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Predigten zu Psalm 89,34

"Nicht werde ich entweihen meinen Bund, und nicht ändern, was hervorgegangen ist aus meinen Lippen."

Autor: Frederick Brotherton Meyer (* 08.04.1847; † 28.03.1929) englischer Baptistenpastor

Meine Gnade will ich nicht von ihm wenden

Kürzlich wurde ich gefragt, ob ich, wie so viele heutigen Tages, auch glaube, dass jeder Mensch seine eigene Sünde tragen müsse, und dass von einem stellvertretenden Übertragen der Sünden der ganzen Welt auf das Lamm Gottes nicht die Rede sein könne. Ich erwiderte alsbald, dass dieser überhandnehmende Gedanke den tief befleckten Männern und Frauen, mit denen ich in Berührung komme, nicht viel nützen würde. Sage ihnen, sie müssen ihre Sünden selbst tragen, so werden sie sich in Verzweiflung von dir abwenden. Dies hat ihnen ihr Gewissen stündlich aus dem steinernen Buch des Gesetzes vorgelesen. Die Seele schreckt zurück vor der Last ihrer Sünde und schreit nach Versöhnung. Ein Sterbender rief aus: „Ich bin im Tal der Todesschatten gewesen, o wo ist meine Decke?“ Die Menschen bedürfen einer Decke, eines Helden, der ihnen helfen soll (Vers 20).

Wir müssen unterscheiden lernen zwischen Schuld und Folge der Sünde. Die Schuld, mit ihrer schweren Last von Sünden kann und muss auf unseren Heiland übertragen werden. Dagegen bleibt die Tatsache wahr, dass die körperliche und geistige Kraft eines Trinkers nie mehr ganz erstattet wird. Die Folgen der bösen Taten müssen geerntet werden. Gott wird vergeben und seine Gnade nicht von dir wenden; aber Er wird deine Sünde mit der Rute heimsuchen, und deine Missetat mit Plagen. Und dennoch – seine Barmherzigkeit ist im Stande, den Fluch in Segen umzuwandeln, so dass Myrten blühen, wo ehedem Disteln wuchsen. Gottes Liebe kann die Folgen der Sünde so völlig umgestalten, dass da, wo die Sünde geherrscht hatte zum Tode, die Gnade nun herrscht zum ewigen Leben. Vergiss es niemals: Wo Gott mit einer Seele einen Bund eingegangen ist, da wird Er dazu stehen, ob auch Erde und Himmel untergingen.