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Predigten zu Römer 13,1

"Jede Seele unterwerfe sich den obrigkeitlichen Gewalten; denn es ist keine Obrigkeit, außer von Gott, und diese, welche sind, sind von Gott verordnet."

Autor: Carl Olof Rosenius (* 03.02.1816; † 24.02.1868) schwedischer Laienprediger und Initiator einer neuevangelischen schwedischen Erweckungsbewegung

"Jedermann sei untertan der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat."

Wer Gottes Wort beachten will, muss wissen, dass er seiner Obrigkeit alles zur Untertänigkeit gehörende - Achtung, Gehorsam und Treue - schuldig ist. Das schrieb der Apostel an die Christen in Rom, die unter einer heidnischen Obrigkeit standen. Hätten sie diese apostolische Lehre weder empfangen noch beachtet, sondern wären sie ihrem eigenen Gutdünken gefolgt, dann hätten sie wohl schwerlich erkennen können, dass sie "um des Herrn willen" auch dem Tyrannen Nero Gehorsam und untertänige Ehrfurcht erzeigen müssten; sie würden vielmehr bei einer sich darbietenden Gelegenheit es eher für ganz christlich angesehen haben, an seinem Thronsturz mitzuhelfen. Wir wissen, wie die Juden sich oft empörten, seitdem sie unter Roms Herrschaft gekommen waren. Darum hielt der Apostel es auch für notwendig, so viele deutliche Worte darauf zu verwenden.

Wenn die Christen in Rom aber ihrer heidnischen Obrigkeit untertan sein sollten, wie stark wird dann erst jener Freiheitsgeist verurteilt, der in unseren Tagen auch in der Christenheit seine Stimme gegen die Obrigkeit und alle Untertänigkeit erhebt. Dies sollten die Christen viel stärker bedenken und sich nicht durch den Rat der Gottlosen irreleiten lassen. Die Apostel haben mehr als einmal hierzu ermahnt. "Seid untertan aller menschlichen Ordnung um des Herrn willen, es sei dem Könige als dem Obersten oder den Hauptleuten, als die von ihm gesandt sind zur Rache über die Übeltäter und zu Lob den Frommen. Denn das ist der Wille Gottes, dass ihr mit Wohltun die Unwissenheit der törichten Menschen verstopft."Erinnere sie, dass sie den Fürsten und der Obrigkeit untertan und gehorsam seien usw. Unsere Pflicht gegen die Obrigkeit ist also bestimmt und klar genug ausgesprochen.

Verwunderlicher erscheint es uns, wenn der Apostel hier nun hinzufügt: "Denn jede Obrigkeit ist von Gott." Es ist dies der Hauptgrund, weshalb wir der Obrigkeit untertan sein sollen. Aber wie sollen wir es verstehen, dass jede Obrigkeit von Gott ist, da sie ja oft arg und unchristlich ist? Die rechte Auffassung und Deutung wäre sicher nicht die, wenn wir sagen würden, dass Gott alles das gestatten muss, was geschieht, dass also auch eine gottlose Obrigkeit nur durch Gottes Zulassung ihre hohe Stellung einnehmen darf. Nein, was Gott nur zulässt, kann nie "von Gott sein" heißen. Zudem fügt der Apostel sogleich hinzu: "Wo aber Obrigkeit ist, die ist von Gott verordnet." - Es wäre also nicht richtig erklärt, wenn man sagt, dass das eigentliche Amt von Gott eingerichtet ist, auch wenn die Personen, die das Amt innehaben, gegen den Willen Gottes darin sind. Der Apostel sagt ausdrücklich: "Wo aber Obrigkeit ist, die ist von Gott verordnet", also auch die machthabenden Personen, nicht nur das eigentliche Amt. Dass Gott der Her; das eigentliche Amt gestiftet hat, ist eine bedenkenswerte Wahrheit. Es wurde schon durch die Vaterbotmässigkeit und durch das vierte Gebot des göttlichen Gesetzes begründet und ist außerdem in vielen Worten des Herrn bestätigt worden. Gewiss ist also das Amt von Gott, und es ist eine gute Gabe. Aber es wird auch noch dieses gesagt: "Wo Obrigkeit ist, die ist von Gott verordnet." Wie sollen wir nun dieses verstehen, da wir doch wissen, dass die Obrigkeit oft böse und gottlos ist, der Herr aber immer das Böse hasst? Es kann nur so, wie alle Gerichte Gottes in der Welt verstanden werden, nämlich: Was Er uns auch zusendet, sei es etwas Gutes oder Böses, so ist Seine Fügung doch weise, gerecht und gut. Wir müssen hier wieder lernen, an einen einzigen, allmächtigen Gott und unumschränkt herrschenden Befehlshaber der Welt zu glauben. Der Herr Jesus sagte ausdrücklich zum Bevollmächtigten des römischen Kaisers im jüdischen Lande: "Du hättest keine Macht über Mich, wenn sie dir nicht von oben herab gegeben wäre." Und von dem Leiden, zu dem Pilatus Ihn verurteilte, sagte Er: "Soll Ich den Kelch nicht trinken, den Mir Mein Vater gegeben hat?"Von oben herab", von dem Vater des Herrn Christus hatte Pilatus seine Macht, den Unschuldigen zum Tode zu verurteilen.

Wenn wir nun eine gute, christliche Obrigkeit haben, dann ist sie eine besondere Gabe Gottes für das Land; haben wir aber eine böse, gottlose, dann ist sie uns zur Strafe und Züchtigung gegeben. Wir sollen in dieser Fügung nur auf Gott blicken und Seine Gerichte über uns ehren. Und da Seine Strafgerichte ebenso heilig wie Seine Gnadenbeweise sind, so müssen wir um Seinetwillen auch die uns von Ihm gegebene Obrigkeit achten und ihr gehorchen, gleichwie wir einer guten Obrigkeit nur um Seinetwillen gehorchen müssen. Mag sie nun gut oder böse sein, so ist sie doch Gottes Dienerin. Auch die ärgste Obrigkeit, die ein Land haben kann, ist also von Gott verordnet, um Seine heiligen Absichten auszuführen. Gibt Er einem Volke böse, gottlose tyrannische Regenten, oder lässt Er es geschehen, dass, wie Jesaja sagt, "Jünglinge zu Fürsten werden und Kindische herrschen sollen", dann geschieht dies zu einer Strafe und als eine Plagerute über ein böses, hartnäckiges Volk und zur Prüfung der Gläubigen. Ob der Weg oder die Mittel, durch die der Regent zu seiner Herrschaft gelangte, auch nicht die richtigsten gewesen sind, so hat er seine Macht doch nicht ohne Gott erhalten können, und Gott wird sich seiner entweder zur Strafe oder zum Segen für das Volk bedienen.

Diejenigen, die erst die Eigenschaften und Handlungen der Obrigkeit begutachten und dann erst ihre Untertänigkeitspflicht erkennen wollen, erschüttern die Grundlage, auf der die Pflicht der Untertanen ruht, nämlich die Fügung oder die Verordnung des allmächtigen Gottes.