Christliche Liederdatenbank    

O Jesu Christ, mein schönstes Licht

1) O Jesu Christ, mein schönstes Licht,
der du in deiner Seelen
so hoch mich liebst, dass ich es nicht
ausprechen kann noch zählen:
Gib, dass mein Herz dich wiederum
mit Lieben und Verlangen
mög umfangen
und als dein Eigentum
nur einzig an dir hangen.

2) Gib, dass sonst nichts in meiner Seel
als deine Liebe wohne;
dass ich deine Lieb erwähl
als meinen Schatz und Krone.
Stoß alles aus, nimm alles hin,
was mich und dich will trennen
und nicht gönnen,
dass all mein Mut und Sinn
in deiner Liebe brennen.

3) Mein Heiland, du bist mir zulieb
in Not und Tod gegangen
und hast am Kreuz als wie ein Dieb
und Mörder du gehangen,
verhöhnt, verspeit und sehr verwundt;
ach lass mich deine Wunden
alle Stunden
mit Lieb im Herzensgrund
auch schmerzen und verwunden.

4) Was ist's, so Schönster, das ich nicht
in deiner Liebe habe?
Sie ist mein Stern, mein Sonnenlicht,
meine Quell, da ich mich labe,
mein süßer Wein, mein Himmelsbrot,
mein Kleid vor Gottes Throne,
meine Krone,
mein Schutz in aller Not,
mein Haus, darin ich wohne.

5) Du hast mich je und je geliebt
und auch nach dir gezogen;
eh ich noch etwas Guts geübt,
warst du mir schon gewogen.
Ach lass doch ferner, edler Hort,
mich diese Liebe leiten
und begleiten,
dass sie mir immerfort
beisteh auf allen Seiten!

6) Lass sie sein meine Freud im Leid,
in Schwachheit mein Vermögen,
und wann ich nach vollbrachter Zeit
mich soll zur Ruhe legen,
alsdann lass deine Liebestreu,
Herr Jesu, bei mir stehen,
Luft zuwehen,
dass ich getrost und frei
mög in dein Reich eingehen.

Den Glauben als Liebesbeziehung zwischen Jesus und dem Menschen zu beschreiben, dies unternehmen viele Liedtexte. Paul Gerhardt setzt hier einen besonderen Akzent, indem er den Menschen um sein Liebenkönnen erst bitten lässt, gegründet auf die Liebe Gottes in Christus, die allem vorausgeht. Zeichen dieser Liebe ist das Kreuz – auf die Erinnerung an Dunkel und Scherz der Passion in der dritten Strophe folgt in scharfem Kontrast eine Häufung heller, geradezu überschwänglicher Bilder. Die Melodie stammt von dem ebenfalls sehr persönlich formulierten Lied „Ich ruf zu dir, Herr Jesu Christ“ aus der Reformationszeit. (Andreas Marti)

Den Liedtext und Noten findet man in folgenden Liederbüchern:

  Cover Nummer Noten
Evangelisch-reformiertes Gesangbuch (RG) 654 Bestellen