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Predigten zu Römer 7,14

"Denn wir wissen, dass das Gesetz geistlich ist, ich aber bin fleischlich, unter die Sünde verkauft;"

Autor: Watchman Nee (* 04.11.1903; † 30.05.1972) chinesischer Prediger
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"Wir wissen, dass das Gesetz geistlich ist; ich aber bin fleischlich, unter die Sünde verkauft."

Wenn du einen sehr ungeschickten Diener hast, dann tritt seine Ungeschicklichkeit, solange er bloss dasitzt und nichts tut, kaum in Erscheinung. Wenn er den ganzen Tag nichts tut, ist er dir zwar wenig nütze, aber dafür richtet er auch keinen Schaden an. Wenn du jedoch zu ihm sagst: "So, jetzt los, verplempere nicht deine Zeit mit Müssiggang; steh auf und tu etwas!" dann geht der Ärger sofort los. Er wirft beim Aufstehen den Stuhl um, stolpert nach zwei Schritten über eine Fußbank, macht eine wertvolle Schüssel kaputt, kaum dass er sie in die Hand nimmt. Sobald du von ihm etwas verlangst, kommt seine unbeholfene Art sofort zutage. Wie bei uns allen waren die Anforderungen richtig, das Verkehrte lag an dem Mann! Wie bei uns. Die Anforderungen sind richtig. Aber wir sind Sünder. Das Schlimme ist, dass wir das ohne das Gesetz nicht wissen. Solange Gott nichts von uns verlangt, scheint alles ganz gut zu gehen. Erst wenn er Anforderungen an uns stellt, kann unsere Sündhaftigkeit sieh so recht zeigen, "auf das die Sünde überaus sündig würde durchs Gebot" .


Autor: Hermann Friedrich Kohlbrügge (* 15.08.1803; † 05.03.1875) niederländischer reformierter Theologe

Wozu hebt Paulus das hier hervor, nachdem er schon vorher gesagt hatte, die Gläubigen seien dem Gesetze gestorben? Nun, damit es offenbar und immer deutlicher gemacht werde, dass wir zum Gesetz, seinen Werken, Heiligkeit und Frömmigkeit nichts taugen und es drangeben müssen. Sollen wir denn nichts behalten? – Ihr habt ja nichts, und was ihr habt, ist Sünde, welche immerdar überaus sündig wird durchs Gebot. – Sollen wir denn nichts tun? – Ihr könnt nichts als sündigen, und je mehr das Tun, und wäre es auch nur ein wenig Tun, noch bei euch gilt, desto schlimmer macht ihr's. – Wir müssen uns doch bestreben, dass wir nicht so unrein vor Gott erscheinen, die Sünde soll doch getötet werden, wir wollen doch dies und jenes vermeiden! – Ihr könnt nichts wollen, die Sünde wird euch immer zu stark. Heute nicht geschickt, morgen noch ungeschickter, heute nicht heilig, über ein Jahr noch unheiliger, heute unwürdig, über zehn und dreißig Jahre noch unwürdiger.

Was nun? – Werfet weg, weit von euch weg eure Heilungskrücken, ihr kommt damit den Berg Zion nicht hinauf. Reißt ab die Lumpen, womit eure Wunden bedeckt sind, und zeigt euch dem, der heilig und gerecht ist. – Wird doch dem sein Glaube zur Gerechtigkeit gerechnet, der nicht wirkt, glaubt aber an den, der die Gottlosen gerecht spricht. Hört ihr, was die Schrift sagt? Der nicht die Heiligen und Frommen und Gerechten, nein, der Gottlose gerecht macht.

Ich will nicht mehr vergeblich
bei mir mich halten auf;
ich finde nichts erheblich
zu hemmen meinen Lauf
zu deinen offnen Armen,
die mir dein frei Erbarmen
so huldreich aufgetan.


Autor: Hermann Friedrich Kohlbrügge (* 15.08.1803; † 05.03.1875) niederländischer reformierter Theologe

Ich bin fleischlich. Merket auf, was wir lesen. Paulus sagt, da er diesen Brief schreibt, nicht: Ich war früher, sondern ich bin fleischlich. Ich bin fleischlich; das haben alle Heiligen fühlen müssen, das sagt auch der Apostel Paulus. Aber damit treibt er sich selbst in die Enge, wie will er da herauskommen? Denn Kap. 8,8 sagt er: Die aber fleischlich sind, können Gott nicht gefallen; und hier sagt er, er sei fleischlich, mithin kann Paulus Gott nicht gefallen. Allerdings ist dieser Schluss richtig und gerade so, wie Paulus ihn gemacht haben wollte. Nein, Paulus als Paulus konnte Gott nicht gefallen, denn er war fleischlich, und was vom Fleisch geboren wird, das ist Fleisch, ist sündig und verdammlich vor Gott. – Wie konnte denn Paulus Gott gefallen? Nur als armer Sünder, der Schächers Gnade empfangen hatte und an Gott glaubte, so wie er den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht hat, auf dass wir würden Gerechtigkeit Gottes in ihm. So wirft Paulus mit diesem Spruch alle Heiligen über den Haufen und macht sie alle zu recht armen Sündern; besonders tröstet er damit sehr freundlich alle beladenen und angefochtenen Gemüter. Christus hat der Gerechtigkeit Gottes durch seine Gerechtigkeit und Heiligkeit genug getan, also kann ich dann nirgendwo Ruhe und Frieden finden, als allein durch und in der Gerechtigkeit und Heiligkeit Christi, der mit einem Opfer in Ewigkeit vollendet hat alle, die geheiligt sind.

Ich will nach deiner Gnadenwahl
nur sehn in deine Wundenmal,
dann prang ich dort im Ehrenkleid
durch dein Blut und Gerechtigkeit.


Autor: Carl Olof Rosenius (* 03.02.1816; † 24.02.1868) schwedischer Laienprediger und Initiator einer neuevangelischen schwedischen Erweckungsbewegung

""Ich bin fleischlich, unter die Sünde verkauft. Denn ich weiss nicht, was Ich tue; ich tue nicht, was ich will, sondern was ich hasse, das tue ich.""

Das schrecklichste Übel, das die Schlange in unsere Natur pflanzte, war die Einbildung, dass wir unsere eigenen Helfer und Erlöser sein würden. Das Wort "Ihr werdet sein wie Gott" griff tief in unsere Natur und hinterließ tiefe Merkmale, nämlich allerlei Hochmut und vor allem die schädliche Einbildung, dass wir selbst Kraft haben würden, dem Bösen zu widerstehen und das Gute zu tun. Der "freie Wille in dieser Bedeutung ist ein Traum, aus dem sowohl alle Sicherheit als auch alle Verzweiflung herrühren. Könnte der erweckte Mensch nur davon überzeugt werden, dass er gar nichts vermag, sondern dass der freie Wille verloren ist und dass er"unter die Sünde verkauft ist", dann würde er gar bald in Christus Trost erhalten, die Arbeit seiner Selbstbefreiung aufgeben und sich auf eitel Gnade hin vor Jesu Füße werfen. Unaufhörlich aber heißt es,"Du hast es noch nicht recht versucht, dich nicht recht angestrengt, nicht recht gewacht, gebetet und gekämpft; morgen willst du es besser machen."So geht es einen Tag nach dem anderen und immer ebenso unglücklich und unaufhörlich heißt es:"Du hast es noch nicht recht versucht, bist noch nicht ernst genug, vor der Sünde nicht bange genug gewesen; du willst es morgen besser machen."Der arme Mensch vermag nicht zu begreifen, dass gerade das nicht in seiner Macht steht, recht aufrichtig, ernst und vor der Sünde bange zu sein, zu wachen, zu beten und zu streiten. Er kann nicht einmal seine Gedanken regieren. Wir"sind nicht tüchtig von uns selbst, etwas zu denken". Wir sind ganz verlorene Sünder. Christus muss alles tun, Er"muss selig machen, was verloren ist."Paulus sagt:"Das Gesetz ist geistlich. Ich aber bin fleischlich, unter die Sünde verkauft."Beachte"unter die Sünde verkauft", wie ein Sklave an seinen Herrn verkauft ist. Und wiederum sagt er:"Das Gute, das ich will, das tue ich nicht; sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich, denn ich tue nicht, was ich will, sondern was ich hasse, das tue ich." Wo ist hier der freie Wille?

Viele haben sich darüber verwundert, weshalb Luther so heftig gegen die Lehre von dem freien Willen streitet. Das hat seine guten Gründe. Wenn Christus auch hundertmal für uns gestorben und uns noch so herrlich verkündigt worden wäre, so kann das alles durch den einen Irrtum fruchtlos gemacht werden, nämlich durch diesen Wahn, dass wir selbst Kräfte dazu besitzen würden, all das Gute zu tun, was wir wollen. Wenn der erweckte Mensch das nun an sich vermisst, dann ist alle Predigt von Christus vergeblich, er kann nicht glauben; denn wenn er Kräfte dazu besitzt, das zu tun, was er soll, es aber nicht tut, dann kann er sich auch nicht die Gnade Gottes aneignen. Wir müssen deshalb die Wahrheit tief in unser Herz prägen: "Ich tue nicht, was ich will, sondern was ich hasse, das tue ich." Auch wenn Christus uns durch den Glauben "recht frei" gemacht hat von der Herrschaft der Sünde und des Teufels, haben wir selbst doch nicht die Kraft dazu, all das Gute zu tun, was wir wollen; denn Er behält die Macht für sich, Er überlässt sie uns nicht, damit wir mit ihr haushalten sollen.

Gerade diejenigen, die aus der Macht des Teufels zu Gott geführt und durch den Sohn recht frei geworden sind, seufzen und klagen am meisten über ihre jämmerliche Ohnmacht, wenn der Herr sie in der Versuchungsstunde verlässt. Sie kämpfen, sie weinen, sie beten und rufen zu Gott um Hilfe, alles aber scheint vergeblich zu sein. Sie sind nahe daran zu verzweifeln. Wo ist nun der freie Wille? Weshalb sind sie nicht fromm und rein? Hätten sie selbst Kraft dazu, weshalb sollten sie dann klagen, jammern und beten? Sie brauchten nur das Böse hinwegzuweisen und könnten stark und froh sein. Könnten sie alles durch Gebet überwinden, weshalb sollten sie dann verzweifeln? Demgegenüber zeugen die Psalmen Davids und die Klagen aller Heiligen davon, dass der Mensch nicht mehr einen freien Willen oder die Fähigkeit dazu hat, das Gute zu tun, das er will. Gewiss hätte Petrus lieber immer so stark sein wollen, wie er versicherte und wie er sich dann in Gethsemane zeigte: Als er aber bald nachher auf die Frage einer Magd so schrecklich das erste, zweite und dritte Mal fällt, weint er bitterlich und erkennt nun, dass er die Kraft nicht in seiner Gewalt hat. - Paulus flehte dreimal um Erlösung von "dem Pfahl in seinem Fleische"; er flehte vergeblich, und er lernte nun das Geheimnis: "Wenn ich schwach bin, so bin ich stark."

Der freie Wille ist ein Traum von den Tagen des Paradieses her. Er ist nie im Menschen gefunden worden, seit Adam ihn missbrauchte. Seitdem ist der Mensch zum Bettler geworden, der jedes bisschen Kraft von Gott erbitten muss; und wenn er sie erbitten muss, dann kann er sie ja nicht nehmen, bevor sie ihm gegeben wird. Wenn der Herr uns loslässt, fahren wir immer dem Abgrund entgegen. Das ist das Bild des Menschen nach dem Fall Adams.

Was soll ich tun? Ich kann ja leider nichts aus meiner eigenen Kraft. Herr, gönne mir den Geist der Kraft, des Lichts, der alles in mir schafft! Mein Geist ist in mir selbst zerschlagen, Ich muss von ganzem Herzen sagen: Ich kann nichts tun!