen schwedischen Erweckungsbewegung

"Barmherzig und gnädig ist der Herr, geduldig und von großer Güte."

Hier könnte jemand klagen: "Ich Elender! Gott ist gnädig gegen Seine Freunde, und dies mag sie trösten, aber nicht gegen mich! Ich bin von Seinem Angesicht verworfen, Er ist mir"verwandelt in einen Grausamen". Ich sehe es ja, ich fühle es ja, dass Er mir zürnt! Ich sehe ja, dass Er mein Gebet nie erhören will! Ich fühle Seine Drohungen in meinem Herzen. Ich suche Ihn im Worte und finde keinen Gefallen daran noch Kraft daraus. Ich suche Ihn im Gebet und erhalte nie eine gnädige Antwort, nur Drohung und Angst. Der Herr hat mich verlassen!"

Armer Mensch! Wer hat dir Gott so dargestellt? Das haben der Teufel und dein eigenes lügenhaftes Herz getan. Es schwebt dir ein ganz falsches Bild von Gott, ja, ein Bild vom Teufel vor Augen. Sieh doch hier, wie Gottes Wort Seine Herzensgesinnung darstellt: "Barmherzig und gnädig ist der Herr, geduldig und von großer Güte! Er wird nicht immerdar hadern noch ewiglich Zorn halten."

Wohl kann der Herr eine Zeitlang mit dir "hadern" und sich zornig stellen; wohl kann Er in solcher Zeit des Zorns Sein Antlitz vor dir verbergen, ja, es recht lange verbergen; aber es ist unmöglich, dass Er ewiglich so hadern und immerdar zürnen könnte. Beachte diesen Unterschied! Das ganze Wort Gottes - vom Anfang der Bibel bis zu deren Ende - und alle Seine Werke mit den Kindern Israel zeigen bestimmt, dass der Herr wahrlich nur die sicheren Verächter, die beständig widerspenstigen Verächter ewiglich verlässt. Er hat aber nie und nimmer im Ernste diejenigen verlassen, die sich strafen ließen und in ihrer Not zum Herrn riefen und Seine Kinder sein wollten. Sirach sagt: "Sehet an die Exempel und merket sie. Wer ist jemals zuschanden geworden, der auf den Herrn gehofft hat? Wer ist jemals verlassen und von Ihm verschmäht worden, der Ihn angerufen hat? Der Herr ist gnädig und barmherzig und vergibt die Sünde und hilft in der Not. Wehe denen, so an Gott verzagen!". Ja, wehe dem, der hier seinem Herzen und Gefühl glauben will! Wehe dem, der nicht vielmehr - dem Gefühl gerade entgegen - an Gott glaubt! Höre, wie Er selbst sagt: "Denn also spricht der Hohe und Erhabene, der ewiglich wohnt, dessen Name heilig ist: Der Ich in der Höhe und im Heiligtum wohne und bei denen, die zerschlagenen und demütigen Geistes sind, auf dass ich erquicke den Geist der Gedemütigten und das Herz der Zerschlagenen; Ich will nicht immerdar hadern und nicht ewiglich zürnen, sondern es soll von Meinem Angesicht ein Geist wehen, und Ich will Odem machen."

Hier halte still! Ist dies das wahrhaftige Wort Gottes? Glaube es dann! Mache Gott nicht zum Lügner! Wie gesagt, Er will mit uns hadern, aber nicht ewiglich. Er haderte mit der kananäischen Frau so lange, bis Er sie schließlich einen "Hund" nannte. Als sie aber dennoch glaubte, das dicke Dunkel durchbrach und auf Sein Herz blickte, das nach dem guten Gerücht lauter Liebe sein sollte, und als sie Ihn beim Wort fasste, indem sie sprach: "Ja, Herr, aber doch essen die Hündlein von den Brosamen, die von ihrer Herren Tische fallen", sieh, da konnte Er sich nicht länger halten, da lachte Sein Herz vor Liebe, und Er rief aus: "O Weib, dein Glaube ist groß! Dir geschehe, wie du willst!" Da siehst du, wie Sein Herz liebt, auch wenn Er hadert! Da siehst du, was Seine höchste Lust ist, nämlich, dass wir dennoch glauben. Man sieht deutlich, dass es Ihm eine Freude, ein Wohlgefallen war, dass diese Frau so glaubte, denn mit Nachdruck ruft Er aus: "O Weib, dein Glaube ist groß!" - Willst nicht auch du Ihm diese Freude bereiten, dass du Ihn sich verbergen lässt und Ihm dennoch glaubst?

Um des Lebens und der Seligkeit willen lass den Teufel dir nicht das Bild Gottes entstellen! Du siehst hier das wahre Bild: "Barmherzig, d. h.: Gott ist ein solches Wesen, dem alle Not zu Herzen geht und der nicht dulden kann, dass wir zu Ihm rufen, ohne dass uns geholfen würde. Jesus selbst spricht:"Sollte Gott Geduld darüber haben?"- nämlich, die Not Seiner Kinder und ihr Gebet Tag und Nacht hören, ohne zu helfen. - Gnädig, d. h., dass Er mit uns nicht nach unseren Sünden handelt, sondern nach Seinem Friedensbunde in Christus. - Geduldig, d.h. langmütig, oder dass Er harret, uns gnädig zu sein, Viele Tausende von Gedanken und Bildern über Gott regen sich in unseren Herzen, dies aber ist das einzig wahre Bild. Sobald ein anderes Bild von Ihm sich in deinem Herzen zeigt, z.B., dass Er mit dir nach deinen Sünden handeln wolle oder sich nicht um dich kümmere, sondern dich verlassen habe, dann sage sogleich:"Nein, dies ist ein misslungenes, ein falsches, ein entstelltes Bild! Dies ist nicht das Bild Gottes, sondern des Teufels. Der wahre Gott ist barmherzig und gnädig, geduldig und von großer Güte."

Allein Gott in der Höh sei Ehr' Und Dank für Seine Gnade, Darum, dass nun und nimmermehr Uns rühren kann kein Schade. Ein Wohlgefall'n Gott an uns hat, Nun ist groß Fried' ohn' Unterlass, All' Fehd hat nun ein Ende.