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Predigten zu Psalm 39,9

"Ich bin verstummt, ich tue meinen Mund nicht auf; denn du, du hast es getan."

Autor: Samuel Keller (* 15.03.1856; † 14.11.1924) deutscher protestantischer Theologe und Schriftsteller

"Ich will schweigen und meinen Mund nicht auftun; du wirst's wohlmachen."

Nach unserer ganzen Art heißt es anders: "Ich will reden! Mein Mund soll mir Recht schaffen, und ich werde mich schon herausreden." Wir machen wirklich oft genug so, als glaubten wir gar nicht an die Absicht und die Macht des Herrn, unsere Sache zu führen, sondern als hinge alles von unseren Reden ab. In dem Eifer, uns selbst ins Licht zu stellen, redeten wir voreilig und unbedacht. - Da ist es schon eine große Gnade, wenn wir das rechte Schweigen lernen, jenes gläubige Schweigen, das Gott zutraut, dass er auf dem Plan ist und nicht eher das Wort für uns ergreift, als bis wir aufs Wort verzichtet haben. Machen wir uns doch klar, was auf dem Spiel steht: Entweder unsere Worte, dafür aber kein Tun des Herrn, oder sein Tun und unser Schweigen. Sollten wir da nicht endlich weise genug geworden sein, uns zu bescheiden und stille zu schweigen! Mit der Zeit führt der Herr die Menschen und Verhältnisse doch so, dass wir ohne unsere Verteidigung allein durch seine Schiebung der Umstände als die Gerechtfertigten dastehen. Wie oft habe ich das erfahren, dass seine Hand eingriff, sobald mein Mund stille ward. Seine Hand oder mein Mund. Wer kann da noch eine Minute im unklaren sein, was er wählen und vorziehen soll!

Herr, ich habe gefehlt mit meinen Worten. Erbarme du dich und mache es gut. Bringe in Ordnung, was ich verdarb und heile du allen Schaden meines Mundes durch das starke Eingreifen deiner Hand. Amen.