Buch-Rezension: Mein neues Leben - Christus begegnet Muslimen. Erfahrungsberichte

Mein neues Leben

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Heidi Josua wendet sich mit ihrem Buch zuerst an „Skeptiker, die sich fragen, ob Konversionen [von muslimischen Asylsuchenden] ‚echt‘ sind oder nur aus Opportunismus erfolgten“ (10). Aber sie will auch Unschlüssige erreichen, die sich als Christen bisher nicht auf die Begegnung mit Konvertiten aus dem Islam eingelassen haben. Schließlich will sie die Christen auf einen guten Weg lenken, die von der offensichtlichen Erweckung unter orientalischen Muslimen begeistert sind, aber darüber oft nicht die Vielfalt der Lebenswege, des Wirkens Gottes, aber auch der folgenden Probleme für die neuen Christen richtig wahrnehmen. Alle Anliegen kann das Buch erreichen und darüber hinaus Grundlegendes zum Verständnis des gelebten Islam beitragen. Auch erfährt man viel über die Funktion des deutschen Asylsystems. Der teilweise erschreckende Umgang mit den neuen Christen, den Heidi Josua schildert, ist keineswegs dramatisiert, sondern entspricht den Erfahrungen des Rezensenten.

Die Autorin ist mit dem arabisch-sprachigen Pastor Hanna Josua verheiratet, der seit vielen Jahren im Raum Stuttgart innerhalb der württembergischen Landeskirche arbeitet. Alle Lebensberichte stammen von Personen, die sie selber begleitet hat und die mindestens zeitweise in der dortigen Gemeinde waren, oft auch dort getauft wurden. Weil die internationale Gemeinde vor allem arabisch-sprachige Menschen erreicht, stammen auch alle Berichte von muslimischen Konvertiten mit dieser Muttersprache. Die aber kommen aus dem Irak, Syrien oder aus Ägypten, aber auch von der arabischen Halbinsel, umfassen also einen großen Bereich.

In der Einleitung zu den insgesamt neun Berichten, die in der Ichform verfasst sind, schildert die Autorin die vielfältige Skepsis, die muslimischen Konvertiten begegnen kann. Da ist nicht nur der grundlegende Zweifel, der unterstellt, alle Bekehrungen seien vorgetäuscht, um leichter einen sicheren Aufenthaltsstatus zu erlangen, sondern auch die Furcht mancher Theologen, die Konvertiten könnten dem „Dialog“ mit dem Islam schaden. In jüngster Zeit haben sich jedoch Kirchenleitungen öffentlich dagegen verwehrt, dass das BAMF die Rechtmäßigkeit einer Taufe überprüfen will und damit in die Religionsfreiheit eingreift. Heidi Josua hat nichts gegen ein Hinterfragen der Beweggründe zur Taufe, aber schildert eben auch Fälle, in denen die Echtheit des Glaubens mit der Frage nach den Kindern Martin Luthers abgeprüft wurde. Eine Frau, die jahrelang in ihrer Ehe unter muslimisch begründeter Gewalt litt, musste sich fragen lassen, ob sie das durch ihr Verhalten (z.B. das Interesse an Jesus und das Lesen christlicher Internetseiten) nicht selber hervorgerufen habe. Offensichtlich gibt es auch falsche Beweggründe beim Taufwillen von früheren Muslimen, die lassen sich aber in einem Taufkurs meist klären. Und wenn dann trotzdem jemand getauft wird, obwohl er noch nicht glaubt, könnte das durch keine Gewissensprüfung ganz ausgeschlossen werden. Auch in einem der Berichte schildert der junge Christ, dass er erst nach der Taufe richtig begriffen hat, was ein Leben im Glauben bedeutet. Das könnte man aber für viele Bekehrungen westlicher Christen gleichermaßen sagen.

Man merkt den Berichten an, dass sie relativ stark durch die Autorin redigiert wurden. Das hat unterschiedliche Gründe. Heidi Josua wollte keine hochdramatischen Fluchtgeschichten, sondern eher die inneren Beweggründe innerhalb der erlebten Geschichte herausstellen, die zur Umkehr zu Jesus führten. Die Berichte wurden alle aus der arabischen Muttersprache ins Deutsche übersetzt. Die Erzähler sollten auch geschützt werden, teilweise vor ihren eigenen Familien, teilweise in ihren Asylverfahren. Das nimmt den Berichten etwas die Lebendigkeit, aber sie werden dadurch keineswegs weniger authentisch. Durch die kleinen Kommentare am Anfang und Ende der Berichte gelingt es der Autorin, beim Leser insbesondere für die religiös-kulturellen Eigenheiten von Menschen aus der islamischen Welt Verständnis zu vermitteln. Sie stellt zu Recht fest, dass es bei vielen westlich geprägten Christen daran fehlt. Einen wichtigen Aspekt „normaler“ Bekehrungen transportieren die Schilderungen auch: All die Menschen, die Jesus gefunden haben und nun als Christen leben, haben die „normalen“ Probleme anderer Menschen. Als Christen wollen sie nun mit ihren Süchten umgehen, mit ihren Eheproblemen, ihren Zukunftsängsten. Inwiefern der Glaube an Christus hilft, ohne dass die Nöte einfach weg sind, wird ehrlich und ermutigend deutlich.

Am Schluss des Buches hat Heidi Josua noch einige Wünsche der jungen Christen mit muslimisch geprägter Lebensgeschichte aufgelistet. Sie machen Mut, sich über das Wirken Gottes zu freuen und diese Christen als Geschwister durch Christus voll in der Gemeinde zu integrieren. Sie sind aber auch eine Herausforderung, auf die vielen Muslime in Deutschland mit dem Evangelium von Jesus Christus zuzugehen und sich nicht mutlos zu verstecken. In dieser Hinsicht ist es sehr erfreulich, dass Heidi Josua darauf geachtet hat, dass im Buch insgesamt – verteilt über die verschiedenen Kapitel – auch das Evangelium von Jesus Christus selber zur Sprache kommt. Dabei fällt auf, dass hier der Jesus der Evangelien für ehemalige Muslime einen größeren Raum einnimmt.

Der Titel verdient eine herzliche Empfehlung. Er ist kein missionarisches Zeugnisbuch, von denen es eine Reihe andere gibt, sondern zuerst eine Hilfe für Gemeinden und Christen, um ein gutes Verständnis für das zu gewinnen, was Gott in den vergangenen Jahren Unglaubliches an ehemaligen Muslimen getan hat.

 Die Rezension/Kritik stammt von: Thomas Jeising
 Kategorie: Biografien, Lebensbilder

    Verlag: Evangelische Verlagsanstalt
    Jahr: 2020
    ISBN: 978-3374-050215
    Seiten: 200
    Preis: 15,00 Euro

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