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Predigten zu 2. Korinther 3,9

"Denn wenn der Dienst der Verdammnis Herrlichkeit ist, so ist vielmehr der Dienst der Gerechtigkeit überströmend in Herrlichkeit."

Autor: Ludwig Hofacker (* 15.04.1798; † 18.11.1828) deutscher evangelischer Pfarrer
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Hat denn Gott den alten Vätern ein Gesetz gegeben, das sie verdammt, während wir ein seligmachendes haben? - Das ist so zu verstehen: Gott hat sich im alten Bund zwar auch nach seiner Güte geoffenbart, hatte die Kinder Israel wie ein Vater geführt und auf Adlerflügeln getragen, hatte die Feinde vor ihnen her verstoßen und ihnen unzählige Wohltaten erzeigt, - lauter Liebe. Und als auf dem Berg Sinai der Herr in seiner Herrlichkeit vor Moses vorüberging, rief dieser: Herr, Herr Gott, barmherzig und gnädig, geduldig und von großer Gnade und Treue, der du beweisest Gnade bis ins tausendste Glied, und vergibst Missetat, Übertretung und Sünde! Es war also viel Evangelisches im alten Bunde, aber die Hauptsache desselben war doch das Gesetz, das drohende, strafende, zwingende Gesetz, da es hieß: »du sollst nicht töten; du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht stehlen,« - u n d so immer: du sollst, und: du sollst nicht! Alle Gebote waren aber in zwei Hauptgebote zusammengefaßt: »Du sollst den Herrn, deinen Gott, liebhaben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft, und deinen Nächsten wie dich selbst.« Hinter dem ganzen Gesetz aber kam das furchtbare Wort: »Verflucht sei, wer nicht alle Worte dieses Gesetzes erfüllt,...« Und alles Volk sprach: »Amen!« - Es hat sich also im alten Bund die unerläßliche Heiligkeit der Gesetze Gottes geoffenbart und der strafende Eifer Jehovas über allen und jeden Ungehorsam gegen sein göttliches Gesetz. Nun konnte niemand das Gesetz ganz halten, wie es auf die heutige Stunde noch keiner vermag; so ruhte demnach auf dem ganzen Volk Israel der Fluch des Gesetzes, wie er noch auf jedem ruht, der, ohne die Versöhnung aus dem Verdienst Jesu Christi empfangen zu haben, in dieser Welt lebt und durch eigene Tugend und Heiligkeit selig werden will. Diesem Elend abzuhelfen, traf der Herr die Veranstaltung, daß jeder, der gesündigt hatte, ein Sündopfer vor den Herrn bringen durfte; und weil das Volk so viele Sünden beging, die nicht alle mit Opfern gesühnt werden konnten, so gab Gott dem Volk noch besonders ein großes jährliches Versöhnungsfest: lauter Anstalten und Vorbilder, welche ihre Kraft und Bedeutung hatten in dem großen künftigen Opfer des Leibes Jesu Christi; denn es ist an sich unmöglich, daß Kälber- oder Bocksblut die Sünden wegnehme. Aber diese herrliche Veranstaltung war doch nicht imstande, die Gewissen ganz zu reinigen; denn alle Jahre mußte geopfert werden, und wenn geopfert war, kamen jedesmal neue Verschuldungen hinzu, und so kam man bei allem Opfern doch zu keinem rechten Frieden, zu keiner gründlichen Zuversicht. Das Gesetz mahnte und forderte immerfort: du sollst, und: du sollst nicht; der Mensch konnte nie Genüge leisten, folglich dauerte unter der ganzen Opferanstalt der Fluch der Verdammung des Gesetzes immer fort. Das Amt des Gesetzes war ein Amt, das die Verdammnis predigt. Ehe man dem Herrn zur Gabe Gottes Lämmlein dargebracht, ward aus aller unsrer Habe weniger als nichts gemacht. Dachte man bei dem Altare, die Versöhnung sei geschehn, so hieß Gott nach einem Jahre, immer wieder opfern gehn.

Was ist's Wunder? Blut der Rinder und die Asche von der Kuh setzet freilich bei dem Sünder das Gewissen nicht zur Ruh. Dein Versprechen, dein Verbitten, hätt es gleich noch größern Schein als das Opfer in der Hütten, wird doch wohl nicht besser sein.


Autor: Hermann Bezzel (*18.05.1861; † 08.06.1917) deutscher lutherischer Theologe
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So das Amt, das die Verdammnis predigt, Klarheit hat, wieviel mehr hat das Amt, das die Gerechtigkeit predigt, überschwängliche Klarheit?

Die Herrlichkeit des Amtes ruht in seiner ewigen Dauer. „So das Klarheit hat, das da aufhöret.“ – Mose ist längst gestorben, der Sinai liegt im Schatten der Vergessenheit der Weltgeschichte. – „Wieviel mehr wird das Klarheit haben, das da bleibt.“ Denn das wissen wir: „Himmel und Erde werden vergehen“, aber der Dienst am Wort vergeht nicht. Und wenn der letzte Mensch begraben wird, wird ein letzter Tröster an seinem Grabe stehen, und wenn die Welt in Trümmer sinkt, an den Trümmern werden etliche sein Lob verkündigen, bis dass er kommt. Und wenn die Welt vergangen sein wird, wird man in der Ewigkeit noch dieses Amtes brauchen als dessen, das die herrliche Tat Gottes immer wieder preist, bezeugt und verkündet und andere zu seinem Lob und zu seiner Ehre auffordert.


Autor: Hermann Bezzel (*18.05.1861; † 08.06.1917) deutscher lutherischer Theologe
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So das Amt, das die Verdammnis predigt, Klarheit hat, wieviel mehr hat das Amt, das die Gerechtigkeit predigt, überschwängliche Klarheit?

Seht, das ist das Wunderbarste, dass während alles vergeht – Weltreiche versinken, als wären sie nie gewesen, Weltgrößen fallen, als hätten sie nie gelebt –, dieses arme, unscheinbare Amt immerfort seinen Dienst tut. Es ist an der Wiege des alten Römischen Reiches deutscher Nation gestanden und hat dieses Staatengebilde mit Geist und Kraft gebaut, nachdem es an der Bahre des römischen Weltreiches gestanden und seinen Untergang beklagt hatte. Es hat das heilige Reich deutscher Nation durch alle Zeiten geleitet, hat mit neuem Glanz das Evangelium von der freien Gnade verkündigt und hat mit den Müden zur rechten Zeit immer wieder geredet und hat andere Staatengebilde kommen und gehen sehen, und geht auch mit den Neugestaltungen unseres Reiches. Und wenn dieses nicht mehr ist, das Amt wird alle Reiche überdauern; denn es ist für die Seelen in die Seelen gegründet.