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Predigten zu Jakobus 5,20

"so wisse er, daß der, welcher einen Sünder von der Verirrung seines Weges zurückführt, eine Seele vom Tode erretten und eine Menge von Sünden bedecken wird."

Autor: Adolf Schlatter (* 16.08.1852; † 19.05.1938) schweizer evangelischer Theologe und Professor fürs Neues Testament
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Heilsgewißheit, Gewißheit der Vergebung der Sünden und des ewigen Lebens, ist eine große Gabe. Du kannst sie haben, sagt Jakobus, ich zeige dir, wie der Tod für dich vergeht und die Menge der Sünden bedeckt wird. Dort ist der Bruder; er irrt. Ratlos stürmt er durch das Leben. Ihm leuchtet keine Wahrheit und nichts schützt ihn vor tiefem Fall. Hole ihn zurück auf Gottes Weg. Mache ihn frei von dem, was ihn blendet, und löse seine Fesseln. Er ist in Gefahr, rette ihn und dann sei gewiß: du hast deine Seele vom Tod errettet und die Menge deiner Sünde ist bedeckt. Gott läßt den nicht sterben, der den anderen vom Tod rettet, und rechnet dem die Sünden nicht an, der den anderen vom Sündigen befreit. Ist dieser Weg nicht schwer und ungewiß? Wird es mir möglich sein, einem anderen zu helfen, und weiß ich, ob ihm wirklich geholfen ist? Ich hätte lieber, daß Jakobus mich tröstete, statt daß er mich zum Dienst beruft. Finde ich nicht das, was Jakobus mir verspricht, auch schon im Sakrament, in der Beichte, die mir die Vergebung verkündigt, in der Taufe, die mich unter die Versöhnung bringt, die Jesus uns erworben hat, im Abendmahl, bei dem uns Jesus Gottes Vergeben schenkt? Gewiß bedarf ich die Sakramente, die mir Gottes gnädigen Willen zeigen. Hätte Jakobus sie nicht gekannt, woher nähme er dann die Verheißung: er wird die Menge der Sünden bedecken? Sicherlich brauche ich Trost; denn Schuld schmerzt und Sünde macht leiden und dem, der leidet, ist der Trost süß. Allein solch banges Fragen und Zweifeln ist doch nur das Zucken meines kranken Herzens. Jesus hat mir sein Sakrament nicht dazu gegeben, damit es ohne Frucht und Wirkung sei, und es bleibt ohne seine heilsame Wirkung, wenn ich aus ihm nur Trost für mich gewinne, der mich labt. Wie kann ich am irrenden und sündigenden Bruder achtlos vorübergehen, wenn ich weiß, was Jesus für uns hingegeben hat, und erfasse, wozu er sein Kreuz trug? Wenn mich sein Sakrament unbarmherzig macht, habe ich es mißbraucht. Sieh doch die Menschen um dich her an; sind sie nicht Irrende und Sterbende? Damit ich ihnen die Gnade Jesu zeige, dazu hat er sie mir gezeigt. Wenn ich aber das kann und die Kraft habe, ihnen Gottes Gnade so sichtbar zu machen, daß sie ihnen faßlich wird, dann ist sie auch mein Besitz.

Ich könnte, Herr Gott, nicht so groß von dem denken, was du mir anvertraut hast, wenn es nicht dein Wort mir sagte. Ohne den starken Ruf deines Worts bliebe ich an mir selber hängen und dächte einzig an meine Not und an mein Heil. Nun aber legt mir dein Wort die Bitte in die Seele: brauche mich nach dem Willen deiner Gnade für die, die im Dunkeln sind. Amen.