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Predigten zu Psalm 119,97

"Wie liebe ich dein Gesetz! Es ist mein Sinnen den ganzen Tag."

Autor: Charles Haddon Spurgeon (* 19.06.1834; † 31.01.1892) englischer Baptistenpastor
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Weisheit ist angewandte Erkenntnis. Wir werden durch Gehorsam weise. Wir lernen nicht nur aus Verheißungen, aus der Lehre und aus der heiligen Geschichte, sondern auch durch Vorschriften und Gebote; tatsächlich erhalten wir aus den Geboten die meiste praktische Weisheit und werden dadurch am besten darauf vorbereitet, mit unseren Feinden fertig zu werden. Ein geheiligtes Leben ist die höchste Weisheit und die sicherste Verteidigung. Wer von Gott belehrt wurde, verfügt über eine praktische Weisheit, welche der Böse den Schlauesten nicht zu vermitteln vermag. Dann ist man einfältig wie die Taube und zeigt gleichzeitig größere Weisheit als die Schlange.

Das, was der Herr dem Psalmisten gelehrt hatte, war zur Ausbildung der Krieger nützlich, doch er findet es genauso wertvoll für die Schulen. Wir können unseren Lehrern nicht allezeit trauen; tatsächlich sollten wir keinem bedingungslos folgen; denn Gott macht uns selbst für unsere persönlichen Entscheidungen verantwortlich. Es geziemt sich für uns, genau den Anweisungen des Wortes Gottes zu folgen, damit wir das Schiff retten können, selbst wenn der Lotse sich irrt. Sollten unsere Lehrer in allem ein gesundes und sicheres Urteil haben, wollen wir sie gern preisen, und solche werden stets bereit sein anzuerkennen, dass die Belehrungen des Herrn besser sind als jeder Unterricht, den sie uns erteilen könnten. Schüler Christi, die zu Seinen Füßen sitzen, sind oft in göttlichen Dingen besser bewandert als Doktoren der Theologie. Die aus der Heiligen Schrift gewonnenen Unterweisungen sind für vieles nützlich, und wohin man auch blickt, übertreffen sie überall und auf jede Weise alles andere. Wie sich unsere Seele des Herrn rühmt, so dürfen wir uns auch Seines Wortes rühmen. Gott hat Vieles und Mannigfaltiges geredet, und die Gesamtheit bildet das, was wir »das Wort« nennen: Der Psalmist liebte jedes einzelne von Gottes Worten und alle zusammen als Ganzes; ihm schmeckte es unbeschreiblich süß. Er sagt zwar, es sei süß; aber er kann einfach nicht sagen, wie angenehm und süß es ihm erscheint. So ruft er nur aus: »Wie süß!« Weil es Gottes Worte sind, waren sie Seinem Knecht einfach göttlich süß. Der die Süßigkeit hineinlegte, hatte auch den Geschmack Seines Knechtes zubereitet, dies zu empfinden und sich daran zu erfreuen. Der Psalmist macht zwischen Verheißungen und Vorschriften, Lehren und Warnungen keinen Unterschied, sie alle sind in Gottes Wort enthalten, und darum sind ihm alle kostbar. Ach, hätten wir doch zu allem, was der Herr offenbart hat, eine tiefe Liebe, einerlei, in welcher Form es dargeboten wird. Der Schlussvers dieser Strophe markiert einen großen Fortschritt im Charakter des Psalmisten und zeigt, dass der Mann Gottes stärker, mutiger und glücklicher als zuvor geworden ist. Er ist vom Herrn belehrt worden, das Köstliche vom Unreinen zu unterscheiden. Während er nun die Wahrheit brennend liebt, hasst er die Lüge genauso heftig. Wenn wir alle doch dieses Unterscheidungsvermögen und diese Entschiedenheit erreichten! Dann würde Gott aufs Höchste verherrlicht werden.