Buch-Rezension: Die Fünf Punkte des Calvinismus - Eine Antwort

Die Fünf Punkte des Calvinismus - Eine Antwort

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Mit diesem Buch liegt eine Schrift vor, die sich mit der schon seit Jahrhunderten diskutierten Frage der Prädestination und damit zusammenhängender dogmatischer Fragen beschäftigt. Der Autor folgt dabei dem theologischen System des Arminianismus, welches die Prädestinationslehre, wie sie vom klassischen Calvinismus formuliert wird, ablehnt. Erfreulich ist, dass der Autor von der völligen Widerspruchsfreiheit und Unfehlbarkeit von Gottes Wort ausgeht.

Für die Übersichtlichkeit des Textes wäre es besser gewesen der Autor hätte Fußnoten gesetzt, statt im Text die Quellen anzugeben. Die fast inflationäre Verwendung von Sekundärzitaten erschwert die Überprüfung der Quellenangaben erheblich und ist unüblich. Mängel im Lektorat des Buches finden sich auf den S. 39, 85, 101, 102, 130.

In einem ersten Teil stellt der Autor die fünf Grundthesen der calvinistischen Dogmatik dar, Textbelege aus der Heiligen Schrift werden fast ausnahmslos zur Darstellung der Sicht des Autors angeführt. Dies erweckt den Eindruck, als würde sich die calvinistische Dogmatik nicht aus der Bibel begründen wollen.

In einem zweiten Teil beschreibt Streitenberger das Leben und Wirken von Johannes Calvin und zieht daraus Rückschlüsse auf die von Calvin maßgeblich mitgeprägte Dogmatik der Prädestination. Dieser Beitrag erscheint als der schwächste des Buches. So schreibt Streitenberger auf Seite 79: „In seinen zahlreichen Auslegungen, Schriften, Predigten und Kommentaren findet sich keine einzige Erwähnung von einer persönlichen Buße, Bekehrung und Annahme von Jesus Christus als Herrn und Heiland seitens Calvins.“ Auf Seite 80 relativiert Streitenberger eine überlieferte Aussage Calvins über seine Bekehrung und hinterlässt beim Leser den Eindruck, dass Calvin vermutlich nie wiedergeboren war. An dieser Stelle wirkt sich die Wiedergabe von Sekundärzitaten durch Streitenberger verhängnisvoll aus. Hätte er Calvins Aussage in der Einleitung zu seinem Psalmenkommentar aus dem Jahre 1557 selber im Zusammenhang nachgeprüft, hätte er seine Vermutungen maßvoller darstellen müssen. Bezüglich der persönlichen Bekehrung Calvins Zweifel zu säen und damit Rückschlüsse auf die von ihm formulierte Dogmatik zu ziehen, ist angesichts der Tatsache, dass das Infragestellen der Errettung wohl der schwerste denkbare Angriff auf einen Christen ist, ein unerfreulicher Abschnitt der Lektüre.

Zitat Johannes Calvin, Vorrede Psalmkommentar 1557, Übersetzung aus dem Lateinischen:

„... hat Gott doch – durch den verborgenen Zügel seiner Vorsehung – meinem Lebenslauf eine andere Richtung gegeben. – Zuerst nämlich, da ich dem päpstlichen Aberglauben hartnäckiger ergeben war, als dass es leicht gewesen wäre mich aus einem so tiefen Sumpf herauszuziehen, da hat er (Anm.: d.h. Gott) meinen Sinn, der für sein Alter schon allzu sehr verhärtet war, durch eine plötzliche Bekehrung zur Gelehrigkeit gezwungen. Nachdem ich daher einen gewissen Geschmack von der wahren Frömmigkeit empfangen hatte, entbrannte ich in einem solchen Eifer, Fortschritte zu machen, dass ich die übrigen Studien zwar nicht aufgab, aber doch nachlässiger betrieb. ...“

Auch die Ausführungen zu der Rolle Calvins in Bezug auf Hieronymus Bolsec und Michael Servetus sind einseitig und oberflächlich. Der Autor zeichnet ein Bild des Reformators, wie es die Gegenreformation zu prägen versucht hat und schließt sich ohne Darstellung entlastender Momente ausschließlich der negativen Sicht Calvins an, ohne die umfassenden Ergebnisse der Calvin-Forschung angemessen zu berücksichtigen und die fortschrittlichen Reformen Calvins für Staat, Gesellschaft und Kirche im 16. Jahrhundert zu würdigen. Im letzten Teil beschäftigt Streitenberger sich mit der Auslegung von 12 zentralen Bibelstellen. An dieser Stelle lässt Streitenberger der gegnerischen Seite etwas mehr Freiraum zur biblischen Begründung ihrer Position, der er dann seine Gegenargumente gegenüber entfaltet.

Obwohl der Autor und der Verleger diese Schrift als sachlichen Diskussionsbeitrag verstanden wissen möchten, wird sie vom Leser über weite Strecken als kämpferische Streitschrift empfunden, die ein hartes Urteil über eine der Hauptströmungen der evangelischen Theologie enthält. Es bleibt zu hoffen, dass das Buch nicht dazu beiträgt, Streit und Spaltungen in christliche Gemeinden zu tragen, wie es in den USA durch ein ähnliches Buch vor einigen Jahren bereits geschehen ist. 

 Die Rezension/Kritik stammt von: Dr. Sebastian Merk
 Kategorie: Sonstiges

  Verlag: Christlicher Mediendienst Hünfeld (CMD)
  Jahr: 2007
  ISBN: 978-3-939833-08-6
  Seiten: 158
 €    Preis: 7,50 Euro

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