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Predigten zu Psalm 39,8

"Errette mich von allen meinen Übertretungen, mache mich nicht zum Hohne des Toren! "

Autor: Charles Haddon Spurgeon (* 19.06.1834; † 31.01.1892) englischer Baptistenpastor
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Der Psalmist wendet sich, aller anderen Dinge überdrüssig, an seinen Gott. Er hat über die Welt mit allem, was darin ist, nachgedacht und war erleichtert, als er erkannte, dass solche eitlen Dinge allesamt nicht bleibender Natur sind. So zerschnitt er alle Bande, die ihn an die Erde fesselten. Der Herr besteht aus sich heraus und ist wahrhaftig; darum verdient Er das Vertrauen des Menschen. Er wird immer noch leben, wenn alle Geschöpfe gestorben sind, und Seine Fülle wird noch existieren, wenn alle sekundären Gründe aufgehört haben zu sein. Auf Ihn also lasst uns unsere Erwartungen richten, auf Ihm sollte unser Vertrauen ruhen. Möchten sich doch alle weisen Baumeister vom Sand weg dem Felsen zuwenden; denn wenn es auch nicht heute geschieht, so wird es doch nicht lange dauern, dass ein Sturm losbricht, vor dem nichts zu stehen vermag, das nicht das bleibende Element des Glaubens an Gott hat, um sich darin einzuzementieren. David hatte nur eine Hoffnung, und diese Hoffnung reichte bis innerhalb des Vorhangs; so brachte er sein Schiff in den sicheren Ankerplatz, und nach wenigem Umhertreiben kehrte Frieden ein.

Welch ein schönes Zeichen ist es, wenn der Psalmist aufhört, dauernd von seinem Kummer zu reden, sondern um Befreiung von seinen Sünden bittet! Was ist Kummer verglichen mit Sünden! Ist einmal das Gift der Sünde aus unserem Kelch gebracht, brauchen wir die Galle nicht mehr zu fürchten; denn das Bittere wird als Arznei wirken. Niemand kann einen Menschen von seinen Übertretungen befreien als nur der Gesegnete, der Jesus heißt; denn Er errettet Sein Volk von seinen Sünden. Und wenn Er erst diese große Befreiung des Menschen von der Ursache bewirkt hat, werden die Folgen auch bald verschwinden. Die hier gewünschte gründliche Reinigung ist sehr zu beachten: Von einigen Übertretungen befreit zu sein, bringt wenig Nutzen. Wir haben die gänzliche und völlige Befreiung nötig. Gott spaßt nicht mit der Rute; Er wendet sie wegen der Sünde an mit dem Ziel, sie von uns abzufegen. Darum will Er, dass die Schläge fühlbar sind. So wie die Motte den Stoff zerfrisst, alle Schönheit zunichte macht und ihn verdorben und wertlos zurücklässt, so offenbart die Züchtigung Gottes unsere Torheit und Schwäche und unser Nichtssein und macht, dass wir uns wie zerlumpte Kleider wert- und nutzlos vorkommen.

»Höre mein Gebet, HERR!« Übertöne meine Bitten nicht mit dem Donner Deiner Schläge. Du hast die Klage über meine Sünde gehört, nun höre das Schreien meines Gebets. Hier finden wir eine Steigerung der Intensität: Ein Schrei ist dringlicher, kläglicher und mitleiderweckender als ein Gebet. Die Hauptsache war, Gottes Ohr und Herz zu erreichen. Wenn unser Schmerz die Schleusen unserer Augen öffnet, wird Gott in Kürze eingreifen und unser Klagen in Freude verwandeln. Er mag eine lange Zeit schweigen, als seien wir Ihm einerlei; aber die Stunde der Befreiung wird kommen wie der Morgen, wenn alles voller Tautropfen ist.


Autor: Hermann Bezzel (*18.05.1861; † 08.06.1917) deutscher lutherischer Theologe
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Nun, Herr, wes soll ich mich trösten? Ich hoffe auf dich.

Was tröstet uns in dieser schweren Zeit, da die Hölle hereinbricht und ihre Gewalt zu siegen scheint? Du sagst: Mich tröstet die gerechte Sache. Aber wer kann auf dieser Welt von einer gerechten Sache reden? Wieviel Unrecht ist auch in Deutschland geschehen! Wieviel Hochmut und Chauvinismus, Verliebtheit in das Volkswesen und auch in die Volkssünde hat den heiligen Geist erzürnt! Wie sind wir so sicher, so gebetsträge geworden! Eine gerechte Sache tröstet nicht. Und du sagst: Mich tröstet das gute Gewissen; Ja, mein Christ, das kann auch andere trösten: wenn wir Frieden wollten, fingen sie Krieg an. Und doch, auch das gute Gewissen kann nicht trösten; denn wenn ich ein gutes Gewissen vor der Welt habe, so habe ich es doch nicht vor meinem Herrn. Wieviel Feindschaft birgt die Seele, wenn sie auch nach außen friedlich ist. Wieviel Wellen bewegen die deutsche Volksseele, auch wenn sie nach außen ganz gerecht dasteht. Nein, das gute Gewissen kann auch ein Zeichen einer schlechten Selbsterkenntnis sein, und wenn wir vor der Welt sagen, dass wir ein reines Gewissen haben, vor Gott dem Herrn sind wir nicht gerecht.