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Predigten zu 2. Korinther 4,8

"Allenthalben bedrängt, aber nicht eingeengt; keinen Ausweg sehend, aber nicht ohne Ausweg;"

Autor: Watchman Nee (* 04.11.1903; † 30.05.1972) chinesischer Prediger
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"In Zweifel versetzt, aber nicht in Verzweiflung."

Von dem Tage an, da ich mich bekehrte, bemühte ich mich ehrlich, ein wahrer Christ zu sein. Natürlich hatte ich meine eigene Vorstellung davon, wie ein Christ zu sein habe. Ein wirklicher Christ, dachte ich, müsse von morgens bis abends nur lächeln! Sobald er eine Träne vergiesse, gehe er des Sieges verlustig. Ich dachte auch, er müsse einen unerschütterlichen Mut haben; wenn er unter irgendwelchen Umständen die geringste Angst zeige, beweise dies, dass es ihm ernstlich an Vertrauen auf den Herrn fehle.

Aber das Christenleben, so merkte ich bald, ist ganz anders. Es ist ein Widerstreit von Stärke in Schwachheit, von Freude inmitten von Schmerz, von Glauben, der trotz mancher Zweifel den Sieg davonträgt. Gerade wenn ein Christ sich am stärksten in der Kraft des Herrn fühlt, spürt er am meisten sein eigenes Unvermögen; in Augenblicken des größten Mutes und der reinsten Freude können Angst und Trübsinn in ihm aufbrechen. Nur die alles überwindende göttliche Kraft hebt ihn hinan.


Autor: Samuel Keller (* 15.03.1856; † 14.11.1924) deutscher protestantischer Theologe und Schriftsteller

"Wir haben allenthalben Trübsal, aber wir ängsten uns nicht."

Wenn die Trübsal uns hat, dann umgibt sie uns mit solch einem Nebel von Vorstellungen und belastet uns mit solcher Wucht von Last und Schmerz, dass wir alle vernünftige Überlegung verlieren. Was es dann für eine Allmacht der Angst geben kann, zeigt die Panik der Leute im brennenden Theater. Darum sagt der Apostel: Wir bleiben die Besitzer der Trübsal, auch wenn es wirklich wahr ist, dass sie uns allenthalben umlagert. Unsere Selbstentscheidung ist dadurch nicht ausgeschaltet. Der Zusammenhang mit Gott ist nicht unterbrochen. Wir wissen, dass wir ewig sind, und jene Trübsal ist vergänglich. Uns hat Gott lieb; jene Trübsal wird weggeworfen, wenn sie uns nichts mehr zu sagen hat. Darum ängsten wir uns nicht. Trübsal geht das irdische Empfinden an; Angst wäre eine Erkrankung der Seele und des Glaubens. Wie der unangenehme kalte Wind und Platzregen den Leib erreicht und nicht an die Seele und unsere innere Persönlichkeit tastet, so bleibt die Trübsal draußen. Die goldenen Gassen und die reingewordenen Menschen bedürfen ihres Dienstes nicht mehr.

Herr, wir bitten dich um heilige Spannkraft der Seele, dass wir uns nicht von der Trübsal, die zeitlich und leicht ist, blenden lassen, sie für wichtiger zu nehmen, als sie ist. Lasse sie uns zum Segen ihre Aufgabe erfüllen und dann erlöse uns von allem Übel! Amen.


Autor: Samuel Keller (* 15.03.1856; † 14.11.1924) deutscher protestantischer Theologe und Schriftsteller

"... Uns ist bange, aber wir verzagen nicht."

Ist das unser christliches Heldenvorbild, dass keine Erschütterung unserer mutigen Stimmung eintreten kann? Für den fleischlichen Helden mag das zu seiner Rolle gehören. Wir sind aber durch das Innewohnen Christi nicht Übermenschen geworden, denen die menschliche Schwäche gegen Schmerz, Gefahr und Beunruhigung ausgemerzt wäre. Nein, wir können noch ganz einfach bange werden, wenn die Drohungen der Sorge oder die Gefahren der Seele wie mächtige Wasserwogen daherbrausen. Dafür aber sind wir in solchen Zeiten an einem andern Punkt den Weltmenschen überlegen. Sie sehen keine Rettung; ihnen gilt kein Trost Jesu; von der Gewissheit des endlichen Sieges ahnen sie nichts. Wir aber haben eine Zukunft, seine herrliche Zukunft. Darum hat unsere Leidenslandschaft einen lichten Fernblick. Wir sehen schon den untern Rand der Wolke, die jetzt über uns steht, goldig umsäumt. Darum können und dürfen wir nicht verzagen. Mitten in der Spannung und unter dem Druck der bitteren Gegenwart spähen wir nach dem herrlichen Einst seiner Zukunft. - Was muss doch an mir krank sein, wenn die Bangigkeit sich auswächst zum Verzagen? Glauben und Lieben und Hoffen müssen ineinandergreifen zum Starkmachen!

Herr Jesus Christ, du nur bist unserer Hoffnung Licht. Stell uns vor und lass uns schauen jene immergrünen Auen, die dein Wort verspricht. Amen.


Autor: Wilhelm Busch (* 27.03.1897; † 20.06.1966) deutscher evangelischer Pfarrer, Prediger und Schriftsteller
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Seltsame Spannung im Christenleben! Das ging einem jungen Soldaten im Kriege auf. Er war sehr einsam. Denn von seinen Kameraden wollte keiner etwas von Jesus wissen. Und nun sehnte er sich von Herzen nach einem Freund, der mit ihm gleichen Sinnes war. Eines Tages pfiff er leise ein Jesus-Lied. Auf einmal fuhr er auf. Ein andrer Soldat pfiff dieselbe Melodie. Er ging auf den zu und fragte: „Welches Lied hast du da gepfiffen?" Der antwortete: „Es war das Lied:

Stark ist meines Jesu Hand
und er wird mich ewig fassen.
Hat zu viel an mich gewandt
um mich wieder loszulassen..."

Und ich", sagte der erste, „hatte das Lied im Sinn: Steil und dornig ist der Pfad der uns zur Vollendung leitet..." So hatten sich zwei gleichgesinnte Herzen gefunden. Und sie sprachen nun oft darüber, dass diese beiden Lieder dieselbe Melodie haben, obwohl sie in ihrem Inhalt so gegensätzlich scheinen. Aber so ist es! Christen kennen nur eine einzige Lebensmelodie. Und die heißt: Jesus! Doch diese Melodie hat zwei Texte. Der eine spricht von fröhlicher Glaubenszuversicht, daß Seine Hand stark und treu ist, daß Er festhält und durchbringt und froh und selig macht.

Der andre Text aber spricht davon, dass der Weg Jesu steil und dornig ist, dass man täglich mit Ihm sterben muß, dass Christenleben durch Kampf und viel Not geht. Das meinte Paulus, als er sagte: „Wir haben allenthalben Trübsal, aber wir ängstigen uns nicht." Nur wo man beides bejaht, wird in unserm Leben das Jesus-Lied, die Lebensmelodie, recht gesungen. Amen.