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Predigten zu 2. Mose 32,1

"Und als das Volk sah, daß Mose verzog, von dem Berge herabzukommen, da versammelte sich das Volk zu Aaron, und sie sprachen zu ihm: Auf! mache uns einen Gott, der vor uns hergehe! denn dieser Mose, der Mann, der uns aus dem Lande Ägypten heraufgeführt hat, - wir wissen nicht, was ihm geschehen ist."

Autor: Alfred Christlieb (* 26.02.1866; † 21.01.1934) deutscher Theologe
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"Auf, mache uns Götter!"

Noch einmal sei's gesagt! Wie schrecklich wirkt sich hier die Ungeduld aus! Diese Geschichte entlarvt ihre ganze Schädlichkeit. Wir wollen nie denken: Ich bin zwar ein bisschen ungeduldig, aber im Grunde habe ich doch ein gutes Herz. Ach nein! Ungeduld macht Gottes Werk in uns zunichte. Sie lockt weg aus Gottes Erziehungsschulen. Wir wollen sie nicht entschuldigen mit schwachen Nerven oder heftigen Schmerzen. Wir wollen damit zum Kreuz des Herrn Jesus gehen und beten: "O Lamm Gottes unschuldig, allzeit erfunden geduldig, rette mich von aller Ungeduld, auch bei den kleinen Nöten des häuslichen Lebens. Gib mir deine Geduld! Wachse du in uns!" - Wer nicht so betet, bei dem wachsen aus der Ungeduld schlimme Sünden hervor. Bei Israel war es heidnischer Götzendienst. Wie war das möglich? In Ägypten hatte Israel oft zugesehen, wenn die Leute um ihre goldenen Kälber herumtanzten. Anfangs mögen sie gedacht haben: Wie lächerlich! Welch dumme Götzen! Wir glauben an den lebendigen Gott, den Schöpfer Himmels und der Erde. Aber bei längerem Zusehen haben sie doch wohl in ihrem Herzen ein gewisses Wohlgefallen an dem Singetanz gefunden. Und jetzt, jetzt kommt es ans Licht! - Ihr lieben Eltern denkt ja nie, ihr könntet eure Kinder unbedenklich in weltliche Häuser, zu weltlichen Vergnügungen, zu weltlichen Lustbarkeiten gehen lassen; sie würden dabei keinen Schaden nehmen. Ach! Ganz heimlich kann sich dabei doch ein Wohlgefallen an weltlichen Abgöttereien in ihren Herzen festsetzen. Eines Tages bricht es dann auf in einer Weise, dass euch das Entsetzen schüttelt! Lasst es euch gesagt sein durch die Geschichte vom goldenen Kalb: Es bleibt etwas hängen, wenn man jahrelang zuschaut dem Treiben der Welt und wenn man gar mittut! Wir schützen uns und unsere Kinder am besten durch treuen Umgang mit dem Wort Gottes und treuen Gebetsumgang mit dem Herrn.


Autor: Jakob Kroeker (* 1872; † 12.12.1948) wichtigster Vertreter des freikirchlichen russländischen Protestantismus
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"Als aber das Volk sah, dass Mose vom Berge zu kommen verzog, versammelte es sich wider Aaron und sprach zu ihm: Auf, mache uns Götter, die uns vorangehen! Denn wir wissen nicht, was diesem Manne Mose widerfahren ist, der uns aus Ägypten geführt hat." 2.Mose 32,1

Das Begehren eines Götterbildes des im Warten müde gewordenen Volkes zeigte die niedere Stufe des Geistes, auf der Israel die bisherigen großen Taten Gottes durchlebt hatte. Trat doch in der Forderung des Volkes an Aaron in seltener Klarheit hervor, wie sehr es seine Rettung weit mehr als ein Werk Mose, denn als ein Werk der Barmherzigkeit Gottes erfasst hatte. Nicht Gott mit seiner Offenbarung war ihnen das unverlierbare Unterpfand für jede fernere Leitung und die unerschütterliche Garantie der Zukunft, die Bürgschaft ihrer Verbindung mit Gott war ihnen Mose.

Israels Forderungen nach Göttern am Fuße des Sinai, die vor ihm hergehen sollten, ist uns daher mit ein Beweis, wie wenig Israels Geschichte und Gesetz die Schöpfung seines eigenen Geistes und seiner entwickelten Religiosität waren. Als dem Volk das göttliche Licht, das ihm durch einen Gottespropheten vermittelt worden war, für einige Tage nicht mehr leuchtete, da verfiel es in seiner Maße dem heidnischen Kultus. Vom Volk gezwungen, schuf Aaron alsdann das goldene Kalb. Er ließ sich die goldenen Ohrringe der Frauen und Kinder bringen und goss daraus jenes Göttersymbol, von dem dann das Volk sagte: "Dies sind deine Götter, Israel, die dich aus dem Lande Ägypten geführt haben!"

Von welchen Gesichtspunkten sich Aaron im Einzelnen in diesen seinen Handlungen leiten ließ, ist jedoch nicht klar. Den Mut, lieber ein Opfer für die göttliche Offenbarung zu werden, als dem Volke zu einem heidnischen Götterkultus zu verhelfen, hatte er jedenfalls nicht. Er konnte wohl Diener eines Propheten, aber nicht der zielbewusste, prophetische Führer eines zwar von Gott berufenen, aber unselbständigen Volkes sein. Auf seine Veranlassung hin feierte nun die Menge am nächsten Tage ein Fest dem Herrn und verband dasselbe mit Essen und Trinken und sinnlicher Ausschweifung. Und doch tat das Volk damals nur, was bis in die Gegenwart vielfach alle Frömmigkeit tut, die, wie damals Israel, den lebendigen Kontakt mit Gott verloren hat: sie tanzt um das Symbol und feiert dem Herrn Feste zur Befriedigung der menschlichen Leidenschaften. Zwar kann jede geheiligte Symbolik für das religiöse Leben von unschätzbarem Wert sein, solange sie nur Dolmetscherin der göttlichen Offenbarungen ist. Sobald sie aber an Stelle der Offenbarung oder sogar an Stelle von Gott selbst tritt, wird sie zum christlich verbrämten Götzendienst, in dem der Mensch in der Form einer rein naturhaften Frömmigkeit seine Leidenschaft auslebt.