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Predigten zu Römer 8,13

"denn wenn ihr nach dem Fleische lebet, so werdet ihr sterben, wenn ihr aber durch den Geist die Handlungen des Leibes tötet, so werdet ihr leben."

Autor: Carl Olof Rosenius (* 03.02.1816; † 24.02.1868) schwedischer Laienprediger und Initiator einer neuevangelischen schwedischen Erweckungsbewegung

"Wo ihr nach dem Fleische lebet, so werdet ihr sterben müssen."

Hier spricht der Apostel kurz und bündig das Urteil über alle diejenigen aus, die nach dem Fleisch leben. Er will damit vor allem die zur Besinnung rufen, die unter dem Vorwand der Freiheit des Evangeliums den Lüsten des Fleisches folgen wollen. Denn der Apostel redet hier zu einer Christenschar. Er will sie, wenn möglich, aus dem irrigen Wahn erwecken, damit sie nicht statt des Lebens und der Gnade, deren sie sich rühmen, den ewigen Tod erleiden. Er will sagen: Es geziemt sich keineswegs, dass ihr, die ihr jetzt aus der Sünde und dem Tod errettet und der Gnade Christi teilhaftig seid, euren früheren fleischlichen Lebenswandel fortsetzt; wenn ihr das tut, sollt ihr nicht denken, dass ihr das Leben behalten und selig werden könnt, sondern ihr müsst dann im ewigen Tod enden. Das Verdienst Christi soll wahrlich nicht denen zugutekommen, die in ihren Sünden bleiben wollen. Jesus hat sich in den Tod dahingegeben, um denen zu dienen, die gern von ihren Sünden befreit sein wollen, sich aber nicht selbst von ihnen befreien können.

Hier ist es nun erforderlich, etwas bestimmter zu fassen, was das heißen will, nach dem Fleisch zu leben. Gewöhnlich will das Herz diese Frage nach seinem eigenen Zustand deuten, so dass Heuchler meinen, dass es nur einen groben Lebenswandel in offenkundigen Lastern bezeichnen soll, während dagegen ernste und bange Christen befürchten, dass jede Schwachheitssünde diesen Wandel nach dem Fleisch bedeute. Zudem ist man bei der Auslegung dieses Wortes oft auch schwankend und unvorsichtig gewesen, was besonders gefährlich ist, wenn es sich um Leben und Tod handelt, wie es hier der Fall ist. Was wird denn damit gemeint, "nach dem Fleische zu leben"? Zunächst merken wir, dass mit dem Fleisch keine bestimmte Sünde oder Lust, sondern unsere ganze verdorbene Natur gemeint wird, so wie sie durch die Geburt von Vater und Mutter herkommt. Christus spricht: "Was vom Fleisch geboren wird, das ist Fleisch." Aber jetzt sagen einige: Nach dem Fleisch zu leben heißt, dem Fleisch Freiheit zu geben und das zu tun, was ihm gelüstet. Das aber ist so unbestimmt ausgedrückt, dass es gar leicht missverstanden werden kann. Es gibt kaum einen Gottlosen, der nicht in irgendeiner Weise gegen sein Fleisch streitet; er würde dann denken können: Ich gebe dem Fleisch nicht alle Freiheit, lebe also demnach nicht nach dem Fleische. Andererseits gibt es keinen gläubigen Christen, der nicht mit Reue bekennen müsste, dass er sich auch in Wort und Tat versündigt. Das aber setzt ja immer voraus, dass das Fleisch einige Freiheit erhält. Deshalb ist hier ein bestimmterer Begriff erforderlich. Diejenigen, die mit christlichem Verständnis diesen Spruch gründlicher deuteten, haben oft gesagt: "Der Apostel will sagen, dass die Christen, wenn sie unachtsam werden und dem Fleische Raum geben, dadurch geistlich sterben können, indem die Sünde entweder Schlaf und Verhärtung oder Unglauben und Verzweiflung bewirkt."

Dies ist gewiss eine christliche Deutung, und doch ist ohne Zweifel eine andere die richtigere. Die Worte des Apostels sind nämlich viel bestimmter als die ebengenannte Auslegung. Unachtsam zu sein und dem Fleische Raum zu geben, ist zwar furchtbar gefährlich, ist aber noch nicht das gleiche, wie nach dem Fleische zu leben; die Worte "so müsst ihr sterben" bezeichnen nach der Redeweise des Apostels nämlich etwas mehr als dieses, dass ihr geistlich sterben könntet. Wir finden an anderen Stellen der Schrift, an denen der Apostel diese drohende Sprache an die Christen richtet und das eigentliche Todesurteil verkündigt, dass er von dem ewigen Tod als von der Sünde Sold redet. Gerade diese Redeweise des Apostels ist der wichtigste Erklärungsgrund. So heißt "nach dem Fleische zu leben" auch nicht, sich nur zufällig zu vergehen, sondern ein Leben zu führen, das mit dem Fleisch oder der gefallenen Natur übereinstimmt.

Nach dem Fleisch zu leben, muss also dasselbe bedeuten wie "nach dem Fleisch zu wandeln", nämlich sowohl der Gesinnung als auch dem Wandel nach der gefallenen Natur zu folgen. Nun wissen wir, dass der Abfall zuweilen nach der rechten Seite hin oder zur Eigengerechtigkeit und zu den Werken des Gesetzes geschieht, wie es der Abfall der Galater deutlich macht, von denen der Apostel sagt: "Ihr habt Christus verloren, die ihr durch das Gesetz gerecht werden wollt, und seid von der Gnade gefallen." Und gerade von diesem Fall sagt er: "Im Geist habt ihr angefangen, wollt ihr es nun im Fleisch vollenden?" (Gal 3:3)

Zuweilen aber geschieht der Abfall nach der linken Seite hin in die Unreinheit der Sünde, wovon Paulus sagt, dass die, die einst "dem Unflat der Welt durch die Erkenntnis des Herrn und Heilandes Jesus Christus entflohen sind, wiederum in denselben verflochten und überwunden sind." Sie haben jetzt einen falschen Trost für die Sünde gesucht und angefangen, "mutwillig" in derselben zu leben, wie Judas. Dann haben sie dieselben Merkmale wie dieser, dass sie nicht mehr dem Herrn ihre Sünde bekennen und Erlösung suchen, sondern ihrer Sünde huldigen und sie verteidigen. Oder aber sie leben in einer geheimen Verzweiflung, weil sie "ein gutes Gewissen von sich gestossen und am Glauben Schiffbruch erlitten haben", so dass sie nicht mehr am Gnadenthron leben. Solches alles heißt, "nach dem Fleische zu leben", und ist etwas ganz anderes, als zufällig "von der Sünde Gesetz in den Gliedern gefangengenommen zu werden", während der Geist noch gegen die Sünde kämpft und "Gott durch Jesus Christus, unseren Herrn, danken" kann.

Ach, lass das Herz nicht wieder sterben! Es Ist uns ja Dein Wort bekannt: Sie sollen nimmermehr verderben;

Wer reißt sie Mir aus Meiner Hand? Erfülle das, o Hirte, hier An uns; und jeder ruft: An mir!


Autor: Carl Olof Rosenius (* 03.02.1816; † 24.02.1868) schwedischer Laienprediger und Initiator einer neuevangelischen schwedischen Erweckungsbewegung

"Wo ihr durch den Geist des Fleisches Geschäfte tötet, so werdet ihr leben."

Der Apostel zeigt uns hier die rechte Siegeskraft über das Fleisch zum Trost und zur Anleitung für alle diejenigen, die ihre eigene Schwachheit und Ohnmacht im Streite fühlen. Um die mächtigen Lüste des Fleisches zu überwinden und zu töten, ist etwas anderes als nur menschliche Kraft erforderlich, wie auch Luther bemerkt, der von dem Töten des Fleisches durch den Geist sagt, dass wir in den Versuchungszeiten "uns erinnern sollen des Wortes Gottes und auch durch den Glauben an die Vergebung der Sünden uns dagegen stärken sollen." O, dass wir alle daran denken könnten, wenn es sehr übel mit uns steht, wenn wir jegliche Kraft im Streite vermissen und nur das Fleisch mächtig fühlen, so dass wir oft fallen und uns vergehen und es uns scheint, als ob Gott tot und aus der Welt verschwunden sei. Dann ist es an der Zeit, mit unserem eigenen Streiten aufzuhören und uns zum Hören der Gnade Gottes in Christus und an das Evangelium und alle Gnadenmittel zu wenden, um unseren gestörten Glaubensfrieden aufzurichten, jeglichen Gedanken an unsere eigene Kraft oder unsere Schwachheit fahren zu lassen und nur eine einzige Frage zu stellen: "Gott, erhalte ich Deine Gnade, Deine Vergebung für alles?"

Auf diese Frage müssen wir eine bestimmte Antwort haben, bevor wir Kraft empfangen können. Hier aber gilt es, die Antwort nicht im Gefühl, sondern im Wort Gottes zu suchen. Und wenn du jetzt Trost empfängst, dass Gott dein Freund und Vater ist, dann überlass Ihm auch die Sorge für die Überwindung deiner Versuchungen. Denn dies ist das Geheimnis der Siegeskraft. Solange du selbst etwas tun zu können meinst, wirst du unausgesetzt fallen. Der Eifer des Herrn um die Verherrlichung Seiner Gnade ist so groß, dass Er lieber unseren schönsten Wandel zunichte werden lässt, als dass Seine Ehre der Kreatur gegeben würde. Die Schlusslehre aller unserer Kämpfe zur Tötung unseres Fleisches ist die, dass der Herr allein der ist, der die Macht dazu hat, und dass der Herr der ist, der es auch tut, und zwar so, dass Er in uns einen armen Geist sowie Glauben, Willigkeit und Gebet bewirkt, damit wir dieses alles bei Ihm suchen möchten. Und wenn es dahin gekommen ist, dass wir im Glauben alle Gnade und Kraft von Ihm herzlich wünschen, dann führt Er Sein Werk zur Tötung unseres Fleisches bestimmt hinaus, wie immer Er uns nun auch führen mag. Wenn Er unser Gebet erhört und uns Gnade und Kraft gibt, aller Gottlosigkeit und allen weltlichen Gelüsten zu entsagen, dann wird unser Fleisch getötet. Entzieht Er uns aber Seine Kraft und überlässt Er uns der Sichtung des Satans, dann wird unser Fleisch auch getötet, dann wird das Innerste des alten Menschen, nämlich der tiefe Wahn unserer eigenen Kraft, getötet.

Die Geschäfte des Fleisches, die getötet werden sollen, sind allerlei Äußerungen des innewohnenden Verderbens, das sich in unsere Gedanken, in Worte und Handlungen hineinmischt, so dass es an Gelegenheiten zur Tötung des Fleisches nie fehlt. In Gal. 5 wird eine Anzahl "der Geschäfte des Fleisches" angeführt. Wenn du auch nicht zu groben Sünden versucht wirst, so hast du doch gegen tiefen Eigensinn, gegen Eigendünkel, Eigenwillen und eigene Ehrsucht beständig zu wachen. Dieses feinere, innere Verderben wird zwar eher vergessen als das äußere und gröbere, ist aber doch die eigentliche Quelle alles Bösen. Darum ist hier eine besonders ernste Aufmerksamkeit vonnöten.

Bedenke oft und tief, dass das, was du selbst denkst, willst und meinst, das erste ist, wogegen du Argwohn hegen musst und was am Wort Gottes geprüft und durch die Kraft des Geistes getötet werden muss. Wenn du z. B. zum Zorn und zur Ungeduld gegen die Menschen versucht wirst, dann gilt es, sich dessen zu erinnern, wieviel Gott dir vergibt und wie du deshalb deinem Nächsten vergeben musst. Du wirst vielleicht wegen deiner Erkenntnis, deiner Gelehrsamkeit, Geschicklichkeit und Kunst zum Hochmut versucht; sei dann dessen eingedenk, dass "Gott den Hoffärtigen widersteht, den Demütigen aber Gnade gibt." Du wirst vielleicht zu unreinen Begierden versucht; dann musst du dessen eingedenk sein, dass du ein heiliger Tempel Gottes bist, der nicht verunreinigt werden darf. Zuerst und zuletzt aber bedenke, dass du in der ewigen Gnade und Gemeinschaft Gottes bist und es dir deshalb geziemt, würdig vor Ihm zu wandeln. Du wirst vielleicht zum Geiz und zum Eigennutz versucht; bedenke dann, dass du ein Himmelserbe bist, der nach dem trachten soll und muss, was droben ist.

Hier ist ein beständiges Töten des Fleisches nötig, was uns oft ein bitteres Leiden verursacht und darum eine unendliche Geduld erfordert. Selig aber die Menschen, die hierin bis ans Ende aushalten! Sie sind Gottes Kinder und Himmelserben. Es wird gewiss oft bitter schwer, ist aber vor Gott dem Herrn, den Engeln und den Heiligen ein lieblicher Anblick, wenn z. B. ein junger Mensch, der die Welt und ihre Lust sehr liebte, jetzt um des Herrn willen allem entsagt; oder wenn ein Kind, das von Natur sehr eigensinnig war, jetzt gegen sich ankämpft und seinen eigenen Willen dem Willen Gottes und dem der Eltern unterwirft; oder wenn ein Mensch, der sehr zum Hochmut und zur Eitelkeit neigte, jetzt durch die Zucht des Geistes anspruchslos, schlicht und einfach geworden ist. Ja, welch ein schöner Anblick, wenn der Stolze und Jähzornige sich selbst zu züchtigen anfängt, um mild, demütig und sanftmütig zu sein. Wenn der Mensch um der Gnade willen, seiner Natur schnurstracks zuwider, so gegen sich selbst zu kämpfen anfängt, dann heißt das "durch den Geist die Geschäfte des Fleisches zu töten".

Und solche Menschen werden leben, sagt der Apostel. Sie werden den Himmel einnehmen, sie werden nach einer kurzen Zeit der Tötung des Fleisches mit den Engeln und den Heiligen in einer unendlichen Seligkeit das ewige Leben bei Gott und Seinem Christus geniessen.


Autor: Frederick Brotherton Meyer (* 08.04.1847; † 28.03.1929) englischer Baptistenpastor

Jakob habe ich geliebt; aber Esau habe ich gehasset

Es handelt sich hier nicht um die einzelnen Menschen als solche, sondern um ganze Völkerschaften. So wird z. B. (Vers 7) Isaak genannt, als der Vertreter der ganzen jüdischen Nation – Abrahams Same. Der Apostel behandelt hier die Frage, warum Gott Israel erwählet, und Edom verworfen habe; und weist nach, dass die schließliche Entscheidung ihrer Schicksale in dem Vorsatz Gottes liege. Der eine wurde erwählt zum Träger unermesslichen Segens für die ganze Weit, während der andere verworfen wurde.

Wir müssen aber stets die Vorkenntnis Gottes mit seiner Erwählung verbinden. „Welche Er zuvor erkannt hat, die hat Er auch zuvor bestimmt.“* Wir müssen Jakob und Esau nicht nur als einzelne Persönlichkeiten ins Auge fassen, sondern als die Gründer von Völkern. Zum Zwecke Gottes im Aufbau des auserwählten Volkes taugte der gesittete, weitblickende Jakob viel besser, als der freiheitsliebende, wilde Esau, der sich vom jeweiligen Augenblick der Leidenschaft leiten ließ. Übrigens waren in Jakob gewisse religiöse Fähigkeiten, von denen bei Esau keine Spur zu finden war. Vielleicht löst dieses noch nicht das ganze Geheimnis; aber es wird dadurch um einige Grade von uns zurückgeschoben. Beachtet muss es werden; denn es beleuchtet mit einem schwachen Lichtstrahl den dunkeln Abgrund. Steht es nicht jedenfalls außer Frage, dass Gottes Wahl auf den fiel, der seinem Plane am dienlichsten war?

Vielleicht will Gott auch durch dich eine Absicht erreichen. Sei auf deiner Hut. Noch wird der Duft der leckeren Speise von der würzigen Luft der Wüste uns zugetragen, und reizt unsere Sinne; wir werden stark versucht, das Unsichtbare und Ewige preiszugeben für den Genuss eines Augenblicks. Hüte dich, dass du nicht um einer Speise willen dein Erstgeburtsrecht verkaufest.