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Predigten zu Psalm 119,49

"Gedenke des Wortes an deinen Knecht, auf welches du mich hast harren lassen!"

Autor: Charles Haddon Spurgeon (* 19.06.1834; † 31.01.1892) englischer Baptistenpastor
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"Gedenke Deinem Knechte an Dein Wort, auf welches Du mich lässest hoffen."

Was für ein besonderes Anliegen du auch haben magst, so findest du stets leicht irgend eine darauf bezügliche Verheißung im Worte Gottes. Bist du matt und schwach, weil dein Pfad rauh und ermüdend ist? Dann hast du hier eine Verheißung: "Er gibt dem Müden Kraft und Stärke genug dem Unvermögenden." Wenn du eine solche Verheißung antriffst, so bringe sie zum großen Verheißer und bitte Ihn, dass Er sein Wort an dir erfüllen wolle. Suchest du Christum und schmachtest du nach innigerem Umgang mit Ihm? Da leuchtet dir wie ein Stern die Verheißung entgegen: "Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit, denn sie sollen satt werden." Bringe diese Verheißung immer wieder vor den Thron; wende dich nirgends anders hin, bringe auch nichts andres vor, sondern tritt fort und fort zu Gott und berufe dich darauf: "Herr, Du hast's versprochen; tue, wie Du gesagt hast." Bist du traurig und niedergeschlagen über deine Sünden, und gehest du mühselig einher unter der Last deiner Missetaten? Dann höre die Worte: "Ich, ich tilge deine Übertretung um meinetwillen, und gedenke deiner Sünden nicht." Du kannst dich auf kein eignes Verdienst berufen, um Anspruch auf Vergebung zu erheben, sondern du musst dich an seine geschriebenen Verheißungen halten, so wird Er sie erfüllen. Befürchtest du, du möchtest nicht bis ans Ende beharren, und möchtest am Ende verworfen werden, obgleich du geglaubt hast, ein Kind Gottes zu sein? Ist dem also, so bringe dies Gnadenwort vor den Thron und lasse es für dich reden: "Es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen; aber meine Gnade soll nicht von dir weichen und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen, spricht der Herr, dein Erbarmer." Hast du das liebliche Gefühl der Gegenwart deines Heilandes verloren, und suchst du Ihn mit bekümmertem Herzen, so denke an die Verheißung: "Bekehret euch nun zu mir, so will ich mich zu euch kehren;"Ich habe dich einen kleinen Augenblick verlassen, aber mit großer Barmherzigkeit will ich dich sammeln."Lass deinen Glauben am Tische des Wortes Gottes Festmahlzeit halten, und was du auch immer fürchten oder begehren magst, so wende dich mit deines Vaters Handschrift an die Bank des Glaubens, und sprich:"Gedenke Deinem Knechte an Dein Wort, auf welches Du mich lässest hoffen."


Autor: Charles Haddon Spurgeon (* 19.06.1834; † 31.01.1892) englischer Baptistenpastor
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Diese acht Verse handeln von dem Trost, den Gottes Wort gibt. Sie beginnen mit der wichtigsten Tröstung, nämlich dass der Herr Seine Verheißung wahr macht. Dann zeigen sie uns, wie dieses Wort uns in Anfechtungen beisteht und uns so unempfindlich gegenüber Spott werden lässt, dass wir durch das raue Verhalten der Gottlosen mehr über ihre Sündhaftigkeit erschrecken, als dass wir ihren Versuchungen erliegen. Weiter erfahren wir hier, wie die Heilige Schrift den Pilgern Lieder schenkt und den in der Nacht Wachenden Gutes in Erinnerung ruft. Zusammengefasst sagt uns dieser Abschnitt, dass die Summe dieses Glücks und Trostes im Halten der Vorschriften des Herrn liegt. Der Psalmist fürchtet sich nicht, der HERR habe Seine Verheißungen vergessen, im Gegenteil verwendet er sie zu seiner Rechtfertigung, und so spricht er wie Menschen, die im Gespräch miteinander ihre Beweisgründe vorbringen. Wenn der Herr Seinen Knecht an dessen Sünden erinnert und sie ihm bewusst macht, ruft der Bußfertige: »Herr, denke an Dein vergebendes Wort, und meiner Sünden und Ungerechtigkeiten wollest Du daher nicht mehr gedenken!« Eine ganze Welt von Bedeutungen liegt in dem Wort »gedenke«, wenn es sich an Gott richtet. In der Bibel wird es im freundlichsten Sinn verwendet und passt genau zu den Kümmernissen der Bedrückten. Der Psalmist ruft: »Gedenke, HERR, dem David alle seine Mühsal!« Auch Hiob bat, der Herr möge eine Zeit bestimmen, wann Er seiner gedächte. Im vorliegenden Fall ist das Gebet so persönlich wie das »Gedenke meiner!« bei dem Schächer; denn das Wesentliche liegt in den Worten »an Deinen Knecht«. Es würde uns wenig helfen, wenn Gott sich Seiner Verheißung allen an- deren gegenüber erinnerte, falls dies nicht auch auf uns zutrifft. Doch da besteht keine Gefahr; denn der Herr hat noch niemals auch nur eine einzige Verheißung gegenüber einem einzigen Gläubigen vergessen.

Die Überlegung ist: Gott hat Gnade zum Hoffen auf die Verheißung gegeben, darum wird Er diese Hoffnung auch niemals enttäuschen. Er kann keine unbegründete Hoffnung geweckt haben. Hoffen wir auf Sein Wort, so haben wir eine sichere Grundlage, weil unser gnadenreicher Herr niemand zum Narren hält, indem Er ihm falsche Hoffnungen macht. Unser großer Meister wird Seine eigenen Knechte nicht vergessen, noch die Erwartungen enttäuschen, die Er selbst erweckt hat. Weil wir des Herrn sind und uns Mühe geben, an Sein Wort zu denken, indem wir ihm gehorchen, dürfen wir sicher sein, dass Er Seiner Knechte gedenkt und sich an Seine eigenen Verheißungen erinnert, um sie zu erfüllen. Wir werden nicht für unsere Taten belohnt; aber es liegt Lohn in ihnen. Viele Tröstungen gewinnt man schon aus einer achtsamen Lebensführung; von solchem Trost dürfen wir bestimmt sagen: »Ich gedachte, HERR, Deiner Bestimmungen …, und ich tröste mich.«


Autor: Hugh E. Alexanders (* 1884; † 1957) englischer Evangelist, der Anfang des 20. Jahrhunderts in der französischen Schweiz wirkte

Hoffnung im biblischen Sinn hat nichts gemein mit Optimismus, diesem Wunsch unseres Herzens, alles in rosigem Licht zu sehen. Optimismus kann ebenso wie das Menschenherz «überaus trügerisch» sein. Die Hoffnung ist göttlichen Ursprungs, eine Saat, die in jedes Herz ausgesät wird, sobald es von neuem geboren ist.

So klein und schwach diese Hoffnung im Anfang auch sein mag, sie ist ein geistliches Lebensprinzip, ein göttliches Samenkorn, das nicht umkommen darf. Darum braucht sie die Pflege und unendliche Geduld des göttlichen Gärtners. Auch muß sie sich den göttlichen Gesetzen fügen, die jede Pflanze zur Reife bringen, durch Hitze und Kälte, Tag und Nacht, Sonnenschein und Sturm. Ohne die negative Mitarbeit von Wind, Sturm und Nacht kann sie nicht tief Wurzel fassen und wachsen. Hoffnung ist Glaube in voller Tätigkeit. Sie ist zum Überwinden geboren und wächst, um gekrönt zu werden. Sie kann nur in Schwierigkeiten, Bedrängnissen und Widerständen gedeihen. Der heftigste Wind stärkt ihre Wurzeln; in der dunkelsten Nacht leuchtet sie nur umso reiner, und ihr Licht wird immer heller, bis zum vollen Tag. Die Hoffnung bleibt siegreich, wenn alles hoffnungslos aussieht. Dazu hat Gott sie erschaffen, so wie Er einst die Lichter an die Himmelsausdehnung setzte, um die Nacht zu regieren.

Wenn die Hoffnung geboren wird und wächst in einem Leben, das Jesus Christus aufgenommen hat, das lernt, seinem Herrn zu gehorchen, nachzufolgen und zu dienen, dann ist ihr Ziel die Herrlichkeit des Himmels. Der Optimismus bricht in der Bedrängnis zusammen, die Hoffnung aber blüht darin auf. Sie wächst freudig, Hand in Hand mit der Standhaftigkeit, die Bewährung wirkt, und diese drei Tugenden machen den Christen zum Überwinder, dessen Anker hinreicht bis ins Innere des Heiligtums, hinter den Vorhang. Ist nun dies alles nur Theorie für dich, oder ist es die Erfahrung deines Herzens, erlebt mit Gott im Heiligtum, wo weder Freunde noch Verwandte eindringen können? «Die Hoffnung aber läßt nicht zuschanden werden, denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben worden ist» (Römer 5,5).