Buch-Rezension: Die Evangeliumsbotschaft und wahre Bekehrung

Die Evangeliumsbotschaft und wahre Bekehrung

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Paul Washer, vielen Christen jüngeren Alters durch seine „Shocking Message“ bekannt, legt mit diesem Werk erneut ein aufrüttelndes Buch vor. Hierbei geht der Autor der Frage nach, was das wahre Evangelium ist und wie es heute verkündigt werden muss.

Das Buch ist in drei Teile gegliedert. Im ersten Teil (S. 15ff.) zeigt Washer den Ruf des Evangeliums auf. Wahre Buße und wahrer Glaube werden in diesem Teil ebenso behandelt wie die Bedeutung eines sog. Bekenntnisses (z.B. Übergabegebet) sowie missverständliche Äußerungen wie „Christus annehmen“ oder „Christus vor der Herzenstür“.

Im zweiten (S. 117ff.) und dritten Teil (S. 183ff.) zeigt Washer die Folgen echter Bekehrung auf, wobei der zweite Teil sich eher auf den einzelnen Gläubigen und der dritte Teil auf die Gemeinschaft der Christen bezieht. Für jeden Christen, der das Evangelium verkündet (ist davon jemand ausgeschlossen?), ist das Buch ein absolutes Muss. Wer unter den vielen sog. Scheinbekehrungen, Lippenbekenntnissen etc. leidet, wird in diesem Buch einige mögliche Antworten dazu finden, wozu ein falsches Evangelium führen kann.

Washers Ausführungen zur Notwendigkeit der Sündenerkenntnis (z.B. S. 62), zur aktiven und wachsenden Abhängigkeit gegenüber Christus (S. 74), zur Kontextualisierung (S. 90), zur kontinuierlichen Heiligung (z.B. S. 173) oder zur Fleischlichkeit (S. 210) sind nur wenige von vielen, denen der Rezensent zustimmt und von denen er sich neu hat ansprechen lassen. Die vielen Bibelstellen im Fußnotenbereich weisen darauf hin, dass sich der Autor mit der Materie eingehend befasst hat. Besonders gelungen ist auch die Entfaltung seiner Gedanken (insbesondere der Kapitel II und III) auf Grundlage des AT, insbesondere unter Hinweis auf Hesekiel 36 und Jeremia 31.

Leider hat der Rezensent aber auch ein paar vorsichtige Anfragen – vorsichtig in dem Bewusstsein, dass unser aller Wissen Stückwerk ist und vor allem, weil diese Anfragen den notwendigen Appell nicht schmälern sollen. Der Leser sollte berücksichtigen, dass Washer Vertreter der sog. Lordship Salvation ist, was auch in dem Buch deutlich wird (so z.B. S. 85ff.; vgl. zum Verständnis der Lordship-Position vor allem das Buch Lampen ohne Öl (John MacArthur). Zum Verständnis der Free-Grace-Position vgl. das Buch Hauptsache gerettet? oder Kapitel 17 des Buches Ausgewogen statt abgehoben [beide Ryrie]).

Interessant und wohltuend ist in diesem Zusammenhang, dass Washer mit seiner Aussage, dass alle echten Bekehrten Frucht bringen (S. 137) genau das sagt, was beispielsweise Ryrie als Vertreter der sog. Free Grace-Position in seinen Werken deutlich macht (so z.B. Hauptsache gerettet?, S. 32). Verwundert war der Rezensent darüber, dass Washer sich nicht klar äußert, ob bzw. dass es fleischliche Christen gibt (S. 187), wovon die Bibel ausgeht (z.B. 1Kor 3,2f.). Ebenso erscheint die Position des Autors, Heilsgewissheit gründe vor allem auf der fortschreitenden Beziehung zu Jesus (z.B. S. 70, S. 112), mindestens fragwürdig. Durch diese Akzentverschiebung verliert die Bedeutung der (einmaligen) Neugeburt an Wert. Wenn Paulus im Übrigen viele Gläubige als Geheiligte oder Gerechtfertigte anspricht, dann geht er sehr wohl von deren Rettung aus und spricht ihnen Heilsgewissheit zu. Schließlich sieht der Rezensent die Gefahr, dass sich viele schwache Christen von Angst getrieben nach Kräften bemühen werden, Gewissheit zu erlangen, während ihnen die Stellung „in Christus“ und das gnadenreiche Leben „in ihm“ und aus seiner Kraft nicht aufgezeigt wurde. Dennoch insgesamt ein aufrüttelndes, nachdenkenswertes und wichtiges Buch.

 Die Rezension/Kritik stammt von: Thimo Schnittjer
 Kategorie: Mission, Evangelisation, Evangelistisch

  Verlag: 3L Verlag
  Jahr: 2018
  ISBN: 978-3-943440-25-6
  Seiten: 292
 €    Preis: 14,50 Euro

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