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Predigten zu Römer 9,33

"wie geschrieben steht: "Siehe, ich lege in Zion einen Stein des Anstoßes und einen Fels des Ärgernisses, und wer an ihn glaubt, wird nicht zu Schanden werden"."

Autor: Carl Olof Rosenius (* 03.02.1816; † 24.02.1868) schwedischer Laienprediger und Initiator einer neuevangelischen schwedischen Erweckungsbewegung

"Siehe da, Ich lege in Zion einen Stein des Anlaufens und einen Fels des Ärgernisses; wer an Ihn glaubt, soll nicht zuschanden werden."

Wie geht dies zu? Wie kann Christus uns zum Schaden und zum Verderben werden? Wie dies für die Juden zuging, sehen wir deutlich in den Berichten der Evangelisten. Die Juden stiessen sich nicht nur an Seiner persönlichen Niedrigkeit und an Seinem schmählichen Tod, sondern auch an Seiner Lehre und an Seinen Urteilen, die schnurstracks gegen die ihrigen stritten. In gleicher Weise geschieht es noch heute. Erstens wissen wir, dass die ganze blinde Welt sich an Christus und an Seinem Evangelium als an einer "törichten Predigt", einer "Torheit" stösst. Die Menschwerdung und die tiefe Erniedrigung des Sohnes Gottes, die Lehre von der Versöhnung durch Seinen Tod und von den Sakramenten, dieses alles ist dem natürlichen Menschen eine Torheit. Das eigentliche "Ärgernis" aber, auf das unser Text - im Zusammenhang betrachtet - zunächst hinzielt, ist die Hauptlehre selbst, dass Jesus die unwürdigsten Sünder begnadigt und selig macht, während Er die frömmsten Werkheiligen verdammt.

Dies ist zu allen Zeiten der rechte "Stein des Anstosses", so dass es noch immer heißt: "Dieser nimmt die Sünder an" -, "wüsste Er, wer und welch eine Frau es ist, die Ihn anrührt, denn sie ist eine Sünderin." Christus müsste nicht Sünder, sondern nur Heilige annehmen. Dieses "Ärgernis" oder dieser "Anstoss" entsteht noch an allen Stätten, wo das Evangelium im Geist und in der Wahrheit verkündigt wird, und zwar nicht nur bei gleichgültigen Leuten, sondern auch bei vielen, die "um Gott eifern" und "nach der Gerechtigkeit trachten", bei vielen, die zuvor für die erleuchtetsten und frömmsten Christen galten, nun aber ganz irre werden und das Evangelium, das doch das eigene gnadenvolle Wort Christi ist, zu schmähen anfangen. Sie nennen es dann eine neue und der Heiligung schädliche Lehre und werden geradezu Feinde des Evangeliums. Es ergeht ihnen ganz so, wie bei dem Propheten gesagt wird: "Sie werden verstrickt und gefangen." Wenn Christus mit Seinem Evangelium nicht an ihren Ort gekommen wäre, würden sie ungestört in ihrer Frömmigkeit verblieben sein; nun aber werden sie so "verstrickt" und nur darum als Feinde des Evangeliums offenbar, weil dasselbe in einem klareren Lichte sowie in Beweisung des Geistes und der Kraft zu ihnen kam.

Wer an Ihn glaubt, soll nicht zuschanden werden. Der Name des Herrn sei gepriesen! Ob auch die Mehrzahl der Israeliten und die Mehrzahl in der Christenheit sich an diesem Steine stossen und fallen, so gibt es doch andere, denen Er ein "köstlicher Eckstein", ein Fels der Seligkeit ist, auf den sie ihren ganzen Trost im Leben und im Sterben bauen; und ihnen wird hier nun diese Versicherung gegeben: "Wer an Ihn glaubt, soll nicht zuschanden werden", das will besagen, in seiner Hoffnung auf Ihn nicht getäuscht zu werden. Es wird nicht fehlen, dass wir wirklich alles das empfangen werden, worauf wir hier im Glauben an Christus gehofft haben. Dass aber eine besondere Versicherung darüber gegeben wird, will uns zeigen, dass die Gläubigen auch von der Furcht und Ungewissheit angefochten zu werden pflegen: "Besitze und erhalte ich auch wirklich das, was die Worte enthalten und verheißen?"

Dass die Heiligen von solcher Ungewissheit beschwert wurden, sehen wir überall in ihrer Geschichte; auch wir fühlen es alle bei uns. So verborgen ist das Leben in Gott, so zahlreich sind unsere Mängel und Gebrechen, so schwach und dunkel ist unser Glaube, dass wir wirklich oft nicht wissen, ob wir selige Leute sind, wiewohl wir an Jesus glauben. Dann kommt hier der Ewig-Vater und versichert uns: "Bauet mit aller Zuversicht auf den Stein, den Ich in Zion gelegt habe, Er lässt euch nimmer im Stich. Wer an Ihn glaubt, soll nicht zuschanden werden." Und möchten wir nun besonders das Wort "Wer" (ein jeder) beachten und bewahren! Hier ist kein Unterschied. Hier ist kein einziger Mensch ausgeschlossen - ein jeder, der an Ihn glaubt - ein jeder, der in seiner Sündennot zu Ihm hinflieht, - ein jeder, der an all seiner eigenen Gerechtigkeit und all seinen eigenen Versuchen, sich zu erretten, verzweifelt, in solcher Verlegenheit aber das Evangelium von Christus hört und annimmt, d.h. so zu Ihm hingezogen und mit Ihm verbunden wird wie die Sünder und Sünderinnen, die in den Tagen Seines Fleisches Jesu Jünger und Jüngerinnen und neue Menschen wurden, - ein jeder, der so an Ihn glaubt, soll nicht zuschanden werden - kann nicht, darf nicht zuschanden werden, - sondern wird das ewige Leben haben, so wahr Gott getreu und wahrhaftig ist und die Seinen niemals täuschen kann.

Jesus nimmt die Sünder an! Saget doch dies Trostwort allen, Welche von der rechten Bahn Auf verkehrten Weg verfallen. Hier ist, was sie retten kann: Jesus nimmt die Sünder an!

Keiner Gnade sind wir wert. Doch hat Er in Seinem Worte Eidlich Sich dazu erklärt; Sehet nur, die Gnadenpforte Ist hier völlig aufgetan. Jesus nimmt die Sünder an!


Autor: Hermann Bezzel (*18.05.1861; † 08.06.1917) deutscher lutherischer Theologe
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Siehe da, ich lege in Zion einen Stein des Anlaufens und einen Fels des Ärgernisses; und wer an ihn glaubt, der soll nicht zu Schanden werden.

Geht mit mir hinaus vor die Tore und seht die große Heerstraße des Lebens an! Was haben euch die gegeben, die euch trösten wollten? Was geben euch denn die Zeitungen, die ihr lest? Ist durch einen solchen Zeitungsartikel euer Kind froh in seiner Krankheit geworden, oder wurde euer Herz, euer müdes, durch ihn frei? Ihr habt euch leid gesehen und Bitterkeit habt ihr dabei gelernt. Vielleicht aber kommt aus der Heerstraße einer, dessen Begleitung immer weniger zahlreich wird, von dem einer um den andern sich löst. Aber etliche Arme gehen mit ihm, und ich sehe bei ihm das arme heidnische Weib und die Sünderin und Petrus, den Verleugner, und alle die Armen aller Zeiten, und sie rufen: Er hat uns geholfen! Versucht es noch einmal mit ihm, unsere Väter sind auch nicht zu Schanden geworden! Probiert es noch einmal mit ihm, vielleicht dass er doch noch der alte Heiland ist! Er verlangt ja keinen starken Glauben, er verlangt nur das Glaubenwollen. Er erwartet noch keine Überzeugtheit, wenn er nur die Geneigtheit merkt,bei ihm anzuklopfen.