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Predigten zu Psalm 109,1

"{Dem Vorsänger. Von David, ein Psalm.} Gott meines Lobes, schweige nicht!"

Autor: Charles Haddon Spurgeon (* 19.06.1834; † 31.01.1892) englischer Baptistenpastor
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»Gott meines Lobes, schweige nicht!« ist der Schrei eines Menschen, der ein tiefes Vertrauen zu Gott hat und dessen Gemeinschaft mit Ihm sehr innig und unerschütterlich ist. Beachtet, dass er von Gott nur erbittet, Er möge reden: Ein Wort Gottes ist alles, was ein Gläubiger braucht. Wenn wir auf Gottes Ehre achten, achtet Er auf die unsere. Wir dürfen Ihn als den Wächter unseres Wesens betrachten, wenn wir wirklich Seine Ehre suchen. Leben wir zu Gottes Preis, wird Er uns am Ende geben, unter den Menschen gepriesen zu werden.

Gottlose müssen Gottloses reden, und damit müssen wir rechnen; aber außerdem äußern sie Falsches und Betrügerisches, und das ist das Schlimmste. Man kann nie wissen, was aus einem Mund kommt, der sowohl unrein als auch verlogen ist. Niemand kann sich ausmalen, welches Elend einem guten Menschen durch verleumderische Berichte bereitet wird, außer wer selbst auf dieser Weise verletzt wurde. In Satans ganzem Arsenal gibt es keine schrecklicheren Waffen als betrügerische Zungen. Wenn unser guter Ruf, über den wir Tag für Tag gewacht haben, plötzlich mit den gemeinsten Vermutungen beschmutzt wurde, bedeutet das einen unbeschreiblichen Schmerz; doch wenn Gottlose und Lügner ihren Mund weit aufreißen, können wir kaum erwarten, besser wegzukommen als andere. Lügenzungen können nicht schweigen. Böse Zungen begnügen sich nicht damit, schlechte Menschen zu schmähen, sondern suchen sich gerade die begnadetsten Heiligen für ihre Attacken aus. Hier ist Grund genug zu beten. Es schmerzt uns, wenn wir verleumdet werden – weil wir nicht wissen, was wir als Nächstes sagen sollen, welcher Freund dadurch abgewendet wurde, welches Übel uns jetzt bedroht oder welches Unheil uns und anderen zugefügt wird. Die Luft ist voller Gerüchte, und nicht greifbare Schatten huschen umher; der Geist ist voll Furcht vor unbekannten Feinden und unsichtbaren Pfeilen. Wohin immer er sich wendete, pflegten sie ihn zu verfolgen mit Hinterlist, falschen Darstellungen, Anklagen und Spott. Flüstern, Kichern, Andeutungen, Spottgedichte und offene Anklagen waren ihm beständig in den Ohren, und alles nur aus reinem Hass. Jedes Wort war so voll Gift, wie ein Ei voll Dotter und Eiweiß ist. Sie konnten nichts sagen, ohne die Zähne zu fletschen, und er hatte nichts getan, um den Streit zu provozieren, doch auf tausend Weisen arbeiteten sie daran, ihm die Ruhe zu rauben und ihn unglücklich zu machen. All dies ließ den Beter das ihm angetane Unrecht nur noch deutlicher empfinden. Das war eine grausame Lage, und der empfindsame Geist des Psalmisten krümmte sich darunter. Er tat nichts weiter als beten. Er wurde zum Gebet, wie sie zur Bosheit wurden. Dies war die Antwort an seine Feinde: Er wandte sich von den Menschen und ihrer Ungerechtigkeit zu dem Richter der ganzen Erde, der das Recht wiederherstellen musste. Wahre Tapferkeit allein kann einen Menschen lehren, nicht mehr mit den Verleumdern zu sprechen, sondern seine Sache zu dem Herrn zu bringen.