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Predigten zu Epheser 4,27

"und gebet nicht Raum dem Teufel."

Autor: Samuel Keller (* 15.03.1856; † 14.11.1924) deutscher protestantischer Theologe und Schriftsteller

"Gebet auch nicht Raum dem Lästerer."

Wodurch bekommt der Lästerer Raum? Dadurch, dass man ihm zuhört, sich aus seinen Reden viel macht und trotz alles Widerwillens gegen ihn sich für seine Klatschereien interessiert. Wie kann man aber als Christ diesem gefährlichen Gewächs soviel Interesse entgegenbringen, dass des Apostels Mahnung überhaupt einen Sinn bekommt? Aus Neid und der Sucht, sich auf Unkosten des andern selbst erhöht zu sehen, entspringt jene Lust, Schauderhaftes über den Rivalen zu vernehmen. Christliche Klatscherei, fromm und entrüstet scheinende Verleumdung, heuchlerisches Achselzucken und Kopfschütteln, vielsagende Mienen und zweideutige Ausdrücke schlauer, schlechter Feigheit, die nicht dafür gefasst werden will - o wer kennt das alles nicht auch noch heute! Wenn wir wirklich als "die von einem Stamme stehen auch für einen Mann", wenn wir wirklich mit wahren Gotteskindern uns eins wissen - dann weg mit dem Lauschen auf solche Verleumdung! Wenn der Lästerer keine bereitwillige Aufnahme, sondern Ablehnung seiner Geheimnisse und Neuigkeiten erfährt, kann ihm selbst das zur Ernüchterung und Bekehrung gereichen.

Lieber Heiland, vergib mir, dass ich so oft in meinen Beziehungen zu andern Brüdern auf solche Lästerer gehört und durch sie betört, unrecht getan habe. Reinige mich; mein Herz mit Liebe, mein Mund mit Wahrheit sei in deiner Hand. Amen.


Autor: Martin Luther (* 10.11.1483; † 18.02.1546) theologischer Urheber der Reformation
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Die Kunst aller Künste

Der Teufel redet uns ein: »Wie kannst du zu Gott beten und ihn ›Unseren Vater‹ nennen? Du bist zu unwürdig und lebst täglich in Sünden. Warte doch, bis du frömmer bist, damit du nicht nur freudig und geschickt, sondern auch feurig zum Gebet wirst und dadurch eine feste Zuversicht zu Gott fassen kannst, und ihn von Herzen ›Unseren Vater‹ nennen darfst.« Wer Sünde und Schuld spürt, steht stets in einer schweren Anfechtung, mit der das Herz kämpfen und ringen muss, bis es diesen Stein abgewälzt hat und anfangen kann, trotz des Gefühls der Unwürdigkeit vor Gott zu treten und zu ihm zu rufen. Jeder soll es probieren und mir sagen, wie leicht es ihm gelungen ist, solche Gedanken aus dem Sinn zu schlagen und von Herzen zu sagen: »Mein Vater im Himmel!« Beim öffentlichen Gebet und in der Gemeinde geht es etwas leichter, weil wir alle zusammentreten und »Unser Vater« sagen. Wenn wir aber allein sind, geht es nicht so leicht, wenn jeder für sich selbst beten soll und unser Herz gegen uns aufsteht und der Teufel solche Gedanken in die Glut bläst, dass sie hell auflodert: ›Du bist ein schändlicher Mensch – nicht wert, dass dich die Erde trägt. Wie darfst du vor Gott treten und ihn Vater nennen?‹ Darum ist das rechte, von Herzen kommende Beten eine furchtbar schwierige Sache und eine Kunst über alle Künste. Es geht ja nicht um das Reden mit dem Mundwerk, sondern das Herz muss sich in vollem Vertrauen Gott nahen und zu ihm sagen: »Unser Vater!«