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Predigten zu 2. Korinther 12,7

"Und auf dass ich mich nicht durch die Überschwenglichkeit der Offenbarungen überhebe, wurde mir ein Dorn für das Fleisch gegeben, ein Engel Satans, auf dass er mich mit Fäusten schlage, auf dass ich mich nicht überhebe."

Autor: Carl Eichhorn (* 11.07.1810; † 08.02.1890) deutscher lutherischer Pastor
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"Wie Gott dem Großwerden vorbeugt. Auf dass ich mich nicht überhebe, ist mir gegeben ein Pfahl ins Fleisch."

Für jeden liegt die Gefahr der Selbstüberhebung nahe. Aber wenn jemand Außerordentliches erlebt hat, besondere Gaben und Erfolge aufzuweisen hat, ist es für ihn sehr schwer, im Demutstal zu bleiben. Dann muss Gott besondere Mittel anwenden, um dem Größenbewusstsein entgegenzuarbeiten und den Menschen unten zu halten. Gott stehen viele solche Mittel zu Gebot.

Den Nebukadnezar, der sich gebärdete wie ein Übermensch und sich im Glanz seiner Residenz vergötterte, hat er zu einem untermenschlichen Dasein herabsinken lassen. Er verhängte Wahnsinn über ihn, so dass der stolze König sich für ein unvernünftiges Tier hielt und lebte wie ein Tier. "Wer stolz ist, den kann er demütigen", rief er hinterher aus. Als das Herz des Königs Usia sich erhob, nachdem er zu Macht und Ehren gekommen war, wollte er das Vorrecht der Priester an sich reißen und im Heiligtum räuchern. Da schlug ihn der Herr mit Aussatz und zwar an der Stirn, dem edelsten Teil des menschlichen Leibes. Etwas Demütigenderes konnte ihm nicht widerfahren. Sein Antlitz ward entstellt, die Krankheit schloss ihn aus von der Gesellschaft und von der Handhabung der königlichen Geschäfte.

Dem Apostel Paulus widerfuhr ein Leiden, das besonders demütigend war. Ein Satansengel versetzte ihm gleichsam Faustschläge. Es waren plötzliche und sehr schmerzhafte Anfälle, die für die Umgebung etwas Abstoßendes hatten. Darum schreibt er den Galatern: "Meine Anfechtungen, die ich leide nach dem Fleisch, habt ihr nicht verachtet noch verabscheut." Paulus dachte: Wenn ich dieses Leiden los wäre, könnte ich mehr wirken für den Herrn. Aber der Herr wusste es besser. Paulus musste diesen Hemmschuh haben, er diente ihm zur Förderung. Er verstand dann auch seinen Herrn. Es wurde ihm klar, dass er diesen Gewichtstein notwendig brauchte, um klein zu bleiben. Er lernte diesen Pfahl im Fleisch ansehen als eine Gabe. Er wünschte ihn nicht mehr weg.

Man kann im Reich Gottes große Taten verrichten, aber wenn man dabei selbst groß wird, so wird man zum Räuber an Gottes Ehre. Man kommt in die Klasse der Übeltäter, zu denen der Herr einst sagen wird: "Weichet von mir!" Durch innerlich kleine Leute führt der Herr sein Werk aus. "Aus dem Munde der jungen Kinder und Unmündigen richtet er sich eine Macht zu und stopft den Mund seiner Feinde." In der Schwachheit kommt seine Kraft und in der Demut seine Hoheit zu voller und schöner Entfaltung.


Autor: Hermann Bezzel (*18.05.1861; † 08.06.1917) deutscher lutherischer Theologe
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Und auf dass ich mich nicht der hohen Offenbarungen überhebe, ist mir gegeben ein Pfahl ins Fleisch.

Es hat jeder unter uns seinen Pfahl im Fleisch. Das sind die demütigenden Erfahrungen, dass man Jesu dienen möchte und kann es nicht aus menschlicher Schwachheit, dass man vorwärts schreiten möchte und wird immer kleiner. Es hat jeder seinen eigenen Pfahl im Fleisch. Es ist das, was einmal der Apostel schreibt: „Nicht dass ich’s schon ergriffen habe oder schon vollkommen sei“, oder noch mehr, es ist die Klage: „Ich elender Mensch, wer wird mich erlösen von dem Leibe dieses Todes?“

Ein Ideal haben und wissen, wie man es erreichen könnte und es nicht erreichen dürfen; ein großes Ziel vor Augen haben und jeden Tag äußerlich näher kommen und innerlich ferner sein, das ist unerträglich. Und nun kommt die große Lektion, die ebenso verächtlich zu hören als notwendig zu lernen ist: mit sich selbst Geduld haben. Dreimal hat Paulus zum Herrn gefleht, und dreimal hat der Herr Tiefe auf Tiefe gesendet. Da lernt Paulus nicht müde werden, sondern sich gedulden, nicht ermatten, sondern sich ermutigen, nicht verzichten, sondern tragen – und dadurch wird er stark.