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Predigten zu Psalm 86,1

"{Ein Gebet. Von David.} Neige, Jehova, dein Ohr, erhöre mich! Denn ich bin elend und arm."

Autor: Charles Haddon Spurgeon (* 19.06.1834; † 31.01.1892) englischer Baptistenpastor
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Wenn unsere Gebete wegen unserer Selbstverachtung zu bescheiden oder wegen unserer Krankheit zu schwach oder wegen unserer Mutlosigkeit ohne Flügel sind, neigt sich der Herr zu ihnen hinab; der unendlich erhöhte HERR nimmt sie ernst. Selbst wenn der Glaube den erhabensten Namen Gottes auf der Zunge hat und Ihn HERR nennt, darf er es doch wagen, von Ihm die freundlichsten Liebeshandlungen zu erbitten. Obwohl Er so groß ist, gefällt es Ihm, wenn Seine Kinder mutig vor Ihn treten. Unser Kummer ist ein machtvoller Grund, um von dem HERRN, unserem Gott, erhört zu werden; denn Er ist gnädig und freundlich, und Elend ist immer das beste Argument für Barmherzigkeit.

Die besten Menschen bedürfen der Barmherzigkeit und müssen um Barmherzigkeit flehen, wirklich um nichts anderes als um Barmherzigkeit; sie brauchen diese für sich selbst; darum bitten sie ihren Gott eifrig, er möge sie persönlich damit ausstatten. Gibt es nicht eine Verheißung, dass Hartnäckigkeit den Sieg davonträgt? Dürfen wir dann nicht unsere Hartnäckigkeit als Argument vor Gott bringen? Er, der jeden Tag oder den ganzen Tag lang betet (beides steckt in diesem Wort), darf sich sicher sein, am Tag der Not vom HERRN erhört zu werden. Wenn wir manchmal Menschen oder andere falsche Hoffnungsträger angefleht haben, mögen wir erwarten, dass sie uns am Tag unserer Not berücksichtigen, doch wenn wir in der ganzen vergangenen Zeit auf den HERRN allein blickten, dürfen wir uns sicher sein, dass Er uns jetzt nicht verlässt. Seht, was David vorzutragen hatte: zuerst, dass er elend und arm war, danach, dass er zu dem HERRN gehörte, dann, dass er als Knecht Gottes gelernt hatte, auf Ihn zu vertrauen, und schließlich, dass er unterwiesen war, täglich zu beten. Dies sind wahrlich solche heiligen Plädoyers, wie sie jeder angefochtene Gläubige vorbringen darf, wenn er mit einem Gott ringt, der Gebete erhört. Und mit solchen Waffen darf der furchtsamste Bittsteller hoffen, den Sieg davonzutragen.

Der entscheidende Grund dafür, dass der Psalmist wegen seiner Freude auf den Herrn allein blickte, liegt darin, dass jede Freude weckende Eigenschaft vollkommen nur in dem HERRN zu finden ist. Einige, die sich für gut halten, nehmen sich so wichtig, dass sie ihnen zugefügte Verletzungen nicht vergeben können. Wir dürfen uns aber sicher sein: Je besser jemand ist, umso mehr ist er zur Vergebung bereit, und der Beste und Höchste ist allezeit bereit, die Übertretungen Seiner Geschöpfe auszutilgen. Gott teilt Seine Gnade nicht aus einem ärmlichen Vorrat aus, der am Ende so ausgeplündert wäre, dass gar nichts mehr darin wäre. Nein, Er schüttet das Füllhorn des unendlichen Reichtums Seiner Gnade über uns aus. Seine Güte ergießt sich in überreichen Strömen über solche, die Ihn bitten und in bewundernder Anbetung Seinen Namen ehren.


Autor: Elias Schrenk (* 19.09.1831; † 21.10.1913) deutscher Theologe und Erweckungsprediger des Pietismus

Herr neige Dein Ohr und erhöre mich! denn ich bin elend und arm.

Wenn David seinen Gott bittet: neige Dein Ohr, so kann man daraus schließen, dass er eine Zeitlang den Eindruck hatte, Gott höre ihn nicht, er sei gleichgültig gegen sein Rufen. Ja, so kann es oft scheinen, als gehe unser Gott an unserm Gebet vorbei, ohne es zu beachten und doch bringen wir so wichtige Bitten vor ihn. Vielleicht ist es Familiennot, Sünden unserer Angehörigen, die uns zum Anrufen des Herrn treiben und die göttliche Antwort bleibt so lange aus. Da gibt es dann Versuchung zum Irrewerden am Herrn, man fragt: warum bekomme ich keine Antwort? Liebe Seele! hast du gelernt zu sagen: ich bin elend und arm? Wie oft bittet man für andere; aber man ist selber nicht elend und arm. Da ist ein Vater, dem sein ungeratener Sohn schwer auf dem Herzen liegt; er bittet um Bekehrung des Sohnes und es vergehen Jahre ohne Erhörung. Warum lässt Gott mich so lange rufen? fragt er. Lieber Vater! bist du elend und arm? Hast du gelernt in der Sünde deines Sohnes deine eigene Sünde zu sehen? Bist du mit der Sünde deines Sohnes als mit deiner eigenen Sünde vor deinen Gott gekommen? Verstehst du deines Gottes Wort: ich will die Missetat der Väter heimsuchen an den Kindern? 2. Mose 20,5. Die Sünden deiner Kinder, deiner Angehörigen müssen dich selber erst demütigen und reinigen helfen, und so lange das nicht geschehen ist, ist dein Gebet nicht wohlgefällig vor Gott. Unser Gott nimmt es genau mit uns; die elenden und armen Beter hat Er gerne. Beugen wir uns, lassen wir uns reinigen durch Jesu Blut, damit wir lernen heilige Hände aufheben im Gebet. Dann neigt der Herr sein Ohr zu uns, und wann wir die Erhörung lange nicht sehen, so wird unser Herz doch still, und wir harren im Glauben.

Herr, mein Gott! Oft habe ich gebetet, und ich war nicht elend und arm. Mache mich arm im Geist; aber lass mich nicht verzagen. Ich danke Dir, dass Du mich lehrst auf Deine Winke merken und immer kleiner werden. Amen