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Predigten zu 1. Könige 19,20

"Und er verließ die Rinder und lief Elia nach und sprach: Laß mich doch meinen Vater und meine Mutter küssen, so will ich dir nachfolgen. Und er sprach zu ihm: Gehe, kehre zurück! denn was habe ich dir getan?"

Autor: Alfred Christlieb (* 26.02.1866; † 21.01.1934) deutscher Theologe
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"Elia warf seinen Mantel auf ihn."

Dieser Mantel war für Elisa mehr als ein Stück Tuch, sonst hätte Elisa niemals Eltern, Heimat, Hab und Gut im Stich gelassen. - Was hat Elisa denn an dem Mantel gehabt? Er hat ihm die Erhebung in den Prophetenstand gebracht. Mochte dieser Stand auch vor Menschen verachtet sein, weil es je und je falsche Propheten gab, vor Gott waren die Propheten - wie dem Daniel (9, 23) zugesichert wurde - "lieb und wert". - Ähnliches dürfen wir sagen von denen, die mit dem Rock der Gerechtigkeit Jesu bekleidet sind. Hebr. 12, 23 lesen wir: "Ihr seid gekommen zu der Gemeinde der Erstgeborenen, die angeschrieben sind im Himmel, und zu den Geistern der vollendeten Gerechten." Welch hoher Stand! Wer das richtig erkannt hat, kann lächeln über den Spott der Weltmenschen, wie auch über die eitle Ehre, die sie einander antun! - Ein zweites: Elisa hatte an dem Mantel einen Schutz gegenüber allen, welche ihm den Stand nicht gönnten oder Freude daran hatten, ihn zu kritisieren. "Kein Prophet ist angenehm in seinem Vaterland." Hätte nun ein Verwandter oder Nachbar zu ihm gesagt: "Wie, du willst ein Prophet sein? Ich kenne dich doch von Kind auf mit all deinen Fehlern und Schwächen!", dann könnte Elisa auf seinen Mantel hinweisen und sagen: "Den hat Elia mir umgetan und mich zum Propheten berufen. Hadere mit ihm, wenn du Lust hast!" - So geht es auch denen, welche von Gott mit dem Mantel der Gerechtigkeit Jesu Christi bekleidet werden. Da kommen Stimmen aus der Welt, der Hölle und dem eigenen Herzen, die sagen: "Was, du willst ein Kind Gottes sein? Hast du vergessen, wo du herkommst?" Dann nimmt Gottes Wort uns in Schutz und sagt: "Solcher sind euer etliche gewesen. Aber ihr seid abgewaschen, ihr seid gerecht geworden" (1. Kor. 6, 11). - Wohl dem, der diese geheimnisvolle, gottgewirkte Bedeckung seiner früheren Schuld empfangen hat!


Autor: Alfred Christlieb (* 26.02.1866; † 21.01.1934) deutscher Theologe
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"Elisa ließ die Rinder und folgte Elia nach."

Es ist eine ernste Frage, ob man für sich selber oder für andere Menschen der Berufung durch Jesus Christus gewiss sein könne. Das Verhalten des Elisa nach seiner Berufung kann uns als Sinnbild dabei dienen. Es heißt von Elisa zunächst: "Er ließ die Rinder." Will sagen: Beruf, Geschäft, Verdienst, Einkommen - das alles rückt sogleich in die zweite Linie. Der Prophetenmantel auf seiner Schulter verpflichtet ihn zum Dienst Gottes und seines Propheten. - Prüfen wir uns und andere, wie wir auf göttliche Forderungen eingehen. Heißt es ähnlich wie bei dem Mann im Gleichnis: "Ich habe fünf Joch Ochsen gekauft, ich muss sie besehen! Entschuldige mich", oder tun wir wie Elisa: "Er ließ die Ochsen"? - Wer vor lauter Arbeit in Feld und Garten, in Haus und Geschäft nur selten oder nie Zeit findet für Gottes Wort, der hat gewiss die Berufung Jesu Christi, der unsertwegen am Kreuz starb, nicht erfahren! - Von Elisa heißt es weiter: "Er lief dem Elia nach". Elisa wollte unter allen Umständen die mit Elia gewonnene Verbindung nicht wieder verlieren, sie vielmehr festigen und zu einer dauernden gestalten. Mochten andere scheu ausweichen vor dem Mann, der mehrfach Gottlosigkeit mit dem Tod bestraft hatte: Elisa wollte nicht mehr von seiner Seite weichen. - Bei denen, die von dem Herrn Jesu berufen und in den Mantel seiner Gerechtigkeit gekleidet sind, findet sich eine heilige, kindliche, beglückende Freimütigkeit, die das Gegenteil ist von frecher, angemasster Dreistigkeit und falscher Vertraulichkeit, und die doch stets bei dem Herrn zu bleiben sucht. - Das letzte Kennzeichen ist das Aufgeben des eigenen Willens gegenüber dem neuen Herrn, ohne dessen ausdrückliche Erlaubnis Elisa nicht einmal von seinen Eltern Abschied zu nehmen begehrt, und das einen Paulus bestimmte, als erste Äußerung des neuen Zustandes nach der Berufung zu fragen: "Herr, was willst du, dass ich tun soll?" - Ein jeder prüfe sich selber.


Autor: Jakob Kroeker (* 1872; † 12.12.1948) wichtigster Vertreter des freikirchlichen russländischen Protestantismus
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"Da verließ Elisa die Rinder, lief dem Elia nach und sprach: Lass mich noch Vater und Mutter küssen, denn ich will dir nachfolgen." 1.Kön. 19,20

Allen Gottesknechten gemeinsam ist der Weg der Entsagung. Sie können Gegenwärtiges opfern, um Höheres zu empfangen.

Einen Elisa fand der Herr beim Pflug. Als nun die göttliche Berufung an ihn erging, ein Bote Gottes und ein Segensträger für seine Brüder zu werden, so galt es für ihn, den Bruch mit seiner bisherigen Lebensstellung zu vollziehen. Das gemütliche Bauernleben musste er vertauschen mit dem unsteten Leben eines Wanderpropheten mit all seinen Einschränkungen und Entbehrungen. Auch mit der Feindschaft musste er rechnen, die in seinen Tagen gegen die wahren Propheten Gottes bestand, namentlich gegen Elia.

Wie später Paulus besprach auch er sich nicht lange mit Fleisch und Blut, sondern alsbald fuhr er zu. Er ließ den Pflug und Ochsen und opferte dem Herrn. Denn er wusste sich hinfort an Gott gebunden. Es gibt keine Gottesboten, es sei denn, sie sind bereit, diesen Opferweg zu gehen. Jeder Segen für andere ist mit einem vorangehenden Opfer verbunden. Auch heute noch. Wer nicht im Glauben diese Opfer zu bringen vermag, wird unfähig bleiben, seine Brüder zu segnen. Elisa konnte als reicher Bauernsohn ein frommer Israelit, aber kein Prophet Gottes sein.

Damit soll jedoch nicht gesagt werden, dass auch ein jeder von uns seinen Beruf, seine Aufgaben in der Familie und so weiter aufgeben müsse, bevor man ein Segensträger für andere werden könne. Das liegt dem Zeugnis der Schrift völlig fern. Auf diesem Wege würde von uns nie das erreicht werden, was Gott erreichen möchte. Aber wie es für einen Elisa Vorbedingungen gab, die erfüllt werden mussten, wenn er Gottes Bote sein wollte, so gibt es auch solche für uns. Wenn man nun fragen wollte, worin diese für uns bestehen, dann müsste man offen sagen: im einzelnen Fall weiss man das nicht! Denn jeder Einzelne wird ganz individuell von Gott geführt und erzogen. Aber ganz allgemein darf das gesagt werden: was sich uns je und je als ein Hindernis erweist, um für andere ein Segen zu werden, das gilt es, dem Herrn als ein Opfer freiwillig zu Füßen zu legen. Wer dazu bereit ist, mag äußerlich verlieren, aber wird innerlich Vollmacht erhalten, seinen Brüdern zu dienen.


Autor: Hugh E. Alexanders (* 1884; † 1957) englischer Evangelist, der Anfang des 20. Jahrhunderts in der französischen Schweiz wirkte

Ohne ein Wort zu sagen, warf der Prophet Elia seinen Mantel über Elisa, der beim Pflügen war. Elisa verstand, daß das der Ruf Gottes war, und sprach: «Laß mich noch meinen Vater und meine Mutter küssen, dann will ich dir nachfolgen!» Elia antwortete: «Geh hin und komm wieder; bedenke, was ich dir getan habe!»

So empfing Elisa seine Berufung. Er durfte und mußte sich von den Seinen verabschieden und seine guten Beziehungen zu ihnen nicht vernachlässigen. Aber es galt wachsam zu sein, damit ihm nichts die Berufung, die er eben für sich angenommen hatte, verdunkelte oder schwächte. «Er machte sich auf und folgte Elia nach und diente ihm.» Der Ruf, den er von dem Propheten Gottes erhalten hatte, erwies sich als echt und mächtig. Elisa vergaß ihn nie, und später, als Elia kurz vor seiner Entrückung zu Elisa sagte, er solle zurückbleiben, bestand Elisa darauf, seinen Meister zu begleiten. Er dachte daran, was Elia ihm getan hatte. Seine Berufung wurde auf die Probe gestellt und bewährte sich. Auch vor Jericho, dieser Stadt, die dem Vormarsch des Glaubens trotzte, ließ sich Elisa nicht aufhalten; auch vor dem Jordan schreckte er nicht zurück (2. Könige 2,1-6). Er dachte daran, was Elia ihm getan hatte.

Unsere Berufung und Ausrüstung zum Dienst zeigt ihren Wert, wenn wir vor einem «Jericho», vor Schwierigkeiten und Anfechtungen stehen. Denke an Gottes Ruf, an deine Antwort und an die Verheißungen, die dir gegeben wurden. Auch vor dem Jordan, der unsere Vereinigung mit Christus in Seinem Tod darstellt, wollen wir nicht zurückschrecken. «Bedenke, was ich dir getan habe!»

Elisa ließ sich nicht beeindrucken von den Prophetensöhnen, die dem Propheten Gottes ihre Überlegenheit und ihn Kenntnisse zeigen wollten. So ging er von Kraft zu Kraft, war gehorsam in allen Dingen und deshalb bereit, ein doppeltes Maß des Geistes Gottes zu empfangen (2. Könige 2,9).

Darum laßt uns an den Tag gedenken, an dem wir Gottes Ruf hörten und unsere Antwort gaben, damit nichts uns in unserem Lauf aufhalten kann, damit nichts die Erfüllung des Planes Gottes in unserem Leben hindert. Wir wollen Abschied nehmen von dem, was uns zurückhält, und uns aufmachen, unserem Meister nachzufolgen, und dabei bedenken, was Er uns getan hat.