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Predigten zu Hohelied 5,2

"Ich schlief, aber mein Herz wachte. Horch! Mein Geliebter! Er klopft: Tue mir auf, meine Schwester, meine Freundin, meine Taube, meine Vollkommene! Denn mein Haupt ist voll Tau, meine Locken voll Tropfen der Nacht. -"

Autor: Charles Haddon Spurgeon (* 19.06.1834; † 31.01.1892) englischer Baptistenpastor
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"Ich schlafe, aber mein Herz wacht."

Scheinbare Widersprüche sind in der Christenerfahrung sehr zahlreich, und hier ist ein solcher: die Braut schlief, und doch war sie wach. Nur der kann dies Rätsel des Glaubens treffen, der mit dem Kalbe der Erfahrung pflügt. Die beiden Hauptpunkte in unsrer heutigen Schriftstelle sind: eine traurige Schläfrigkeit und eine hoffnungsvolle Wachsamkeit. Ich schlafe. Durch die Sünde, die in uns wohnt, können wir in Erfüllung unsrer heiligen Pflichten lässig gemacht werden, träge zu geistlichen Übungen, unempfänglich für himmlische Freuden, und ganz und gar sorglos und gleichgültig. Das ist ein schmählicher Zustand für jemand, in dem der lebendigmachende Geist wohnt, und er ist gefährlich im höchsten Grade. Selbst die klugen Jungfrauen schlafen zeitweise, aber es ist hohe Zeit für alle, die Bande der Trägheit abzustreifen. Es steht zu fürchten, dass viele Gläubige ihre Kraft verlieren, wie Simson seine Locken verlor, während sie auf dem Schoss der fleischlichen Sicherheit schlafen. Schlafen, während die uns umgebende Welt ins Verderben stürzt, ist entsetzlich; es ist Wahnsinn, wo die Ewigkeit so nahe ist. Dennoch ist keiner unter uns so wachsam, als er sollte; ein paar Donnerschläge würden uns treffliche Dienste leisten, und wenn wir uns nicht bald aufraffen, werden wir sie vielleicht bald zu hören bekommen unter der Gestalt des Krieges, der Pestilenz oder persönlicher Verluste und Heimsuchungen. Ach, dass wir uns doch für immer vom Lager weichlicher Behaglichkeit erhöben und auszögen mit brennenden Fackeln dem kommenden Bräutigam entgegen! Mein Herz wacht. Das ist ein seliges Zeichen. Das Leben ist nicht erloschen, obgleich tief herabgestimmt. Wenn unser erneuertes Herz wider unsre natürliche Trägheit ankämpft, so sollten wir der unumschränkten Gnade dankbar sein, dass sie in dem Leibe dieses Todes etwas Leben wach erhalten hat. Jesus will auf unsre Herzen hören, will unsren Herzen helfen, will unsre Herzen besuchen; denn die Stimme des wachsamen Herzens ist wahrlich die Stimme unsers Freundes, der da spricht: "Tue mir auf!" Heilige Sehnsucht hilft mir gewiss die Riegel von der Tür zurückschieben. "Schaff' in mir, Herr, den neuen Geist, Der Dir mit Lust Gehorsam leist'."


Autor: Charles Haddon Spurgeon (* 19.06.1834; † 31.01.1892) englischer Baptistenpastor
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"Ich schlafe, aber mein Herz wacht." Hohelied 5,2

Die Braut hatte keine Recht zu schlafen, denn ihr Bräutigam ruhte nicht. Er stand draußen auf der kalten Straße, das Haupt voll Tau, die Locken voller Nachttropfen - warum wollte sie da ruhen? Er war so um sie besorgt und suchte sie, wie konnte sie so grausam sein, sich dem Schlummer hinzugeben?

Es ist unschicklich für jeden unter uns, gleichgültig zu sein, wenn wir bekannt haben, dem Bräutigam entgegenzugehen; und es ist schmachvoll für uns zu schlafen, weil er ein wenig verzieht. Die da schlafen, schlafen des Nachts. Da für uns die Nacht vergangen ist, so ist es höchst ungeziemend, dass wir uns auf dem Lager der Trägheit herumwälzen.

Es scheint mir, dass es für den Christen keine unpassendere Zeit zum Schlafen gibt als die jetzige; denn die Welt ist voll Gottlosigkeit und Aberglauben. Jeder, der nur halb wach ist, kann sehen, wie ernstlich der Feind bemüht ist, Unkraut zwischen den Weizen zu säen. Können die Wächter Zions auf ihren Wachtürmen schlafen, während der Feind ihre Bollwerke unterminiert? Können die Hirten schlafen, während der Wolf in die Herde eingebrochen ist? Soweit es unsere Herzen betrifft, haben wir keine Veranlassung zu schlafen; denn unsere täglichen Sorgen erfordern Wachsamkeit. Die Versuchungen um uns her machen es erforderlich, dass wir mit umgürteten Lenden dastehen. Wenn wir schlafen müssen, so mag es in einer weniger gefährlichen Lage sein und nicht in diesen feindlichen Ländern, durch die wir heute ziehen. Jenseits des Jordans, wo wir unsere Schwerter mit der gut gestimmten Harfe vertauschen werden, wird es noch genug Ruhe geben. Aber jetzt sorglos sein heißt, mitten im blutigen Kampf zu schlafen, heißt, am Rand des Abgrundes zu träumen und im Rachen des Todes zu spielen.

Möge uns des Meisters Stimme von unserem Lager aufwecken; denn er ruft laut: "Was ich aber euch sage, das sage ich allen: Wachet!"


Autor: Charles Haddon Spurgeon (* 19.06.1834; † 31.01.1892) englischer Baptistenpastor
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"Ich schlafe, aber mein Herz wacht." Hohelied 5,2

Welch ein Rätsel ist doch der Gläubige! Er schläft, und doch wacht er. Das Ich des Gläubigen schläft, doch sein Herz, seine Liebe ist wach. Bedeutet die Wachsamkeit des Herzens nicht: "Ich schlafe, aber ich bin nicht damit zufrieden, dass ich schlafe!"?

Der wahre Gläubige kann sich nicht mit einem falschen und faulen Frieden abfinden. Das göttliche Leben in ihm kämpft gegen die abscheuliche Schlange der Sünde, die versucht, ihn einzuschläfern. Kein erneuertes Herz kann vollkommene Ruhe geniessen, solange es sich sagen muss, dass es ein Faulenzer im Weinberg ist.

Abgewichener Christ, wacht dein Herz? Wenn ja, so fordert es von dir, dass du dich dessen würdig verhältst, dem du angehörst. Kannst du von Gott erwählt sein und doch schlafen, während der Herr Jesus entehrt wird? Du bist durch Christi Blut erlöst und kannst doch die Zeit verschwenden, die deinem Heiland gehört? Wie ist das möglich? Schäme dich und zeige dein Angesicht nicht mehr, denn dies ist Undankbarkeit und schwärzeste Farbe.

Es ist ein hoffnungsvolles Zeichen, wenn ein Christ in Wahrheit diese Worte der Braut nachsprechen kann. Aber beachte, dass damit noch nicht viel gesagt ist. Rühme dich dessen nicht, dass dein Herz wach ist. Sei dankbar dafür, dass dir die unendliche Liebe Gnade genug gewährt, dein Herz lebendig zu erhalten. Aber Klagen und Sehnsucht allein sind ein so geringes Werk der Gnade, dass du, anstatt dich damit zufriedenzugeben, erzittern solltest.

Ich fürchte, dass es Tausende von Gotteskindern gibt, die wach genug sind, um zu bemerken, dass sie schlafen. Aber ach, sie verharren in diesem traurigen Zustand.

Ich möchte jeden Gläubigen ermahnen, eine strenge Untersuchung seines geistlichen Zustandes vorzunehmen. Wenn dein Herz heute wach genug ist, um dir zu sagen, dass deine Liebe zu Jesus nachgelassen hat, dass deine Wärme und dein Eifer für Christus erloschen sind, dann bitte ich dich, auf die Stimme des Herrn Jesus zu hören: "Tue Buße und tue die ersten Werke!"


Autor: Samuel Keller (* 15.03.1856; † 14.11.1924) deutscher protestantischer Theologe und Schriftsteller

"Ich schlafe, aber mein Herz wacht."

Wenn das nur wahr wäre! Oder inwiefern kann das wahr sein? Wenn man unter Herz hier den bewussten, denkenden, wollenden Geist des Menschen versteht, so ist diese poetische Schilderung der Liebe nicht wahr. Nur ein Teil des Gefühls und der Phantasie bleiben wach; alles andere hat seine Tätigkeit im Schlaf eingestellt. Dabei gehen die rein physischen Arbeiten im Atmen, Schwitzen, Verdauen ihren Gang weiter. Sollten wir nicht aus Furcht vor unheimlichen Beeinflussungen aus der Geisterwelt damit Ernst machen, unseren Schlaf durch Gebet vor dem Einschlafen in Gottes treue Hut zu stellen? Wäre die letzte Stunde vorher der stillen Einkehr und Sammlung vor Gott geweiht und die letzte Minute vor dem Einschlafen eine Bitte: "in deine Hände befehle ich mich jetzt" - so würde vielleicht mancher schlechte oder alberne Traum gar nicht möglich sein. Soll fast die Hälfte unseres ganzen Erdenlebens oder doch über ein Drittel für unsere Phantasie ein wüster Spielraum sein? Außerdem könnte ich ja im Schlaf, ohne vorher aufzuwachen, sterben! Daher wäre es dringend zu empfehlen, dass der Abendsegen der Seele heilig und ernst vor dem Angesicht Gottes abgehalten werde. Darum bete ich gern: Abends will ich still mich legen Wie ins Bett in deine Hand. Deck mich zu mit deinem Segen, Weck mich auf im Vaterland! -


Autor: Samuel Keller (* 15.03.1856; † 14.11.1924) deutscher protestantischer Theologe und Schriftsteller

"Ich schlafe, aber mein Herz wacht."

Im Leben mancher Christen gibt es solche Zustände: Schlafen und Wachen zugleich! Ihre ganze Beteiligung am Gemeindeleben, an der Arbeit für den Herrn, am Bekennen und Beten hat aufgehört, ist eingeschlafen. Sie gestehen vielleicht ihren geistlichen Schlummer auch ein. Gefährlich ist das, denn da ist die Verteidigung gegen den Feind unmöglich, von dem geschrieben steht: "Da aber die Leute schliefen, kam der Feind und säte Unkraut unter den Weizen." Bedenklich bleibt solch ein Zustand, wenn er lange anhält; denn bei solcher Untätigkeit werden die Muskeln schwach. Der einzige Trost ist noch, dass das Herz wach ist und von jenem Schlaf weiss. Da kann in solchem Herzen doch noch ein Lebenstrieb überwintern, der nach dieser traurigen Zeit wieder wachsen und grünen kann. Jedenfalls muss man solchen Leuten raten: Häuft keine Untreuen und Zweifel über euer waches Herz. Sonst gibt's einen Augenblick, wo ihr doch unter der Last erstickt. Wenn ihr aber spürt, dass der Herr auch aus dieser "Schonzeit" aufruft, dann keine Minute länger gewartet! Wache auf, der du schläfst und stehe auf von den Toten! Denn mit einem schlafenden Heer kann der Herr seine Schlachten nicht schlagen.

Herr Jesus, du kennst uns in allen Lagen unseres Lebens, in allen Tiefen unserer Seele, in allen Geheimnissen unseres Glaubens. Heile uns, belebe uns, behandle uns, wie wir es bedürfen. Wir können von dir nimmer lassen! Herr, lass auch du uns nicht! Amen.