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Predigten zu Psalm 49,12

"Doch der Mensch, der in Ansehen ist, bleibt nicht; er gleicht dem Vieh, das vertilgt wird."

Autor: Ludwig Hofacker (* 15.04.1798; † 18.11.1828) deutscher evangelischer Pfarrer
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Es ist fast unbegreiflich, und doch ist es so bei allen Menschen, die Jesum nicht kennen: Sie sind mit unauflöslichen Banden an diese Welt hingebunden, und auch wenn sie im tiefsten Leiden gefangen sind, so gefällt es ihnen doch auf dieser Welt. Es entsteht freilich manchmal in der Tiefe der Leiden auch bei solchen Geistern, die noch ferne von Christo sind, der ernstliche Wunsch: Ach, wenn ich nur stürbe! Aber damit sehnen sie sich nicht von der Welt loszukommen, sondern nur von ihren Leiden. Fraget ein- mal einen solchen Menschen, was ihm lieber sei: Auf dieser Welt zu bleiben, ohne von seinen Leiden geplagt zu sein, oder in den Himmel zu kommen? Er wird gewiß die Erde dem Himmel vorziehen, wenn nämlich kein Geistesleben von oben in ihm angezündet ist. Wahrhaftig ein trauriger Zustand, in dem wir von Natur gefangen liegen: Denn aus diesem Grundgedanken entsteht bei dem Menschen der Geiz und das Habenwollen vieler Güter in dieser Welt; man will sich einrichten; man will sich versorgen; man ist zuhause in dieser Welt; man meint, man dürfe mit dem, was einem anvertraut ist, schalten und walten wie man wolle; man hält es für sein eigen, nicht für geliehen, nicht für anvertraut, um darin sich als ein guter Haushalter zu beweisen. Daher kommt es, daß man sich an die Dinge dieser Welt gewöhnt, als wenn man sie ewiglich genießen dürfte; man fühlt sich so in seinem Eigentum; man geht aus und ein, wie wenn man für immer hier zuhause wäre, man glaubt nicht, daß man seine Seele in den Händen tragen und rein behalten müsse von den Dingen dieser Welt: Man ist so damit verwoben und verwachsen, daß man die Gefahr gar nicht ahnt, die darunter verborgen liegt. Ach wie mancher arme Mensch, der von der Gnade angefaßt war, hat alles wieder verloren, weil er aus diesem Grundgedanken heraus diese und jene Dinge, dieses und jenes Mitmachen in der Welt für nicht so gefährlich hielt, als es wirklich war! Liebe Mitbrüder und Mitschwestern, die Welt ist nicht unser Vaterland; was suchen wir denn hienieden, so wir doch davon müssen, so doch alles, was von der Welt ist, vergeht mit aller Lust, so doch alles, was diese arme Erde beut, den Geist nicht wahrhaft sättigen und stillen kann?

O Jesu, meines Lebens Licht! Gib, daß ich meinen Wandel führ im Geist, in deinem Lichte, und als ein Fremdling lebe hier vor deinem Angesichte.

Nimm hin, o reine Liebesglut, mein alles dir alleine; sei du nur, o vergnügend Gut, mein Höchstes, das ich meine. Ach halt mich fest mit deiner Hand, daß ich nicht fall noch weiche; zeuch stets mich durch der Liebe Band, bis ich mein Ziel erreiche.