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Predigten zu 1. Korinther 4,18

"Etliche aber sind aufgeblasen, als ob ich nicht zu euch kommen würde."

Autor: Adolf Schlatter (* 16.08.1852; † 19.05.1938) schweizer evangelischer Theologe und Professor fürs Neues Testament
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„Herr eures Glaubens bin ich nicht“, sagte Paulus den Korinthern. Diesen Gedanken stieß er als verwerflich von sich. Wie könnte ein Mensch, und wenn er ein Apostel wäre, über den Glauben des anderen Herr sein wollen? Das wäre Raub an Gott. Weil unser Glaube Gott gehört, sollen wir ihn Jesus geben und niemand sonst. Als es aber in Korinth solche gab, die sagten: Paulus braucht nicht mehr zu uns zu kommen; wir haben ihn nicht mehr nötig, nannte er das aufgeblähte Eitelkeit, vor der er ernstlich warnt. Ähnliche Gedanken gehen mit versuchlicher Kraft durch unsere Zeit. Wozu soll ich immer wieder mein Neues Testament öffnen, warum beständig Paulus zu mir reden lassen? Kann ich mein Leben nicht selber ordnen? Habe ich nicht Augen, die mir zeigen, was geschehen muss, Glauben und Geist, die mich auf Gottes Weg erhalten? Ich muss in der Gegenwart leben und das erkennen, was jetzt richtig und heilsam ist. Ist es nicht die Schwäche der Christenheit, dass sie nur die apostolischen Worte wiederholt und nicht von dem zeugen kann, was Gott heute an uns tut? An solchen Gedanken ist das freilich wahr, dass wir arm und zum Dienst nicht tauglich wären, wenn wir nichts zu sagen hätten als Bibelsprüche und von Gott nichts wüssten als das eine, dass er vor langer Zeit den Aposteln sein Wort gegeben hat. Wenn ich so in der Bibel heimisch würde, dass mir die Gegenwart fremd bliebe, dann hätte sie mir noch nicht gezeigt, dass Christus mir zum Herrn gegeben ist. Ebensowenig entsteht aber aus echtem Glauben Hochmut, der sich selbst genug sein will und auf den Apostel nicht mehr hören mag. Eitelkeit entsteht nicht aus dem Glauben, sondern gedeiht nur da, wo er fehlt. Habe ich gelernt, auf Gottes Hand zu achten, dann nehme ich wahr, dass er den Boten Jesu ein Amt gegeben hat, das niemand wiederholt und keiner entbehren kann. Dann höre ich die Stimme des guten Hirten, der durch den Dienst des Paulus die Seinen führt.

Ich kann nicht bei mir selber weise sein, lieber Herr. Du sprichst zu mir durch die, die Du mit Deinem Wort begnadet hast. Dafür danke ich Dir und bitte Dich: schenke Deiner Christenheit ein offenes Neues Testament, ein waches Ohr für das, was Deine Boten sagen. Amen.