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Predigten zu 2. Mose 20,3

"Du sollst keine anderen Götter haben neben mir. - "

Autor: Carl Olof Rosenius (* 03.02.1816; † 24.02.1868) schwedischer Laienprediger und Initiator einer neuevangelischen schwedischen Erweckungsbewegung

"Du sollst keine anderen Götter haben neben Mir."

Wir sollten einigermassen verstehen, was das erste Gebot von uns fordert. Wenn nun der Herr nur mit unserem Verstehen und Wissen zufrieden wäre, dann wäre ja alles gut. Aber der heilige Gott will etwas ganz anderes von uns haben: Wir sollen auch danach tun, wir sollen nicht nur wissen, verstehen und davon reden, sondern wirklich das tun, was Er fordert. Er will nicht dulden, dass dies erste Gebot vergessen und verachtet wird. Er will ernstlich über die Befolgung desselben wachen. Darum hat Er an dieses Gebot zwar eine ernste Drohung, aber auch eine herrliche Verheißung geknüpft. Denn gerade bei diesem fügt Er hinzu: "Ich, der Herr, dein Gott, bin ein eifriger Gott, der da heimsucht der Väter Missetat an den Kindern bis in das dritte und vierte Glied derer, die Mich hassen, und tue Barmherzigkeit an vielen Tausenden, die Mich liebhaben und Meine Gebote halten."

Obwohl diese Worte auf alle Gebote angewendet werden können, muss man doch aus dieser ernstlichen Drohung erkennen, welchen heiligen Eifer der Herr um Sein erstes Gebot hat, damit wir es zu Herzen nehmen sollen, um wirklich danach zu tun. Wir werden doch wohl nicht auf uns nehmen wollen, den Zorn Gottes zu ertragen und auszuhalten? Es handelt sich hier also um das Tun und nicht um das Wissen des Willens Gottes. So sprach auch Jesus zum Schriftgelehrten, als dieser das vornehmste Gebot hergesagt hatte: "Tue das, so wirst du leben!." Das heißt ja tatsächlich, mit dem großen Gott Spott zu treiben, das ist ja Heuchelei und Gaukelei vor Seinen Augen, wenn du es dabei bewenden lässt, Sein Wort zu hören, zu lesen, zu verstehen und zu beurteilen, dann aber davongehst und die Befolgung selbst vergisst. Darum höre noch einmal, wie Er spricht: "Du sollst keine anderen Götter haben neben Mir." Wer soll dies tun, wenn nicht gerade du, du, der du Seine Stimme hörst, du selbst, der du Sein Gebot liest und verstehst. Oder sollst du nur andere es annehmen lassen? Weshalb bist du ausgeschlossen? Der Herr sagt nicht, dass du es tun kannst oder darfst, wenn es dir gefällt; sondern Er sagt: "Du sollst - du sollst!" Es steht dir nicht frei, es zu tun oder zu lassen, sondern du sollst es tun, oder aber Sein gerechter Zorn, Sein gerechtes Urteil werden auf dir lasten. Er hat ein göttliches Majestätsrecht, über uns zu befehlen.

So sagt Er auch nicht, dass du gewisse Abgötter fahrenlassen sollst, und dass du den einen oder den anderen behalten kannst, sondern Er sagt: "Du sollst keine anderen Götter haben neben Mir." Du hast vielleicht keinen Menschen, aber du hast Geld zum Abgott; du hast vielleicht nicht Geld und andere Reichtümer, aber du hast eigene persönliche Verdienste, Tüchtigkeit, Gelehrsamkeit und andere Gaben. Du hast diese nicht zu Abgöttern, hast aber besondere Gnade im Geistlichen, eine besondere Erleuchtung, Weisheit, Stärke, Gottesfurcht, die deine Abgötter sind. Der Herr sieht es und wird einen jeden ohne Ansehen der Person richten. Es liegt ein ewiger, göttlicher Ernst in dem Gebot: "Du sollst keine anderen Götter haben neben Mir."

Bedenke darum noch einmal das Wort lieben - "du sollst lieben den Herrn, deinen Gott von ganzem Herzen" usw. "Lieben" bedeutet doch wohl auch hier "lieben!" Bist du dagegen kalt gegen Gott, so dass du nicht mit innigster Lust zuerst und zuletzt mit Ihm umgehen, mit Ihm und von Ihm reden willst - denn, wes das Herz voll ist, des geht der Mund über - wenn sich deine Worte und Gedanken mehr mit anderen Dingen beschäftigen, mögen dies auch die herrlichsten sein, so liebst du Gott nicht. Findest du obendrein Seine Gebote schwer, so dass du dich zu dem zwingen musst, was Ihm gefällt, oder bist du mit Seinem Willen unzufrieden, wenn Er dir deine Abgötter nimmt, dir die Sünde verbietet oder dir Leiden, Verachtung und Verlust zusendet, so liebst du Ihn nicht von deinem ganzen Gemüt. Du liebst dich selbst mehr als den großen Gott und Sein Wohlgefallen. Du betest den erbärmlichsten Götzen an, nämlich dich selbst. Und dann musst du wissen, dass du nach dem heiligen Gesetz des Herrn zur Hölle verdammt bist und mit allem Recht dem Teufel angehörst. Hältst du dagegen dieses erste Gebot Gottes und danach auch die anderen treulich, so darfst du wissen, dass Gott dir überaus gnädig ist, dass du Ihm gefällst und für Zeit und Ewigkeit alle Seine Güter geniessen wirst.

Hier muss nun jeder Mensch ans Licht gebracht werden. Wenn du nämlich bei solcher Betrachtung des göttlichen Gesetzes noch gleichgültig, nur ein Hörer und Betrachter bleiben kannst, der es anderen überlässt, es zu Herzen zu nehmen, während du selbst davongehst und in gefährlicher Sorglosigkeit dahinlebst, dann ist dies ein Zeichen dafür, dass du ein leichtsinniger Gottesverächter bist, der Gott und Sein heiliges Gesetz für ein Nichts hält. Bist du ein frommer und religiöser Mensch, sagst aber: "Das kann kein Mensch erfüllen" - und gehst weg und lebst unbesorgt um den Willen und die Gebote Gottes in deiner vermeintlichen geistlichen Armut dahin, einer Armut aber, die dich nicht beunruhigt, bekümmert oder züchtigt, sondern dich sicher und selbstzufrieden dahinleben lässt, oder gehörst du zu denen, die da sagen: "Das ist wahr, so sollen Christen sein; dies und jenes sollen sie tun", nimmst selbst aber keinen Teil an dieser Arbeit und hast darum auch nicht gemerkt, wie so ganz verloren es mit deiner Frömmigkeit ist, die dich flüchtig über die Prüfung deines Herzens hinwegführt - dann solltest du merken und wissen, dass du ein bezauberter und verblendeter Heuchler bist -, ganz dem Pharisäer gleich, der das größte und vornehmste Gebot richtig hersagen konnte, aber dennoch "sich selbst rechtfertigen wollte".