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Predigten zu Psalm 86,4

"Erfreue die Seele deines Knechtes! denn zu dir, Herr, erhebe ich meine Seele."

Autor: Christoph Blumhardt (* 01.06.1842; † 02.08.1919) deutscher evangelischer Theologe, Pfarrer und Kirchenlieddichter
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David richtet's als Bitte zu Gott, wenn er sagt: „Erfreue mich, erfreue die Seele Deines Knechtes!“ Nur mit Bitten und Flehen können wir das, was wir verlangen, von oben bekommen; und nur, wenn wir gebetet und gefleht haben, erfreut uns das, was Gott gibt. Tut Gott uns Gutes, ohne daß wir bitten, so lässt's uns in der Regel kalt und undankbar, will's uns nicht erfreuen. Darum wartet der liebe Gott so gerne, bis wir bitten und bis wir ernstlich bitten. Dann erst macht's uns Freude, legt Gott gleichsam Ehre bei uns ein, wenn wir Erbetenes bekommen.

„Die Seele Deines Knechtes“, sagt David, d. h. des Mannes, der in Deinem Dienste steht, der also Deine Sache vertritt. Dies war bei David der Fall - und doch muß. er so viele Schwierigkeiten finden in dem, was ihm obliegt. Mit Leuten, die es anders wollten als er, hat er viel zu kämpfen gehabt. Die waren seine Widersacher, die ihn in allem hinderten. Hinter solchen Bösen steht auch der Feind, der der Widersacher heißt; und so kann's einem Knecht des HErrn - und überhaupt jeden, der des HErrn sein will - schwer gehen; so daß er oft Kummer und Betrübnis hat, weil's nicht gehen will und alles zu stocken scheint. Daher kommt die Bitte: „Erfreue mich, erfreue die Seele Deines Knechtes, in ihrer Bekümmernis und Sorge, indem Du mir nach meinem Verlangen tust!“

Was verlangt denn David? „Nach Dir“, sagt er, „verlangt mich“, d.h. nach Deiner Hilfe, wie und was es nun sei. Oft hat man nicht gerade eine besondere Bitte zum HErrn. Aber doch fühlt man eine Bedürftigkeit und Sehnsucht in sich; oder es ist dessen, was man zu bitten hat, zu viel, so daß man nicht weiß, womit man anfangen soll. Da ist denn alles gesagt, wenn ich sage: „Nach Dir, HErr, verlangt mich!“ Damit will gesagt sein: Mich verlangt, daß Du Dich einstellest, daß Du Dich nicht so ferne stellest; daß Du den Widersacher nicht so allein und frei wirken lässest, sondern daß Du ins Feld rückest und Deine Sache ausrichtest wider die, die Dir entgegen sind! - So meint's David.

So ist's auch für uns, wenn wir irgendwie besonders erregt und bewegt sind, ein umfassender Seufzer, nur zu beten: „Nach Dir, HErr, verlanget uns!“ Wir wissen oft nichts weiter hinzuzusetzen.

Wollen wir denn eben Ihn, Ihn zu allem, was es mit uns ist und werden soll, haben! Denn wir singen wohl auch: „Der hat alles, der Dich hat!“ Je ernstlicher wir's mit der Bitte meinen, desto gewisser wird auch unsre Seele - komme, was wolle - erfreut werden. Mit allem hat ja der HErr Sein Absehen auf die kommende rechte Freude im großen Jubeljahr!