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Predigten zu Epheser 2,3

"unter welchen auch wir einst alle unseren Verkehr hatten in den Lüsten unseres Fleisches, indem wir den Willen des Fleisches und der Gedanken taten und von Natur Kinder des Zorns waren, wie auch die übrigen."

Autor: Ludwig Hofacker (* 15.04.1798; † 18.11.1828) deutscher evangelischer Pfarrer
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Fleischeslust, ach, das ist es ja, wonach die Welt vorzüglich hascht; das sucht sie ja mit all den Anstalten, die sie trifft, das sucht sie ja mit allem Rennen und Jagen, mit ihren Lustgelagen, mit ihren Partien, mit all ihren Eitelkeiten, das sucht sie jahraus jahrein, Tag und Nacht, und wird nimmer satt, und kann zu keinem Gentige kommen; denn das elende Fleisch und sein Gelüste soll seine Nahrung finden; dem Fleische muß auf feine oder grobe Weise geschmeichelt werden. Doch ihr wisset alle, was darunter verstanden ist, ihr wisset, daß darunter alles begriffen ist, was die Gelüste oder Gelüstlein des Fleisches kitzelt, habe es nun Namen, welche es wolle; und wahrlich, unsere sinnliche Zeit hat es weit darin gebracht, immer wieder neue Arten der Fleischeslust zu schaffen, immer schönere Namen ihr zu geben. Es fragt sich nur darum, ob wir davon los sind, ob wir nicht in feinerer oder gröberer Knechtschaft des Fleisches gefangen liegen, ob wir Überwinder sind? Ach, mein Gott! Wie manche Seele möchte hier gegenwärtig sein, die eine gebundene der Welt ist, wie mancher, dem sein Bauch mehr oder weniger sein Gott ist. O ihr armen Geister, die ihr der Fleischeslust dienet, feiner oder gröber, sehet Jesum an, sehet, was eure Sünde angerichtet hat, wie ihm sein Fleisch gegeißelt und gezüchtigt, sein heiliger Leib zerrissen und verwundet, das ganze Gericht der Sünde an ihm hinausgeführt wurde. Ihr lebet mit der Welt in Lust und Freude, und er mußte in Todesqual sich verzehren. Ach, welche Schuld ladet ihr auf euch, wenn ihr Jesum mit euren Wollüsten täglich noch kreuzi- get! Welche schreckliche Saat wird aufgehen in der Ewigkeit, wenn es an euch wahr wird, daß »wer auf sein Fleisch sät, der wird vom Fleisch das Verderben ernten!«

Ein Tag der sagt's dem andern, mein Leben sei ein Wandern zur großen Ewigkeit. O Ewigkeit, du schöne! Mein Herz an dich gewöhne, mein Heim ist nicht in dieser Zeit.


Autor: Ludwig Hofacker (* 15.04.1798; † 18.11.1828) deutscher evangelischer Pfarrer
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Gott hätte das vollkommenste Recht dazu gehabt, uns untreue, abtrünnige Geschöpfe auf immer von seinem heiligen Angesichte zu entfernen: Denn wie häßlich müssen wir in Gottes Augen sein, wir sündige, verdorbene Geschöpfe in den Augen dessen, der lauter Licht ist und in dem keine Finsternis wohnet; der der allein Selige, allein Gewaltige, der Unvergängliche und allein Weise ist; vor dem die Seraphinen unaufhörlich lobpreisen und rufen: Heilig, heilig, heilig ist unser Gott, der Herr Zebaoth, alle Lande sind seiner Ehre voll! Ja, wenn er, der Allmächtige, uns nur einen einzigen Gnadenblick gönnen wollte, müßten wir nicht dadurch in unserem innersten Herzensgrunde beschämt werden, müßten wir nicht mit David ausrufen: Was ist der Mensch, daß du seiner gedenkst und des Menschen Kind, daß du dich sein annimmst? Ja, in der Tat groß wäre schon die Gnade, wenn er uns eines einzigen Blickes würdigen wollte! Nun aber hat er keinen Ekel an uns gefaßt, hat uns nicht verstoßen in die ewige Finsternis, da wir es doch verdient hätten, nein, nur Barmherzigkeit und Gnade hat er vorwalten lassen; durch die ganze Zeit des alten Bundes herauf hat er sich mit rührender Geduld und Treue der törichten und blinden Menschen angenommen, hat sich zu ihrer Schwachheit herabgelassen, hat sie im Elende getröstet, im Leiden erquickt, hat sie väterlich und mehr als väterlich gezüchtigt und gestraft und unaussprechliche Mühe mit ihnen gehabt. Alle Schriften des alten Bundes zeugen von dieser Herablassung des ewigen Gottes zu den sündigen Menschen. Das war ihm aber noch nicht genug. Als die Zeit erfüllet war, hat er seinen Sohn, seinen eingebornen Sohn, das Liebste, das er hatte, den Abglanz seiner Herrlichkeit, das Ebenbild seines Wesens herniedergesandt in der Gestalt des sündlichen Fleisches, hat ihn in unsere Menschheit eingepflanzt, hat ihn allen Leiden und Mühseligkeiten dieses Lebens ausgesetzt, hat ihn zuletzt erwürgen und am Kreuze verschmachten lassen, damit wir elende, an Leib und Seele zu Grund gerichtete, unter dem Fluch liegende Geschöpfe erlöset würden von der Knechtschaft der Sünde, des Todes, des Teufels und der Hölle.

Das hat er alles uns getan, sein große Lieb zu zeigen an; des freu sich alle Christenheit, und dank ihm des in Ewigkeit! Halleluja.