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Predigten zu Psalm 106,40

"Da entbrannte der Zorn Jehovas wider sein Volk, und er verabscheute sein Erbteil;"

Autor: Charles Haddon Spurgeon (* 19.06.1834; † 31.01.1892) englischer Baptistenpastor
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»Da entbrannte der Zorn des HERRN gegen Sein Volk, und Er verabscheute Sein Eigentum.« Nicht einmal da zerbrach Er Seinen Bund oder verwarf Sein Volk völlig, das Ihn so kränkte, doch Er fühlte tiefsten Abscheu und blickte voll Zorn auf es. Wie weit der göttliche Zorn gegen solche entbrennen kann, die Er doch von Herzen liebte, ist kaum zu sagen, doch sicher hat Israel dies bis zum Äußersten auszuprobieren versucht. Nachsicht gegen Kanaan erwies sich als Grausamkeit gegenüber Israel selbst. Die Israeliten mussten sich unter Lastarbeiten beugen und sich der Tyrannei unterwerfen. In ihrem Gott hatten sie einen freundlichen Herrn erlebt; aber jene, mit denen sie verderbliche Freundschaft gesucht hatten, mussten sie als Despoten der schlimmsten Sorte erfahren. Wer seinen Gott verlässt, tauscht Glückseligkeit für Elend ein. Gott kann unsere Feinde zu Stöcken in Seiner Hand machen, mit denen Er uns zu unserem besten Freund zurücktreibt. Wenn wir das Buch der Richter lesen, können wir sehen, wie wahr das ist. Immer wieder wurden ihre Feinde verjagt und sie selbst in Freiheit gesetzt, nur um so schnell wie möglich zu den früheren üblen Wegen zurückzukehren. Bewusst willigten sie erneut in die Übertretungen ein; der Eigenwille war ihr Ratgeber, dem sie folgten zu ihrem eigenen Untergang. Immer schlimmer wurden die Übel, die über sie kamen, tiefer und tiefer fielen sie in Sünde und demzufolge in Schmerzen. In Erdlöchern und Höhlen versteckten sie sich, man hatte ihnen alle Kriegswaffen genommen, und ihre Eroberer verachteten sie. Eher waren sie ein Sklavenhaufen als freie Menschen, bis der Herr sie in Gnaden wieder aufrichtete. Wenn wir nur die Schrecken der Kriege kennten, die Palästina verwüsteten, und die Plünderungen, die Nahrungsmangel bis zum Verhungern verursachten – uns würde vor den Sünden schaudern, die auf diese Weise bestraft wurden. Die Sünde des Götzendienstes musste tief in ihrer Natur verwurzelt sein, sonst wären sie nicht immer wieder so beständig zu ihr zurückgekehrt, wo sie doch sahen, welche Strafen darauf standen. Der Mensch hat leider Sünde und Hölle lieber als Gott und den Himmel.

Trotz all dieser frechen Rebellionen und schrecklichen Ungeheuerlichkeiten hörte der Herr immer noch auf ihre Gebete und hatte Mitleid mit ihnen. Das ist wirklich wunderbar, wahrhaft göttlich. Man könnte denken, Gott habe sich vor ihren Gebeten verschlossen, weil sie auch ihre Ohren gegen Seine Ermahnungen verschlossen hatten; aber nein, Er hat das Herz eines Vaters, und jedes Seufzen wegen ihrer Schmerzen berührte Seine Seele, ihr Klagegeschrei überwand Sein Herz, und Er blickte mitleidig auf sie herab. Selbst der schrecklichste Zorn gegen Sein Volk ist nur vorübergehend; aber Seine Liebe brennt für ewig, wie das Licht Seiner eigenen Unsterblichkeit. Der Bund ist die sichere Grundlage der Barmherzigkeit, und wenn alles, was die Gnade nach außen hin bei den Heiligen bewirkte, in Trümmern liegt, so ist er das Fundament der Liebe, das nie erschüttert wird, und darauf beginnt der Herr wieder ein Gebäude der Gnade zu errichten.