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Predigten zu 1. Könige 1,24

"Und Nathan sprach: Mein Herr König, hast du gesagt: Adonija soll nach mir König sein, und er soll auf meinem Throne sitzen?"

Autor: Jakob Kroeker (* 1872; † 12.12.1948) wichtigster Vertreter des freikirchlichen russländischen Protestantismus
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"Und Natan sprach (zu David): Mein Herr König, hast du gesagt: Adonia soll nach mir König sein und soll auf meinem Throne sitzen? Siehe, sie essen und trinken vor ihm und sagen: Es lebe der König Adonia! Und der Priester Zadok samt dem Propheten Nathan salbe Salomo daselbst zum Könige in Israel und blase mit der Posaune und spreche: Es lebe der König Salomo." 1.Kön.1,24 u.34

Davids Leiden kamen nicht zur Ruhe. Als seine Kraft mehr und mehr zusammenbrach, da glaubte Adonia, der der älteste der königlichen Prinzen war, dass er allein für die Thronfolge in Frage käme. In dieser seiner Meinung sah er sich sowohl von der militärischen Macht, durch den Feldhauptmann Joab, als auch durch die geistliche unter der Führung des Hohenpriesters Abjatar bestärkt.

David hatte jedoch seinen Sohn Salomo von der schönen Bathseba zum Thronerben ausersehen. Er sah sich unterstützt durch den Propheten Nathan, durch den Hohepriester Zadok und durch den Führer seiner Leibwache Benaja. Als Adonias Ernennung bekannt wurde, ließ David gleich den jungen Salomo, der kaum erst zwanzig Jahre alt war, zur Zionsburg am Tal Gihons führen und in Gegenwart einer großen Volksmenge öffentlich durch den Propheten Nathan und den Hohenpriester Zadok zum König über ganz Israel und Juda salben. Durch diesen Akt wurde eine neue, ungeheure Aufregung unter das Volk getragen. Die eine Partei rief von den östlichen Bergen: "Es lebe der König Adonia!", und die anderen riefen von den westlichen Hügeln: "Es lebe der König Salomo!"

Nur dem Umstand war es zu verdanken, dass kein neuer Bürgerkrieg ausbrach, dass Adonia unter der Zusicherung seiner Begnadigung schließlich zurücktrat und ebenfalls Salomo als zukünftigem Herrscher über Israel seine Huldigung darbrachte.

So ward Davids Lebenskelch zuletzt bis an sein Lebensende mit Bitterkeiten über Bitterkeiten gefüllt. Bevor er zu seinen Vätern ging, übergab er noch Salomo sein königliches Testament, das ebenfalls keinen reinen Charakter mehr trug. Zwar empfahl er seinem Sohn, alles zu beachten, was der Herr durch Mose geboten hatte, der Schluss seiner Weisung aber atmete Bitterkeit und Vergeltung. Anstatt in königlicher Großmut Vergangenes zu vergeben und zuzudecken, um eine völlig neue Zukunft für das ganze Volk unter dem neuen Gesalbten beginnen zu lassen, wurden alte Sünden und Vergehen selbst der treuesten Freunde Davids aufgezählt und die Vergeltung als ein Erbe Salomo übergeben. Am Herzen Gottes hatte dies David, dem so unendlich viel vergeben worden war, nicht gelernt. Der dunkle Schatten seiner letzten Regierungszeit fiel selbst auf sein Kranken- und Totenbett. Die Theokratie, d.h. _Gottesherrschaft, hatte längst in David ihr Wort verloren, sie musste schweigen auch im letzten Testament ihr es Trägers.